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Wegen variablem Zusatzbeitrag

Krankenkassenbeiträge werden mittelfristig steigen

Montag, 29 Dezember 2014 22:39 geschrieben von 

Berlin - In den vergangenen Jahren wurde im Gesundheitssystem so viel herumreformiert wie in kaum einem anderen Politiksektor. Doch es ist bis heute nicht gelungen, eine nachhaltige und tragfähige Lösung zu finden. Ab dem 1. Januar 2015 sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent, die Krankenkassen können im Gegenzug aber einen Zusatzbeitrag von den Versicherten erheben, dessen Höhe sie selbst festlegen können. Der Arbeitgeberanteil wird auf 7,3 Prozent eingefroren.

Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas rechnet damit, dass die Krankenkassenbeiträge in den kommenden Jahren kräftig anziehen werden. Baas dazu wörtlich: „Ich würde mich nicht wundern, wenn das schon im Laufe des Jahres 2015 beginnen würde.“ Der Gesetzgeber verspricht sich von der Neuregelung mehr Wettbewerb zwischen den einzelnen Kassen.

Baas rechnet damit, dass sich der Zusatzbeitrag im kommenden Jahr innerhalb eines Prozentpunktes bewegen werde. Unter die 14,6 Prozent könne keine Kasse gehen, über den Satz von 15,5 Prozent wird sich vorerst keine Kasse hinauswagen, so Baas. Der TK-Chef dazu wörtlich: „Es wird teurer, das ist die Wahrheit. Wir rechnen im Durchschnitt der Krankenkassen mit 0,2 Beitragssatzpunkten Steigerung im Jahr. Das wird die Politik nicht lustig finden.“ Bis zum Jahr 2017 rechnet er mit jährlichen Erhöhungen um 0,4 Prozentpunkte.

Laut Baas gebe es zwei Möglichkeiten, den Kostenanstieg einzudämmen. Entweder man reduziert die Ausgaben, indem Leistungen eingeschränkt werden, oder aber man nutzt die Rücklagen. Der bereits gebildete Gesundheitsfonds umfasst derzeit eine Reserve in Höhe von 13 Milliarden Euro, diese Reserve könnte die Politik nutzen, um vor allem im Wahljahr 2017 spürbare Beitragserhöhungen zu verhindern.

Auch der Chef der Barmer GEK, Christoph Straub rechnet damit, dass die Ausgaben für den Krankenhausbereich, für Apotheker und Arzneimittel mittelfristig steigen werden. Bereits für das Jahr 2016 prognostiziert Straub einen durchschnittlichen Beitragssatz von etwa 16 Prozent.

Die zurückliegende Gesundheitsreform, deren Folgen in den kommenden Monaten und Jahren im Geldbeutel spürbar werden, ist wieder einmal nicht geeignet, die Folgen der demographischen Entwicklung für den Gesundheitssektor abzumildern und die Kostenbelastung der Versicherten zu reduzieren. Mehr Wettbewerb, den sich die Politik vom variablen Zusatzbeitrag verspricht, bringt letztlich mehr Kosten als Nutzen mit sich.

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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