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Bald Weltfrieden hergestellt?

Achtung Satire: IS von deutscher Selbstlosigkeit geschockt

Donnerstag, 19 November 2015 04:55 geschrieben von 

Mossul - Jakob Augstein, Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“ und Träger des „Bert-Donnepp-Preises“, schrieb auf „Spiegel Online“ die gandhischen Worte: „Als Deutschland und Schweden im Sommer damit begannen, große Zahlen muslimischer Flüchtlinge aufzunehmen, hatte das historische Bedeutung: Es war ein Werk der tätigen Versöhnung zwischen Orient und Okzident. Nie hat der Westen dem Islamismus eine größere Niederlage beigebracht als in dem Moment, da er den unter Krieg und Terror leidenden Muslimen Schutz gewährte. Man kann sich vorstellen, dass die Schergen des IS von diesem entwaffnenden Akt der Selbstlosigkeit schockiert waren.“

Allerdings schrieb er diese Worte in gewisser Hinsicht als Poet, nicht als Journalist, denn als Poet kann man sich tatsächlich vieles vorstellen, als Journalist darf man jedoch nur knallharte Fakten zählen lassen. Für knallharten, faktenbasierten Journalismus steht jedoch bisweilen COLPORTAGE, und deshalb war es klar, daß wir die These Augsteins vor Ort überprüfen würden. Bereits einmal waren wir ja in Mossul gewesen und hatten die salafistische Studentenverbindung „Wahabia“ besucht, es war auch problemlos, den Kontakt erneut herzustellen.

Wieder empfängt uns unser freundlicher Führer Adnan al-Taimiya. Er ist sichtlich gerührt, uns wieder zu sehen und es fällt uns nicht leicht, uns aus seiner herzlichen Umarmung zu lösen. Sofort kommt er auf den Grund unseres Besuchs zu sprechen: „Dieser entwaffnende Akt der Selbstlosigkeit der Deutschen, unsere von uns verfolgten Glaubensbrüder sowie unsere Kämpfer aufzunehmen, hat uns zuerst schockiert. Dann fingen wir an, darüber nachzudenken. Warum machen die Deutschen das? Sind die blöd? Ja, ich gestehe, auch ich habe das gedacht. Bis ich die Worte von Jakob Augstein las, und seither bin ich erleuchtet, ebenso wie meine Mitstreiter.“ 
Der sympathische Bartträger fährt fort: „Wir beim IS haben jetzt unsere Waffen eingeschmolzen und zu erotischen Spielzeugen für Homosexuelle umgearbeitet, als kleine Wiedergutmachung dafür, daß wir sie bislang hingerichtet haben.“ Wir fahren mit dem Toyota durch blühende Landschaften und sehen, daß Adnan Ohrringe trägt, links eine Regenbogenfahne und rechts eine Buddhafigur. „Wir haben keine Lust mehr auf diese alten Geschichten, Kampf und Tod und so. Stattdessen haben wir jetzt überall Yoga-Workshops eingerichtet, wo wir Bob Marley hören und Marihuana rauchen.“

Schließlich sehen wir eine Szenerie, die uns Tränen der Rührung in die Augen treibt. Junge Bartträger mit rosafarbenen T-Shirts mit dem Aufdruck „Sorry for Paris, we were wrong“ sitzen im Schneidersitz in einem Kreis, jeder hat einen kopflosen Leichnam und einen Kopf vor sich und versucht, die beiden Teile mit Nadel und Faden zusammenzunähen. Adnan lächelt „In dieser bislang so harten, männerdominierten Welt konnten wir das Nähen bislang noch nicht so richtig lernen, aber es wird langsam. Die ersten Versuche, geköpfte Mitmenschen wieder zusammenzunähen, waren noch etwas unbeholfen, auch werden manchmal die Köpfe an falsche Körper genäht, aber wir geben uns Mühe.“ Da steht einer der Zusammengenähten auf, ein großer, schwarzer Männerkörper mit dem Kopf eines kleinen arabischen Jungen. Er lächelt uns an und sagt Worte, die wir nie vergessen werden: „Danke Deutschland, danke Jakob Augstein!“

Verweise:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/krieg-gegen-terror-wir-sind-der-gegner-kolumne-a-1062979.html
https://www.colportage.de/politik/zu-besuch-bei-der-%E2%80%9Ewahabia-mossul%E2%80%9C.html
https://www.compact-online.de/merkels-konsequenz-aus-paris-nun-erst-recht-grenzen-auf

Letzte Änderung am Donnerstag, 19 November 2015 05:00
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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