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Neues Video, aber ohne Feinfrosthuhn

Pussy Riot rappen gegen Russland

Samstag, 06 Februar 2016 06:33 geschrieben von 
Pussy Riot, aber ohne Hillary Clinton Pussy Riot, aber ohne Hillary Clinton Quelle: de.wikipedia.org | Игорь Мухин | CC BY-SA 3.0

Berlin - Pussy Riot gelten in der veröffentlichten Meinung der „westlichen Welt“ als Dissidenten. Das bedeutet, daß sie die gesamte transatlantische Mainstreampresse und die Mächtigen auf ihrer Seite haben; zu den prominentesten Fürsprechern gehört die ordinäre Pop-Oma Madonna; eine Hillary Clinton hat sich mit ihnen ablichten lassen. Sehr gegen das Establishment also.

Bekannt geworden waren die jungen Frauen, nachdem sie im Rahmen einer Kirchenschändung gegen Wladimir Putin gewettert hatten. Dafür waren sie dann zu einer Haftstrafe verurteilt worden – für die Kirchenschändung, nicht für die Schmähung Putins. Ähnliches hätte ihnen für eine vergleichbare Aktion sicher auch in den USA und zumindest dem Gesetz nach auch in Deutschland geblüht, auch wenn der Kirche hierzulande im Sog des Zeitgeistes die letzten Selbstverteidigungsreflexe abhanden gekommen zu sein scheinen. Anläßlich der Winterspiele in Sotschi wurden sie dann übrigens begnadigt.
Der veröffentlichten Meinung gelten sie allerdings seither als Heldinnen und Künstlerinnen. Daß ihre „Kunstaktionen“ vorher vor allem Sachen wie eine Gruppensexorgie im Museum (wobei eines der Mitglieder der Truppe hochschwanger war) oder die nichtorale Einnahme eines Feinfrosthuhns in einem Supermarkt umfaßten (ob die Sympathie Hillary Clintons und Madonnas daher rührt?) - ach ja, das ist halt modern. Der Moderne ist alles Kunst, was ihr öffentlichkeitswirksam bei ihrem immanenten Drang hilft, die eigenen Standards an Niveau und Werten noch weiter nach unten abzusenken.

Jetzt haben sie also ein Musikvideo veröffentlicht. Sie sind ja auch... Musikerinnen. Getrommelt wird dafür unter anderem beim Guardian, beim National Public Radio und auch bei der Musikzeitschrift „Rolling Stone“. Das Stück heißt „Chaika“, bezogen auf den russischen Generalstaatsanwalt Juri Tschaika, der im Dezember letzten Jahres Thema eines Films des „Oppositionspolitikers“ (oder, nach anderer Lesart, des US-amerikanischen Einflußagenten) Alexei Nawalny geworden war.
Musikalisch gibt es von den „Punkrockerinnen“ allerdings keinen Punk, sondern einen (nach Einschätzung des Verfassers) sehr schwachen Rap, wobei die Musik auch (wenn überhaupt) nicht allein aus der Feder der Gruppe stammt, sondern mit der Hilfe des US-Musikers und Produzenten David Sitek (TV on the Radio, Jane's Addiction) entstanden ist. Das Video wird vom Rolling Stone als „verstörendes Protestvideo“ bezeichnet. Wer mag, findet es im ersten der unten angegebenen Verweise.
Nun ist die Kritik der Korruption staatlicher Organe in Rußland zwar nachvollziehbar – aber ist sie auch, ausgerechnet von den Freunden einer Hillary Clinton, der Organisation „Foundation for Accountability and Civic Trust (FACT)“ zufolge 2015 korruptester Politiker der USA, auch glaubwürdig?

In Russland haben die Gören von Pussy Riot, deren Weltbild lediglich aus einer diffusen Feindschaft gegen Putin und die russisch-orthodoxe Kirche zu bestehen scheint, dafür zumindest von staatlicher Seite wenig zu befürchten; des Beifalls ihrer Vorturner können sie sich hingegen sicher sein. Wie wäre es für das nächste Mal mit einer Aktion, ähnlich jener, welche sie in der orthodoxen Kirche veranstaltet haben, nur diesmal in einer Moschee in dem mit den USA verbündeten Saudi-Arabien? Ob sie dann weiterhin die Lieblinge der transatlantischen Presse wären?


Verweise:
https://www.youtube.com/watch?v=VakUHHUSdf8
http://www.rollingstone.com/music/news/watch-pussy-riots-disturbing-protest-video-chaika-20160203
http://www.npr.org/sections/parallels/2016/02/03/465435522/the-kremlin-is-not-going-to-like-pussy-riots-new-video
http://www.theguardian.com/world/2016/feb/03/russia-pussy-riot-latest-punk-protest-prison-selective-weapon
https://www.washingtonpost.com/news/post-politics/wp/2014/04/07/hillary-clinton-poses-with-pussy-riot
https://www.washingtonpost.com/news/reliable-source/wp/2015/03/08/bill-clinton-poses-with-pussy-riot
http://www.spiegel.de/politik/ausland/putin-will-chodorkowski-und-pussy-riot-begnadigen-a-940120.html
http://www.usapoliticstoday.com/watchdog-names-clinton-most-corrupt-politician-of-2015

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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