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Hochkarätige Ausstellung im Frankfurter Städel Museum

Claude Monet und die Geburt des Impressionismus

Samstag, 18 April 2015 23:29 geschrieben von 
Das Städel Museum in Frankfurt am Main Das Städel Museum in Frankfurt am Main Quelle: COLPORTAGE

Frankfurt am Main - Die Oberfläche des Teiches schimmert, scheint sich zu bewegen, spiegelt die am Ufer wachsenden Bäume, ein Spiel von Licht und Schatten. Eine Dame folgt, an einen Stamm gelehnt, mit ihren Blicken den Mustern der Wellen. Weitere Personen im Hintergrund verschwimmen mit der Vegetation. Grob ist der Pinselstrich, und gelangt doch, meisterhaft eingesetzt, zu höchstmöglicher Wirkung, die abgebildete Szene erschließt sich am besten, tritt man ein paar Schritte zurück, wirkt ungeheuer lebendig und löst sich indes bei näherer Betrachtung in hektisch schwirrende Farbtupfer auf.

Monets „Der Teich in Montgeron“ entstand 1876 und ist üblicherweise in der Sammlung der Eremitage in St. Petersburg zu besichtigen. Allerdings ist es dem Städel Museum in Frankfurt am Main gelungen, dieses und über 100 andere Werke, welche dem Impressionismus zugerechnet werden, bis auf wenige hauseigene Gemälde sonst verteilt in Museen und Sammlungen in aller Welt, etwa dem Pariser Musée d’Orsay, dem Metropolitan Museum of Art in New York und der National Gallery in London, in einer einzigartigen Schau zu vereinen.

Im Vordergrund steht dabei Claude Monet als Schlüsselfigur und bedeutendster Vertreter der Strömung. Woher holte er seine Inspirationen, wer waren seine Vorläufer? Welche Rolle spielten damalige gesellschaftliche Verhältnisse und die Art, in welcher der Mensch die Natur betrachtete? Verfolgt wird die Entwicklung von den frühesten experimentellen Stadien über die als  Schlüsselperiode geltende Pleinairmalerei im Wald von Fontainebleu und die ersten Impressionisten-Ausstellungen in Paris bis zum Spätwerk, als das Thema der Bilder Monets immer stärker gegenüber der Wirkung von Lichtverhältnissen und Farben in den Hintergrund trat, besonders deutlich in den flirrenden Serienwerken wie „Die Japanische Brücke“ (1918-24).

Zu diesem Triumph des Malerischen über den Inhalt hatte Monet indes bereits 1879 beim Tod seiner Frau Camille mit Schrecken festgestellt, daß er nicht mehr anders könne, als mit dem „unschuldigen Auge“ des Malers zu sehen, und die verschiedenen Lichtschimmer auf dem Gesicht der Toten beschäftigten ihn einen Moment mehr als die Trauer um den Verlust der geliebten Frau. Er entschloß sich, sie, die ihm zu Lebzeiten so oft Modell gestanden hatte, ein letztes Mal in einem Bild festzuhalten. Gegenüber seinem Freund Georges Clemenceau verglich er sein Los mit dem eines Tieres, welches verurteilt ist, endlos eine Mühle zu drehen. Das erschütternde Werk „Camille auf dem Totenbett“ ist ebenfalls in Frankfurt zu besichtigen. "Monet ist nichts als ein Auge, aber mein Gott, was für ein Auge!“ kommentierte Paul Cezanne das Wirken des Meisters um 1896 - treffend.

Neben den Werken des Großmeisters sind auch zahlreiche herrliche Exponate begnadeter Kollegen wie Alfred Sisley, Auguste Renoir, Camille Pissarro, Edgar Degas, Édouard Manet und Gustave Courbet zu sehen. Lohnende Zusätze sind eine ganze Reihe zeitgenössicher Fotografien der französischen Hauptstadt sowie einige Karikaturen, welche die seinerzeitige Wahrnehmung des Impressionismus in satirischer Zuspitzung illustrieren und auch heute noch mindestens zum Schmunzeln animieren. So läßt eine Zeichnung von 1877 den impressionistischen Maler zu Wort kommen: "Madame, bei Ihrem Portrait fehlen mir für das Gesicht noch einige Farbtöne. Könnten Sie zuvor einige Tage auf dem Grund eines Flusses verbringen?"

„Monet und die Geburt des Impressionismus“ läuft noch bis zum 21. Juni und wird ausschließlich im Frankfurter Städel Museum zu sehen sein. Der Kunstfreund sollte ein wenig Zeit mitbringen, zum einen wegen der überragenden Ausstellung selbst, zum anderen wegen der möglicherweise etwas längeren Wartezeiten an der Kasse. Der Eintritt kostet 14 €, ermäßigt 12 €, dabei ist der Besuch der Dauerausstellung mit inbegriffen. Das Fotografieren in der Sonderausstellung ist untersagt. Empfehlenswert ist stattdessen der Erwerb des umfangreichen Ausstellungskataloges und anschließend vielleicht ein Spaziergang entlang des Mainufers.

 

Quelle:

http://www.staedelmuseum.de/de/ausstellungen/monet-und-die-geburt-des-impressionismus

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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