Freigegeben in Kunst & Kultur

Sprachkritik und Zeitgeist

Das Unwort des Jahres 2014 ist doch ein Wort

Dienstag, 13 Januar 2015 21:16 geschrieben von 
Logo der Gesellschaft für Deutsche Sprache Logo der Gesellschaft für Deutsche Sprache Quelle: gfds.de

Berlin - Jahr für Jahr kürt die „Gesellschaft für Deutsche Sprache“ ein „Wort des Jahres“. Es war diesmal für 2014 das Wort „Lichtgrenze“. Analog dazu wurde „Lügenpresse“ zum „Unwort des Jahres“ gekürt. Definiert wird Unwort als „[…] Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.“
Die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich teilte am Dienstag ihre Entscheidung mit. Das Schlagwort „war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“.

„Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ werden Medien pauschal diffamiert“, so Janich weiterhin. „Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit.“
Beeindruckend ist dabei die Masse an Worthülsen, welche die Sprachschützerin in einem so kurzen Text unterzubringen vermag. Man fühlt sich an so manche Politiker erinnert, oder an die „Unwort des Jahres 2014“.

Insbesondere die Bezeichnung „unabhängige Medien“ für die Mainstreampresse mag sensiblen Gemütern unangenehm aufstoßen. Die Mehrheit gehört schließlich zu wenigen großen Pressekonzernen oder ist in Parteibesitz, mit den Medienbeteiligungen der SPD beschäftigte sich sogar schon das Bundesverfassungsgericht.

Der Journalist und Publizist Paul Sethe schrieb bereits 1965 in einem berühmt gewordenen Leserbrief im Spiegel: „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Weiterhin hieß es „Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher.“ Das war vor 50 Jahren.

 

Quellen:

http://www.linglit.tu-darmstadt.de/index.php?id=janich
http://de.wikipedia.org/wiki/Unwort
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/-pauschale-diffamierung---luegenpresse--ist-das--unwort-des-jahres-2014-,10809150,29553678.html

Letzte Änderung am Dienstag, 13 Januar 2015 21:22
Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

Redaktion