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Fantasywelten und Zukunftsvisionen

Der Autor Alexander Merow im Interview bei COLPORTAGE

Montag, 20 Juli 2015 21:54 geschrieben von 
Ruedi Strese empfiehtl Autor Alexander Merow Ruedi Strese empfiehtl Autor Alexander Merow Quelle: COLPORTAGE

Berlin - Dem aufmerksamen COLPORTAGE-Leser wird der Schriftsteller Alexander Merow bereits durch die Vorstellung seiner dystopischen Beutewelt-Reihe ein Begriff sein, welche kürzlich mit Band 7 ihren Abschluß gefunden hat. Diese stellt allerdings nur einen Teil seines Schaffens dar. Wir fanden, es ist nun Zeit für eine Gesamtschau und stellten dem Mann einige Fragen.

COLPORTAGE: Herr Merow, stellen Sie doch bitte einmal unseren Lesern Ihre verschiedenen Buchreihen kurz vor! Worum geht es, wer darf sich angesprochen fühlen?

Alexander Merow: Mein Name ist Alexander Merow, ich bin 36 Jahre alt und schreibe seit einigen Jahren Science-Fiction- und Fantasy-Romane. Mit dem Schreiben habe ich schon während meines Studiums begonnen und noch immer bereitet es mir eine Menge Freude. Inzwischen habe ich 12 Romane veröffentlicht. Insgesamt gibt es von mir drei Buchreihen, „Beutewelt“, „Das aureanische Zeitalter“ und „Die Antariksa-Saga“, die im Buchhandel erhältlich sind.  Allerdings sind noch weitere Romane in Planung. Derzeit schreibe ich am ersten Teil einer neuen Buchserie, die in einer „postapokalyptischen“ Welt spielt.

COLPORTAGE: „Beutewelt“ erinnert von der Ausgangssituation an 1984, diese ist eine über die ganze Welt ausgedehnte totalitäre Herrschaft eines kleinen Machtzirkels. Nur eine Horrorvorstellung oder sich abzeichnende Realität?

Alexander Merow: Für mich zeichnet sich diese Realität definitiv mit jedem weiteren Jahr deutlicher ab. Wer sich einmal mit den Hintergründen der Weltpolitik befasst hat, der wird herausgefunden haben, dass es diese Machtzirkel und Gruppen auch in Wirklichkeit gibt. Meiner Ansicht nach – und das wird auch von führenden Politikern offen ausgesprochen und überhaupt nicht geheim gehalten – bewegt sich die politische Entwicklung in eine Richtung, die der von „Beutewelt“ zumindest ähnlich sein könnte. Allerdings ist „Beutewelt“ natürlich Fiktion und ich möchte auch keinesfalls den oft gewalttätigen Widerstand meines Buchhelden Frank Kohlhaas für das echte Leben propagieren. Es sei zudem auch jedem Leser selbst überlassen, meine Romane zu interpretieren.

COLPORTAGE: Was die gegenwärtige zunehmende Überwachung und Gleichschaltung angeht: Wie weit sind wir vom Orwell-Staat entfernt?

Alexander Merow: Die technischen Möglichkeiten eines Systems a la Orwell sind schon länger vorhanden, ebenso der Wille der politischen „Elite“, diese zu ihrem Nutzen einzusetzen. Wie weit sich dies in Zukunft umsetzen lassen wird, hängt natürlich auch von uns allen ab. Mit anderen Worten: Ein solches System funktioniert nur, wenn es sich alle gefallen lassen.

COLPORTAGE: In „Beutewelt" gelingt es den Völkern, zuerst Japan und Rußland, sich aus dem Würgegriff der Weltregierung zu befreien. Haben real existierende antiglobalistische Kräfte eine Chance?

Alexander Merow: Das hängt sicherlich von zahlreichen Faktoren und auch einem gewissen Glück ab. Allerdings sind Matsumoto und Tschistokjow entschlossene Anführer, die auch bereit sind, sich mit Gewalt gegen die Weltregierung zur Wehr zu setzen. Außerdem bleibt ihnen kaum ein anderer Ausweg. Was noch eine große Rolle spielt, ist jedoch die Tatsache, dass die Sozialsysteme zusammengebrochen sind und viele Millionen Russen und Japaner arm und verzweifelt vor sich hin vegetieren. Ohne eine solche Grundlage hätten die Revolutionen von Matsumoto und Tschistokjow niemals einen Nährboden gefunden. Wir brauchen ja nur die Geschichte zu betrachten: Ohne vorherige Unzufriedenheit und wirtschaftliche Zusammenbrüche hat es so gut wie keine politischen Umwälzungen gegeben.

COLPORTAGE: Dagegen spielt „Das aureanische Zeitalter“ in der Zukunft, bezieht sich jedoch auf Beutewelt...

Alexander Merow: Die Epoche von „Beutewelt“, also unsere Gegenwart bzw. die unmittelbare Zukunft, sind im 16. Jahrtausend nur noch eine Zeit der Mythen und Legenden. Artur Tschistokjow, also „Artur der Große“, ist in dieser fernen Zukunft zu einer Art Sagengestalt geworden. Ähnlich ergeht es ja auch Frank Kohlhaas. In „Das aureanische Zeitalter“ hat sich die Menschheit in Kasten aufgespalten, die auf der genetischen Herkunft basieren. Auf der einen Seite gibt es die Aureaner, die sich selbst als „Goldmenschen“ bezeichnen, und auf der anderen die untere Kaste der Anaureaner (Ungoldene). Die aureanische Zivilisation herrscht inzwischen über ein kleines Sternenreich und ist technisch sehr weit entwickelt, wobei es in der Serie jedoch um Probleme geht, die auch unserer heutigen Gegenwart nicht fremd sind. Wer „Beutewelt“ mag, dem dürften auch die futuristischen Abenteuer von Flavius Princeps gefallen.

COLPORTAGE: Und „Die Antariksa-Saga“ um den Ork Grimzhag ist dem Fantasy-Bereich zuzuordnen, auf den zweiten Blick geht es jedoch um andere Dinge...

Alexander Merow: Das Setting der Geschichte rund um meinen Orkhelden Grimzhag gehört auch zum Bereich „Fantasy“. Es gibt verschiedene Arten, die die Welt „Antariksa“ bewohnen, also Menschen, Zwerge, Orks, Elben usw., doch die Geschichte könnte sicherlich auch in unserer irdischen Historie spielen.  Ich habe bewusst ein paar Analogien zu Ereignissen aus unserer Vergangenheit gewählt, aber das ist wohl auch nicht ungewöhnlich. Die menschliche Geschichte stand bei vielen Fantasy-Epen Pate. Man denke nur an „Game of Thrones“ und die englischen Rosenkriege.

COLPORTAGE: Interessanterweise sind die Orks hier nicht ausgesprochene Bösewichte, sondern Barbaren, die aber durchaus einen hohen Ehrenkodex haben und sich als kulturfähig erweisen, die Menschen dagegen sind zu weiten Teilen verkommen und falsch.

Alexander Merow: Die Orks sind zwar recht kriegerisch, aber deshalb nicht unfähig, höhere Kulturen aufzubauen. Allerdings fehlt es ihnen an Grauaugenorks, die traditionell die Führer und Lenker der orkischen Zivilisationen der Vergangenheit gewesen sind.  Zu dieser fast ausgerotteten Blutlinie der „Edelorks“ gehört ja auch mein Hauptheld Grimzhag, der sich später als mächtiger Eroberer und kluger Stratege erweist. Abgesehen davon ist Grimzhag aber eine sehr sympathische Figur mit einer Menge skurriler Kumpels – allen voran der chaotische Orkkrieger Zugrakk. Mir bereitet es immer viel Spaß, an der Antariksa-Saga zu schreiben.

COLPORTAGE: Der Held Grimzhag erinnert in der Art seines Aufstiegs und seiner Strategie an Dschinghis Khan. Zufall oder Absicht? Interessieren Sie sich für fernöstliche Geschichte?

Alexander Merow: Dschinghis Khan hat mich durchaus inspiriert.  Zudem ist es unschwer zu erkennen, dass das Reich Manchin dem antiken China sehr ähnlich ist. Für Geschichte interessiere ich mich auf jeden Fall sehr, auch für das alte Ostasien. Das China der Han-Dynastie oder das alte Japan bieten viel Stoff, der für einen Hobbyhistoriker wie mich interessant ist. Ja, das hat auch bei der Konzeption der Antariksa-Saga eine Rolle gespielt.

COLPORTAGE: Gibt es außer diesen drei Reihen weitere Buchprojekte? Planungen, von denen unsere Leser schon etwas wissen dürfen?

Alexander Merow: Derzeit schreibe ich am vierten Teil der „Antariksa-Saga“. Zudem wird es irgendwann eine weitere Serie geben, die ebenfalls in meiner Fantasywelt Antariksa spielt (etwa 4000 Jahre vor Grimzhag zur Hochzeit der Elben). Die Geschichte wird aus der Sicht eines elbischen Kriegers namens „Alarvail“ erzählt werden. Neben der Fortsetzung der Antariksa-Saga schreibe ich im Moment auch noch am ersten Teil einer neuen Endzeit-Reihe, die ich (nach gegenwärtigem Stand) „Postmortem“ nennen werde. Sie spielt im Schweden des Jahres 2280 n. Chr., nachdem die Technikzivilisation Europas untergegangen ist. Es hat sich also diesmal alles anders entwickelt als in „Beutewelt“. Tschistokjow ist hier im russischen Bürgerkrieg gescheitert und die Weltregierung hat den Planeten fast 170 Jahre lang beherrscht und ausgesaugt, wobei die Völker Europas bis auf winzigste Enklaven und Reste ausgelöscht worden sind. Das wird der Hintergrund sein – Überleben in den Ruinen von Stockholm und Berlin. Durchaus düster, wobei es trotzdem noch ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten gibt. Aber ich bin noch mitten im Schreiben, was bedeutet, dass ich an der Geschichte noch viel „herumfeilen“ werde.

COLPORTAGE: Sie veröffentlichen Ihre Bücher im Books on Demand-Verfahren. Wie laufen die Verkäufe der verschiedenen Merowschen Romanreihen bisher, wenn man fragen darf? Lohnt sich dies für junge Autoren?

Alexander Merow: Naja, mit dem Schreiben reich zu werden ist kaum möglich. Sicherlich gibt es Ausnahmen unter den Autoren, die meistens gute Beziehungen haben, aber die breite Masse der Schriftsteller verdient sich sicherlich keine goldene Nase. Ich selbst bin allerdings zufrieden, denn meine Bücher werden durchaus gelesen und sind gar nicht mehr so unbekannt.  Natürlich könnten die Buchverkäufe immer noch besser sein, aber das ist nun einmal schwer zu beeinflussen. Bis ich Stephen King eingeholt habe, wird es wohl noch ein Weilchen dauern (vermutlich bis zum „Aureanischen Zeitalter“).

COLPORTAGE: Und zum Schluß: welche Art von Literatur liest der Schriftsteller Alexander Merow persönlich am liebsten?

Alexander Merow: Alle möglichen Romane aus den Bereichen „Science-Fiction“ und „Fantasy“. Ich schreibe nicht nur viel, sondern lese auch sehr gerne.  Inzwischen besitze ich eine größere Sammlung diverser Bücher aus den genannten Genres.  Meine Lesevorlieben reichen von Markus Heitz` “Zwergen“ über Perry Rhodans Abenteuer bis hin zu Tolkien.  Es gibt auch immer wieder neue Buchreihen, die mich interessieren und fesseln können.

COLPORTAGE: Herzlichen Dank, Herr Merow!

 

Verweise:

http://alexander-merow.de.tl

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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