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Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?

Gauguins Monumentalwerk

Freitag, 13 März 2015 16:48 geschrieben von 
Gauguins Monumentalwerk Quelle: upload.wikimedia.org

Berlin - Es sollte sein Testament werden: Ende 1897 plante Paul Gauguin seinen Suizid. Er war hochverschuldet, sein Gesundheitszustand war durch Syphilis und einen Herzanfall katastrophal, und der Tod hatte ihm mit seiner liebsten Tochter Aline im selben Jahr eine der größten Freuden genommen. Innerhalb von vier Wochen vollendete er das Gemälde in seiner selbstgebauten Hütte auf Tahiti, der anschließende Selbstmordversuch durch Arsen scheiterte jedoch.

Gauguin selbst betrachtete das Bild als Meisterwerk und Höhepunkt seines kreativen Schaffens. Er schrieb: „Ich wollte, ehe ich sterbe, meine ganze Energie, eine solche schmerzliche Leidenschaft, solch visionäre Klarheit ohne spätere Korrektur hinlegen, daß das Flüchtige verschwinden und das Leben selber heraustreten sollte. Es riecht nicht nach Modell, nach Handwerk und sogenannten Regeln, von denen ich mich immer, manchmal mit Furcht, freizuhalten versucht habe.“

Die in der oberen linken Ecke zu findenden Sätze „D’où Venons Nous / Que Sommes Nous / Où Allons Nous“ sind nach Aussage Gauguins weniger als Titel denn als Signatur zu verstehen. Die britische Kunstprofessorin Belinda Thomson hält es für möglich, die Zeile sei erst nachträglich, während der Genesung vom versuchten Suizid, hinzugefügt worden.
Mit vier Metern Länge und über einem Meter Höhe handelt es sich zumindest, was die Maße angeht, um Gauguins größtes Werk und ist seinem eigenen Wunsch gemäß von rechts nach links zu betrachten und zeigt Menschen in verschiedenen Phasen des Lebens, vom Säugling bis zur Greisin. Der Hintergrund ist in tiefdunklem Grün bis Blau gehalten, vor diesem bilden die braun bis hellorange flächig gemalten Personen einen deutlichen Kontrast. Gauguin selbst schaut in einer Darstellung als schwarzer Hund unter seinem Namenszug von Rechts in das Geschehen, diese Eigendarstellung findet sich bereits im Vorjahr in „Die Frau des Königs“.
Auch sonst ist das Werk reich an Selbstzitaten - eine symbolhafte Zusammenfassung des Lebenswerkes. Die im Zentrum stehende Person stammt aus „Tahitischer Mann mit erhobenen Armen“ (1897), die Greisin ganz links ist an die „Bretonische Eva“ (1889) angelehnt, die Frau neben ihr übernimmt die Pose des Mädchens aus „Vairumati“ (1897).

Ungeachtet seiner kirchenfeindlichen Einstellung, insbesondere Missionsbestrebungen gegenüber den Eingeborenen Polynesiens wurden von Gauguin heftig kritisiert, beschäftigte er sich durchaus mit den essentiellen Fragen von Religion und Spiritualität. Davon zeugt sicher auch die links befindliche hellblaue Statue, ganz unten links ein weißer Vogel ist als Vanitas-Symbol aufzufassen („Nichtigkeit leerer Worte“). Die Fragen, die das Werk stellt, sollen jedoch wiederum auf den katholischen Einfluß aus Gauguins jungen Jahren zurückgehen. Im Alter von 11-16 nahm er am Liturgieunterricht des Bischofs von Orléans, Félix-Antoine-Philibert Dupanloup, teil. Der Bischof hatte zu diesem Zweck einen eigenen Katchismus entworfen, um die Schüler zu einer angemessenen spirituellen Reflektion über das Wesen des Lebens zu führen. Die drei grundlegenden Fragen des Katechismus waren „Woher kommt die Menschheit? Wohin geht sie? Wie wird sie fortfahren?“ Das Gemälde, welches zu den bedeutendsten Schöpfungen des Symbolismus gezählt wird, ist seit 1936 im Museum of Fine Arts in Boston zu besichtigen.

 

Quelle:

http://www.mfa.org/collections/object/where-do-we-come-from-what-are-we-where-are-we-going-32558
http://www.dieselpartikel.com/2014-11-10/paul-gauguin-ein-kuenstler-auf-der-suche-nach-der-natur
http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/fileadmin/Redaktion/Institute/Kunstgeschichte/Bilder/Teamprojekte/Woher_Was_Wohin_/Konzept-WoherWasWohin.pdf

Letzte Änderung am Sonntag, 15 März 2015 20:08
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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