Freigegeben in Kunst & Kultur

Wiederentdeckte Werke schöner Kunst

Georg Wichmann - Maler des Riesengebirges

Samstag, 21 März 2015 20:02 geschrieben von 
Georg Wichmann - Maler des Riesengebirges Quelle: jbc.jelenia-gora.pl

Berlin - Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks 1990 galt das Werk des niederschlesischen Malers Georg Wichmann als weitgehend verschollen oder zerstört. Nach und nach konnten jedoch etwa 90 seiner Bilder und Zeichnungen nachgewiesen werden, der Großteil davon fand sich in Privatbesitz und diversen schlesischen Museen. Sie können als Schätze der deutschen Landschaftsmalerei gelten.

Geboren wurde Georg Wichmann 1876 in Löwenberg (heute „Lwówek Śląski“) nahe des Oder-Nebenflusses Bober. Seine Kindheit verbrachte er im lange zu Westpreußen gehörenden Weichselpommern, auch Pommerellen genannt, welches sich zwischen Weichsel und Netze entlang der Ostseeküste erstreckt. Sein Studium der Malerei begann er an der Berliner Akademie der Künste bei dem als einer der Hauptvertreter des „Wilhelminismus“ (der zur Zeit des Zweiten Deutschen Kaiserreichs typischen Kunstrichtung) geltenden Künstler und Kunstpolitiker Anton von Werner. Ab 1897 studierte er in Breslau bei Eduard Kaempffer und dem Landschaftsmaler Carl Ernst Morgenstern, ab 1898 dann bei dem Realisten Leopold von Kalckreuth in Karlsruhe. In den Jahren 1901 bis 1903 pflegte er die Galerien der Grafen Eduard von Pückler in Schedlau und Friedrich von Praschma in Falkenberg.

1903 zog es ihn ins Riesengebirge, wo er, abgesehen von seiner Dienstzeit im Ersten Weltkrieg, den Rest seines Lebens verbrachte. 1922 gründete er dort gemeinsam mit dem Landschaftsmaler, Grafiker und Schriftsteller („Winterberg und seine Dörfer") Paul Aust die „Vereinigung bildender Künstler St. Lukas“, welche vorrangig in der Lukasmühle in Schreiberhau, doch auch in Hirschberg und Bad Warmbrunn, ihre Arbeiten feilbot. 1924 ließ er sich selbst in Schreiberhau, unweit der Lukasmühle, nieder.

In den oft ein weites Blickfeld umfassenden, stimmungsvollen Landschaftsgemälden lassen sich impressionistische Stilelemente ausmachen. Lebhafte Farben preisen die Herrlichkeit der Jahreszeiten, doch es ist ein eigentümlicher Rausch, und die dargestellten Elemente verflüchtigen sich bei näherer Betrachtung. Die Gestalt der Tannen etwa ist nur angedeutet und entsteht erst in der Wahrnehmung des Betrachters durch seine Erwartung angesichts der Gesamtwirkung aus - meisterlich angeordneten Farbtupfern.

Werke Georg Wichmanns finden sich in den Sammlungen des Breslauer Nationalmuseums, des Riesengebirger Museums in Hirschberg (Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze), des Hauses Schlesien in Königswinter, der Stiftung Kulturwerk Schlesien in Würzburg sowie der Heimatstube Bad Harzburg.

Ein 1996 im auf schlesische Kultur und Geschichte spezialisierten „Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn“ von Hans Wichmann herausgegebener Band „Georg Wichmann (1876-1944): der Maler des Riesengebirges und sein Kreis" versammelt den Großteil der aufgefundenen Werke und gibt Einsichten in das Umfeld, in welchem sie entstanden.

 

Quelle:

http://www.schmidt-auktionen.de/12_katalog_online.php?nr=18&mode=k&kuenstler=3186
http://jbc.jelenia-gora.pl/Content/105/wichmann.html
http://riesengebirgler.de/gebirge/Person/Maler_Aust.htm

Letzte Änderung am Samstag, 21 März 2015 20:07
Artikel bewerten
(14 Stimmen)
Schlagwörter:
Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

Redaktion