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Eine Lovecraft-Verfilmung aus Mexico

Guillermo Del Toro ersteigt die Berge des Wahnsinns…

Dienstag, 25 August 2015 21:25 geschrieben von 
H.P. Lovecraft „At the Mountains of Madness“ - Titelseite der Originalausgabe von 1936 H.P. Lovecraft „At the Mountains of Madness“ - Titelseite der Originalausgabe von 1936 Quelle: en.wikipedia.org | http://www.sfcovers.net/Magazines/ASF/ASF_0063.jpg

Berlin - Der berühmte mexikanische Regisseur Guillermo del Toro hatte schon seit längerer Zeit beabsichtigt, ein Werk von H.P. Lovecraft zu verfilmen: es handelt sich um „Die Berge des Wahnsinns“, verfasst 1931.

Mit mehr oder weniger Erfolg haben bis jetzt andere Regisseure wie John Carpenter oder Stuart Gordon versucht, die Horrorgeschichten des berühmten Schriftstellers auf die Leinwand zu bringen. In Del Toros bisherigen Filmen spürt man sowieso immer wieder den Einfluß Lovecrafts (man denke zum Beispiel an das als „Blasser Mann“ bekannte Monster, das in „Pans Labyrinth“ zu sehen ist).

Aber die Werke von Lovecraft sind sehr schwierig zu verfilmen, besonders, wenn es darum geht, eine kommerzielle Hollywoodproduktion zu gestalten. Der Stil des metaphysischen Horrors und die düstere Atmosphäre des Schriftstellers aus Providence sind nicht mit der Struktur eines „Popcorn-Mainstream-Films“ mit „happy end“ zu vereinbaren. Außerdem sind die Kreaturen, die Lovecraft für seine Werke erfunden hat, für den menschlichen Geist zu erschreckend und zu unfaßbar, um sie glaubwürdig in einem Film wiederzugeben.

Einer der Regisseure, die bereits erfolgreich die Atmosphäre von Lovecrafts Werken wiedergeben konnten, war der italienische Horrormeister Lucio Fulci. Lovecrafts Einfluß ist besonders deutlich in „L´Aldilà“ / „The Beyond“ (1981) – deutscher Titel „Über dem Jenseits“.

Seit 2006 arbeitet del Toro leidenschaftlich an seinem Projekt „Die Berge des Wahnsinns“. Das Drehbuch hat er zusammen mit Matthew Robbins verfaßt. Warner Bros. war das erste Filmstudio, das sich nicht bereit erklärte, die riesigen Kosten des Projekts zu übernehmen. Del Toro dachte an Tom Cruise als Hauptdarsteller, auch von Schauspielern wie Charles McAvoy und Chris Pike war die Rede. Außerdem kam der Name von James Cameron als Produzenten ins Spiel.

Das Projekt wurde dann an Universal Studios weitergegeben; es war geplant, den Film in 3D zu drehen. James Cameron war begeistert. Bald jedoch fingen die Versuche von Universal an, del Toros Version umzuändern, um sie mehr an den Hollywood-Standard anzupassen. Das würde dann natürlich die Treue zu Lovecrafts Werk eindeutig beeinträchtigen. Zudem wollte Universal, daß der Film eine Altersfreigabe „PG-13“ bekommt (so was wie „unter 13, mit Begleitung eines Erwachsenen“). Del Toro war jetzt enttäuscht: „Meine Version ist zwar nicht sehr blutig oder gewalttätig, aber es kann nicht eine „PG-13“ bekommen, ohne daß es zu mild wird“.

Universal hatte schon ein Budget von 150 Millionen US$ zugesagt, und man behauptete, der Film sollte an den Kinokassen mindestens 500 Millionen einspielen, um auch erfolgreich Gewinn abzuwerfen. Del Toro war überzeugt, daß das der Fall sein würde: „Mit 3D, Tom Cruise, Jim Cameron und der Berühmtheit von Lovecrafts Geschichte wäre das überhaupt kein Problem gewesen.“ Aber Universal war nicht der gleichen Meinung und verzichtete schließlich 2011 auf das Projekt.

Mit Legendary Pictures kam erneut die Hoffnung, den Film endlich zu drehen: „Ich wollte nicht einen Film machen der „Die Berge des Wahnsinns“ heißt, sondern ich wollte DIESEN Film machen“ so del Toro.

Nachdem jedoch 2012 Ridley Scotts „Prometheus“ herauskam, ein Film, der vieles mit der Handlung von Lovecrafts Geschichte gemeinsam hatte, mußte del Toro bitterlich verkünden, daß sein Projekt vorerst nicht herauskommen würde. „Das bedeutet eine lange Pause, wenn nicht sogar die endgültige Einstellung der Arbeiten für Die Berge des Wahnsinns“.

Allerdings scheint es jetzt so, als hätte del Toro einen Kompromiß mit seinen Produzenten gefunden. Neulich erklärte er sich bereit, den Film jetzt doch noch mit Altersfreigebe „PG-13“ zu machen. Das heißt nicht unbedingt, daß er auf seine originale Interpretation von Lovecrafts Werk verzichten wird. Del Toro behauptet, daß heute die Linie zwischen „PG-13“ und „R“ – Freigabe über 17 – schon so verschwommen sei, daß es keinen großen Unterschied mehr mache.

Nachdem sein letzter Film „Crimson Peak“ acht Jahre gebraucht hat, um in die Kinos zu kommen, ist vielleicht jetzt doch noch der Zeitpunkt nahe, an dem seine Version von Lovecrafts Werk als Film zu sehen sein wird.

Letzte Änderung am Donnerstag, 10 September 2015 19:04
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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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