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Pleinairmalerei

Renoir und Monet- Eine historische Künstlerfreundschaft

Freitag, 06 März 2015 17:00 geschrieben von 
Claude Monet Claude Monet Quelle: renoirgallery.com

Berlin - Erstmals begegneten sich Pierre-Auguste Renoir und Claude Monet im 1862 im Atelier des Schweizer Malers Charles Gleyre (1806-1874), in welches Renoir erst im November 1861 eingetreten war; auch Alfred Sisley, Frédéric Bazille und Jules Le Coeur fanden sich in diesem Umfeld. Die jungen Schüler in Gleyres Atelier entstammten bis auf den Arbeitersohn Renoir gutbetuchten Verhältnissen, alle hatten sich gegen ihre Familientradition zum Einschlagen einer Künstlerkarriere entschieden. Das in einem Haus in Marlotte, einem Ort im Wald von Fontainebleau, nicht weit von Paris, gelegene Atelier diente den Schülern eher als Stützpunkt, von dort aus erkundeten sie das Umland und beschäftigten sich vorrangig mit experimenteller Landschaftsmalerei.

Im Fall der nahezu gleichaltrigen Renoir (*25.2.1841) und Monet (*18.11.1840) sollte die Begegnung bei Gleyre, wo Renoir bis 1864 lernte, zu einer lebenslangen und phasenweise überaus inspirierenden Freundschaft führen.
Die Beziehung von Renoir zu Bazille war konstanter, endete jedoch durch dessen frühen Tod im deutsch-französischen Krieg 1870. Renoir, der sich freiwillig zum Dienst gemeldet hatte, blieb durch seine Stationierung fernab der Kampfhandlungen von einem solchen Schicksal verschont.

Nach dem Krieg verstärkten Renoir und Monet ihren zwischenzeitlich zurückgegangenen Kontakt und malten nun desöfteren Seite an Seite, was sie 1869 erstmalig getan hatten. Beispielsweise nahmen die beiden 1874 von Monets Boot aus die gleiche Szene mit zwei Schiffsführern zum Gegenstand (Renoir: „Die Seine bei Argenteuil“, Monet: “Bootsfahrer bei Argenteuil“), die bewußt eingefangenen Lichtreflexionen als Stilmittel des Impressionismus, der Einzelheiten durch Farbtupfer eher verschwommen andeutet als festzeichnet, spielten bereits eine Rolle. Im April 1874 eröffneten sie zusammen mit Sisley, Pissarro und anderen die erste impressionistische Ausstellung. Renoir malte etwas farbenfreudiger, und Monet bevorzugte die Landschaft mit nur sporadischen auftauchenden Personen, während Renoir sich mit Vorliebe der Darstellung von Menschen widmete, dennoch ist das Frühwerk der beiden eng verknüpft.
Immer wieder sollten Monet, seine Frau Camille und sein Sohn Jean selbst Gegenstand von Renoirs Bildern sein. In einigen seiner bemerkenswertesten Werke hatte Renoir den Freund beim Malen oder auch lesend und Pfeife rauchend auf Leinwand gebannt. In späteren Jahren wurden Renoirs Arbeiten gegenständlicher und klarer, womit er sich vom frühen Impressionismus deutlich entfernte; insbesondere Frauenfiguren hatten es ihm angetan. Die freundschaftliche Verbindung zum zunehmend an doppelseitigem Grauen Star leidenden Monet blieb allerdings bestehen, wenn sie sich auch nicht mehr im Werk niederschlug.

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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