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Elektronische Tanzmusik aus dem Elfenland

Spinney Lainey im Interview mit COLPORTAGE

Freitag, 27 November 2015 20:59 geschrieben von 
Spinney Lainey Spinney Lainey Quelle: Spinney Lainey

Zürich - Die Engländerin Spinney Lainey gilt als eine der erfolgreichsten Produzentinnen und Musikerinnen im Bereich des sogenannten “Psytrance”. Nicht zuletzt vor ihrem klassischen Musikhintergrund schafft sie es, Techno zu einer hohen Kunstform zu erheben – und dabei die Tanzflächen zu füllen. Wir hatten das Glück, die Künstlerin für ein Interview gewinnen zu können.

COLPORTAGE: Wer bist Du, was ist Dein Metier?

Spinney Lainey: Mein Name ist Elaine Denise Round, der Künstlername Spinney Lainey. Ich bin Musikproduzentin und Flötenspielerin. Ich produziere Stücke zur Veröffentlichung und trete auf Parties und Festivals live auf.

COLPORTAGE: Beschreibe uns doch Deinen musikalischen Hintergrund, und wie Du zu diesem Musikstil bekommen bist...

Spinney Lainey: Ich habe im Alter von acht Jahren angefangen, Flöte zu spielen und hatte eine klassische Ausbildung an diesem Instrument. Ich war von einem jungen Alter auf in vielen Ensembles, Orchestern und Soloauftritten beteiligt. Ich wollte dann einen Abschluß in Musik machen, und während meiner Zeit auf der Universität traf ich eine Menge Leute, die mir die elektronische Tanzmusik nahebrachten. Bis dahin hatte ich auf Heavy Metal gestanden. Also begann dort meine Wandlung vom 'Metaller zum Raver'! Ich fand die Atmosphäre meines Studiums der Klassischen Musik sehr repressiv, einschränkend und trocken. Ich wollte nur frei sein, mich selbst auszudrücken und fühlte mich in dieser Umgebung nicht dazu in der Lage. Ich habe in meinem letzten Jahr an der Universität Psytrance entdeckt und ging zu meiner erste Psytrance-Party in einem Wald, im Jahr nach meinem Abschluß. Ich war sofort süchtig nach der Musik, den Leuten,   der Gestaltung und dem ganzen Erlebnis. Während meines Studiums mußte ich so oft Instrumentalmusik analysieren, ich konnte mich nicht länger am Hören im Ganzen erfreuen, deshalb war dies etwas Frisches für meine Ohren, welches ich nur als Erlebnis genießen konnte, ohne es zu analysieren. Ich liebte die Klänge und die Gefühle, die sie in mir auslösten.
Meine Idee, die Flöte mit Psytrance zu kombinieren, entstand auf einer House Party, kurz nach meinen ersten Psytrance-Party-Erfahrungen. Irgendwer spielte Psytrance bei dieser Houseparty, und ich beschloß, meine Flöte zu spielen. Dies war ein inspirierter Moment und auch das erste Mal, wo ich mitbekam, daß ich improvisieren konnte.

COLPORTAGE: Seit wann produzierst Du Musik?

Spinney Lainey: Seit etwa zweieinhalb Jahren.

COLPORTAGE: Was waren für Dich die größten Hindernisse?

Spinney Lainey: Das Produzieren elektronischer Musik zu lernen war für mich die größte Schwierigkeit, da ich darin keine formale Ausbildung hatte. Ich mußte mir alles selbst beibringen. Das bedurfte vieler Arbeit und Hingabe, einschließlich Versuch und Irrtum. Zudem, da ich die Arbeit als DJ vorher nie gelernt hatte, mußte ich all mein Wissen, wie ich meine eigenen Sounds hinbekomme, in Konzerten vor Ort lernen.

COLPORTAGE: Erzähle uns über Dein verbreitetes YouTube-Video, auf welchem Du als Psytrance-Straßenmusikerin in der Londoner U-Bahn zu sehen bist...

Spinney Lainey: Ich war dann und wann in der Londoner U-Bahn als Straßenmusikerin tätig, da ich eine Lizenz als Straßenmusikerin hatte. Normalerweise spielte ich meine Flöte zu Chill-out Musik. Wie auch immer – als es mir gelang, in einer Samstagsnacht 10 Uhr an der Station Piccadilly Circus zu spielen, hatte ich den Einfall, daß dies die perfekte Zeit wäre, um meine Flöte zu Psytrance zu spielen und die Reaktionen der Leute zu sehen! Mein Hauptgedanke war, die übliche Monotonie zu durchbrechen, von Leuten, die wie Roboter durch die Bahn laufen, zum Boden schauen, unglücklich aussehen. Ich wollte eine spaßige, fröhliche Atmosphäre schaffen, Leute zum Tanzen bringen, dazu, zu lachen und zu lächeln und miteinander zu interagieren. Ich habe meine Freundin gebeten, vorbeizukommen und mit mir zu tanzen (sie ist die, welche Tambourin und andere Percussion-Instrumente in den Videos spielt). Ich stellte also nur die Shuffle-Funktion meines iPod ein und improvisierte dazu auf meiner Flöte. Ich hatte keine Ahnung, welche Stücke laufen würden, oder was passieren würde. Ich denke, das war das Schöne daran!
Der Titel, “Basic” von Zyce, lief nur gerade auf dem iPod, und es ist das Video von meiner Darbietung zu diesem Titel, welches sich so verbreitete, jetzt schon über 20.000mal gesehen. Dies löste eine Sensation aus und hat mir wirklich geholfen, Bekanntheit in der Szene zu erlangen. Nachdem er das Video gesehen hatte, bat mich Zyce, einen Flötenteil für “Basic” aufzunehmen, und ein Remix entstand, welcher auf meiner Soundcloud-Seite zu hören ist. Ich arbeitete mit Zyce weiter, an insgesamt fünf Titeln, einschließlich der EP “Fluting”, welche Nummer Eins auf Beatport war.

COLPORTAGE: Abgesehen von Zyce, mit welchen anderen Schlüsselfiguren der Psytrance-Szene hast Du zusammengearbeitet?

Spinney Lainey: So wie meine Soloarbeiten habe ich auch die Kooperationen mit vielen anderen Topproduzenten der Szene weitergeführt, einschließlich Lyctum, Flegma, Mindwave, Starlab, Pulsar & Thaihanu, Elegy, Argonnight, Axer & Shabot, Alpha & Omega, Moon Tripper, Zweep und Agent Kritsek. Viele weitere Kollaborationen sind in Planung. 

COLPORTAGE: Gibt es Ziele hinter Deiner Musik, wie etwa bei Lubomyr Melnik, der seine Hörerschaft in andere Reiche führen will?

Spinney Lainey: Die Absicht meiner Musik ist grundsätzlich, mich vom Herzen auszudrücken und Menschen fühlen zu lassen. Ich möchte Liebe, Frieden und Hoffnung durch meine Musik teilen und andere Menschen vom Herzen fühlen lassen. Wenn Menschen sich durch das Hören meiner Musik gut fühlen, freue ich mich. Musik ist ein Ventil für mich und hat mir in schwierigen Zeiten geholfen.   Ich hatte 10 Jahre lang chronische Müdigkeit und die Musik hat mir Hoffnung gegeben. 
“Road to Recovery” erzählt die Geschichte einer langen, schweren Reise voller Traurigkeit, doch berührt von dem schönen Sonnenaufgang, welcher mir Energie gibt, auf ihn zuzugehen. Die Sonne ist ein Symbol meiner Hoffnung, welche mir in meiner Reise zur Heilung von meiner Krankheit geholfen hat. Der Pfad mag nicht gerade sein, und es wird regnerische Tage geben, doch Schritt für Schritt komme ich näher an mein Ziel, indem ich der Sonne folge und an sie denke. Dieser Titel gibt mir immer noch Hoffnung, wenn ich ihn jetzt höre.
“Wings of Hope” hat ein ähnliches Thema, und meine Gefühle sind darin klar zu hören. Andere Titel haben mehr jenseitige Aspekte. Der Titel “Interdimensional Flying” etwa ist durch mein Erlebnis astraler Projektion beeinflußt.
Menschen sagen oft, daß sie sich fühlen, als würden sie in eine andere Dimension transportiert, wenn sie meine Musik hören. Ich glaube, der Klang der Flöte spielt dabei eine große Rolle. Wenn ich die Flöte spiele, fühle ich mich oft, als sei ich irgendwo außerhalb meines körperlichen Seins und habe das Gefühl, ich würde die Hörer an einen anderen Ort transportieren. Deshalb ist es nicht überraschend, daß ich ein Stück namens “Transzendenz” geschrieben habe.

COLPORTAGE: Kannst Du Dir andere Instrumente vorstellen, die mit Psytrance und Deiner Flöte gemischt gut klängen?

Spinney Lainey: Die Hauptinstrumente, die ich liebend gerne mit meiner Flöte und Psytrance mischen würde, sind Streicher – Violine, Viola, Cello. Mein Titel “Transcendence” enthält Akustikgitarre, männlichen Gesang und Drachentrommel, neben meiner Flöte. Das ist wirklich ein besonderes Stück. Dreaddean und ich planen, in Zukunft mehr Instrumente in unser Projekt, Spindean, einzubauen. 

COLPORTAGE: Hast Du ein Lieblingsstück unter Deinen Kollaborationen oder eigenen Liedern?

Spinne Lainey: Meine Lieblingstitel wären “Road to Recovery” und “Wings of Hope”. Auch “Elucidation”, welches von meinem Gemeinschaftsprojekt mit Dreaddean, Spindean, ist.

COLPORTAGE: Was wäre der beste Platz für Dich für einen Live-Auftritt?

Spinney Lainey: Meine Musik paßt zweifelsohne am besten zu einer Szenerie im Freien. Ich denke, Festivals sind die beste Umgebung für meine Musik. Ich bin ganz aufgeregt, zu verkünden, daß ich eine einmonatige Tour in Mexiko haben werde! Ich denke, deren umfangreiche Parties im Freien werden der perfekte Platz für meine Musik sein.

COLPORTAGE: Wo hast Du dieses Jahr gespielt, und wo hast Du vor aufzutreten?

Spinney Lainey: Ich habe bei verschiedenen Parties in London gespielt. Vorigen Monat spielte ich in einem Nachtclub in Basel in der Schweiz. Nächsten Monat spiele ich in einem großen Nachtclub in Münster. Ab Januar nächsten Jahres die Monatstour in Mexiko und ich plane, in verschiedenen anderen Ländern aufzutreten, wie auch bei verschiedenen Festivals und Parties hierzulande.

COLPORTAGE: Welche Kollaborationen und eigenen Arbeiten werden in der Zukunft veröffentlicht werden? 

Spinney Lainey: Mein Gemeinschaftsprojekt Spindean, welches ich bereits erwähnte, bestehend aus mir und Dreaddean, wird sehr bald die erste 4-Track-EP “Elucidation” veröffentlichen. Ich habe auch eine EP mit Agent Kritsek, “Spirals and Sunsets”, die bald auf Sting Records erscheinen wird, eine EP mit Sugar Glider ist unterwegs, und nun arbeite ich am zweiten Titel meiner eigenen Solo-EP.


Verweise: 
https://soundcloud.com/spinney-lainey
https://www.facebook.com/SpinneyLainey
https://www.youtube.com/user/spinneylainey/videos
https://pro.beatport.com/artist/spinney-lainey/183015
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(Übersetzung aus dem Englischen von Ruedi Strese)

Letzte Änderung am Montag, 30 November 2015 02:53
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David Beetschen

David Beetschen wurde am 28.09.1988 in Zürich geboren, wo er seitdem auch wohnt.

Er studiert Wirtschaftsrecht, arbeitet als Treuhandassistent und ist Offizier der Schweizer Armee. Er ist als Dichter Mitglied der „Eurasian Artists Association“. Regelmäßig verfaßt er Artikel für das Studentenjournal Blaue Narzisse. Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit Fragen der Musik und Kunst.

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