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Der Landschaftsmaler Ernst Fries

Verhaltene Töne der Heidelberger Romantik

Sonntag, 26 April 2015 04:31 geschrieben von 
Ernst Fries "Gebirgslandschaft" Öl auf Leinwand, 1832 Ernst Fries "Gebirgslandschaft" Öl auf Leinwand, 1832 Quelle: ART Depesche

Frankfurt am Main - Heidelberg war bekanntermaßen das geistige Zentrum der späteren romantischen Literatur; in der namhaften Universitätsstadt scharte sich zwischen 1804 und 1809 ein überaus produktiver Künstlerkreis um Achim von Arnim und Clemens Brentano. Nicht ganz so bekannt ist der Umstand, daß Heidelberg selbst auch drei romantische Maler von einigem Rang hervorgebracht hat, namentlich Carl Rottmann (1797-1850), Carl Philipp Fohr (1795-1818) und Ernst Fries (1801-1833).

Diese drei hatten ab 1810 zusammen Malunterricht bei dem Heidelberger „Universitätszeichenmeister“ Ernst Rottmann, Carl Rottmanns Vater, genommen. Fries ging 1815 nach Karlsruhe, wo er von dem Landschaftsmaler und Radierer Carl Kuntz (1770-1830) unterrichtet wurde, ab 1818 ließ er sich in Darmstadt durch den Architekten Georg Moller (1784-1852) in Perspektive und Architekturzeichnen ausbilden. Es folgten 1820/21 ein Studium an der Münchener Akademie sowie Jahre der ausführlichen Reisetätigkeit, davon 1823-27 durch Italien; die finanziellen Mittel seiner Eltern machten dies möglich. Den Großteil seiner Zeit in Italien verbrachte er in Rom, wo die Malerei Joseph Anton Kochs (1768-1839) einen starken Eindruck auf ihn machte. Anschließend lebte er in München, bis er 1831 nach Karlsruhe zog, wo er zum großherzoglich-badischen Hofmaler ernannt worden war und bis zu seinem frühzeitigen Tod durch Suizid wegen der Folgen eines früheren Scharlachfiebers 1833 lebte.

Insbesondere seine Italienreise hatte ihn zu einem Meister der Landschaftsmalerei heranreifen lassen. Im Vergleich zu vielen seiner romantischen Zeitgenossen verzichtet er in seinen oft überaus detailreichen Schöpfungen auf gewaltige und mystische Stimmungen, stattdessen herrschen Beschaulichkeit und Ruhe. Seine Farbwahl ist zurückhaltend, warm und harmonisch. Tendenzen, die im späteren Realismus zur vollen Ausprägung kommen sollten, kündigten sich in den Arbeiten Ernst Fries’ bereits an.

Ernst Fries hat trotz seines frühen Todes ein beachtliches Oeuvre reizvoller Aquarelle, Ölgemälde, Zeichnungen und Radierungen hinterlassen. Über den größten Bestand verfügt mit ca. 180 Werken das Kurpfälzische Museum in Heidelberg. Das abgebildete Ölgemälde „Gebirgslandschaft“ stammt von 1832 und ist Bestandteil der Sammlung des Städel Museums in Frankfurt am Main.

 

Quellen:

http://www.pinakothek.de/ernst-fries
http://www.artbooksheidelberg.com/html/detail/de/ernst-fries-978-3-933257-72-7.html

Letzte Änderung am Sonntag, 26 April 2015 04:37
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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