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Kommen die Täter aus islamistischen Kreisen?

Der Mordfall Boris Nemzow

Sonntag, 08 März 2015 17:26 geschrieben von 
Tatort am nächsten Tag Tatort am nächsten Tag Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Krassotkin

Berlin - In der Nacht vom 27. zum 28. Februar war der liberale russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow auf offener Straße erschossen worden. Die transatlantische Presse war sich sofort weitgehend einig, daß der Kreml hinter der Tat stecken müsse. Der Nutzen einer solchen Tat für Putin erschließt sich indes wenig; warum sollte der russische Präsident, gerade zu einer Zeit, in welcher er sich auf einem Umfragehoch von 85% Zustimmung im russischen Volk befindet, einen Politiker aus dem Weg räumen lassen, dessen Partei bei den letzten Wahlen gerade mal 2% erreicht hatte? Aus Kiew hieß es, Nemzow habe Beweise für die Anwesenheit russischer Truppen in der Ukraine vorlegen wollen. Wenig glaubhaft, angesichts dessen, daß Petro Poroschenko, der sicher seine Informanten überall in der Ukraine hat, bislang daran gescheitert war.

Putin hingegen, der im Februar 2012 schon vorhergesagt haben soll, seine Gegner würden einen ihrer eigenen Anführer opfern, um es ihm in die Schuhe zu schieben, reagierte hingegen besonnen. Er kondolierte den Angehörigen und versprach bestmögliche Aufklärung, um die Täter ermitteln zu können. Für die Untersuchung wurden die Kräfte von Polizei, Untersuchungskommittee der Russischen Föderation, Innenministerium und dem Inlandsgeheimdienst FSB zusammengelegt.

Mittlerweile gibt es die ersten Festnahmen. Am Sonnabend waren zwei tschetschenische Männer namens Anzor Gubaschew und Zaur Dadajew, ein ehemaliger Polizist, verhaftet worden. Alexander Bortnikow, Leiter des FSB, bezeichnete sie als der Planung und Durchführung des Mordes verdächtig. Ebenso gab er die Entdeckung des Fluchtwagens sowie die Sicherstellung von DNA-Spuren und weiteren Beweismitteln bekannt, betonte aber, daß noch nach weiteren involvierten Personen gesucht würde.

Nun hat Albert Barakhajew, Vorsitzender des Sicherheitsrates der westlich von Tschetschenien gelegenen, zur Russischen Föderation gehörigen, Republik Inguschetien die Festnahme zweier weiterer, ebenfalls aus dem Kaukasus stammender, Verdächtiger bekanntgegeben. Einer von ihnen ist der jüngere Bruder von Anzor Gubaschew, der andere wurde nicht namentlich benannt. Weitere Einzelheiten sind schwer auszumachen, allerdings deutet die Herkunft möglicherweise auf eine Verbindung zu tschetschenisch-islamistischen Kreisen hin. Diese militanten Kräfte wurden seit den 90er Jahren von Saudi-Arabien und den USA unterstützt, um Rußland von seinen Randgebieten aus zu schwächen. Interessant ist die Verbindung zur Ukraine, welche derzeit im Fokus der geopolitischen Auseinandersetzung steht: Neonazis des „Rechten Sektors“ kämpften in Tschetschenien auf islamistischer Seite, während dieser Tage wiederum tschetschenische Islamisten in der Ukraine auf der Seite Kiews zu kämpfen scheinen. Eine gewünschte Destabilisierung Rußlands könnte allemal als Mordmotiv in Frage kommen.

 

Quellen:

http://www.bbc.com/news/world-europe-31778279
http://www.npr.org/blogs/thetwo-way/2015/03/07/391435044/russia-arrests-2-in-connection-with-nemtsov-murder
http://nsnbc.me/2015/03/07/two-detained-for-slaying-of-russian-politician-boris-nemtsov-fsb-chief
http://nsnbc.me/2015/03/08/russian-authorities-detain-two-more-suspects-in-nemtsov-slaying

Letzte Änderung am Sonntag, 08 März 2015 17:33
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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