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Portrait eines Medienmagnaten

Gustavo Cisneros, der reichste Mann Venezuelas

Samstag, 04 April 2015 16:08 geschrieben von 
Blog von Gustavo Cisneros Blog von Gustavo Cisneros Screenshot vom 04.04.2015 | gustavocisnerosblog.com

Caracas - Gustavo Cisneros wurde zwar 1945 auf Kuba geboren und lebt seit den 1990er Jahren in der Dominikanischen Republik, deren Staatsbürgerschaft er neben der spanischen und venezolanischen auch besitzt, wird dennoch allgemein als venezolanischer Medienmogul bezeichnet und wahlweise als „südamerikanischer Rupert Murdoch“ oder „Venezuelas Berlusconi“ gehandelt. Laut Forbes Magazin steht er mit seiner Familie in der Rangliste der reichsten Leute der Welt mit einem Vermögen von 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf Platz 481, immerhin. Die Familie ist weiterhin die reichste Venezuelas.

Sein Vater, Diego Cisneros, hatte sich sein Vermögen ab 1940 mit der Lizenz für den Pepsi-Vertrieb in Venezuela erwirtschaftet, später kam privates Fernsehen hinzu. Gustavo zieht seinen Reichtum aus der Cisneros Gruppe, einem Konglomerat mit Beteiligungen am venezolanischen Privatfernsehen, einer regionalen Brauerei, einem Baseballteam und einem Immobilienunternehmen. Desweiteren hält die Gruppe die Konzessionen diverser US-amerikanischer Unternehmen für Venezuela, darunter Burger King, Pizza Hut und den Blockbuster-Videotheken. Seit den 1980er Jahren unterstehen ihr auch die venezolanischen „Miss-Wahlen“, ebenso ist er einer der Hauptverantwortlichen für die Entstehung des TV-Genres der „Telenovelas“. Fastfood für Körper und Geist ist also in der einen oder anderen Form seine Haupteinnahmequelle.

Naheliegend, daß das Haus Cisneros sich für die marktliberale Politik einsetzt, welche u.a. Venezuelas Präsidenten Carlos Andrés Pérez (von 1974-79 und 1989-93) und Romulo Betancourt (1945-48 und 1959-64) vertraten und zu denen es gute Beziehungen gab. Persönlich befreundet ist Gustavo Cisneros überdies mit dem ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Konsequenterweise gehörte er von Anfang an zu den entschiedensten Gegnern der sozialreformerischen Politik von Hugo Chávez und nun von dessen Nachfolger Nicolas Maduro. Wegen der von ihm befürchteten Verstaatlichung seiner Medienanteile hat er seine Aktivitäten seither sukzessive ins Ausland verlegt. Beim versuchten Putsch gegen Chávez im Jahr 2002 unterstützte er die Putschisten und traf sich mit deren Anführern. Massendemonstrationen, welche letztlich zu Chávez’ Wiedereinsetzung führten, wurden in Cisneros’ Medien hingegen unter den Tisch gekehrt. Auch in den Folgejahren vertrat Cisneros die neoliberale und US-freundliche Opposition. „Der Tag wird kommen, an dem wir eine furchtlose Gruppe von Richtern haben werden, welche der Verfassung gemäß handeln und Mafiabosse wie Gustavo Cisneros ins Gefängnis bringen werden“ verkündete Chávez im Mai 2004 anläßlich des anstehenden Referendums über seine Amtsenthebung, welches dann zu seinen Gunsten ausfiel.

Allerdings geriert der Medienmogul sich auch gerne als Menschenfreund. Ähnlich wie seine Geistesverwandten George Soros und Bill Gates läßt er Teile seines zustande gekommenen Einkommens medienwirksam mehr oder auch weniger guten Zwecken zufließen. Dabei sind Förderprogramme für moderne Kunst, aber auch - und dies war die jüngste Nachricht - eine Million Dollar für die „Bill, Hillary und Chelsea Clinton Stiftung“. Mit deren Unterstützung steht er in einer Reihe mit prominenten Förderern wie Prinz Turki al-Faisal von Saudi-Arabien. Die verschiedenen Projekte reichen von Katastrophenhilfe bis zu feministischen Kampagnen. Doch unabhängig von der Bewertung im einzelnen: sind Personen wie die Clintons, auf deren Konto Kriege und Terror etwa gegen Libyen, Syrien oder Serbien zu nicht unwesentlichen Teilen gehen, als Menschenfreunde glaubwürdig? Oder könnte es um politische Interessen gehen? Und wie ist das mit Cisneros? Könnte der auch Interessen haben?

 

Quellen:

http://venezuelanalysis.com/news/11310
http://venezuelanalysis.com/analysis/1778
http://www.forbes.com/profile/gustavo-cisneros
http://www.washingtonexaminer.com/rand-paul-slams-thinly-veiled-bribes-to-clinton-foundation/article/2561845
http://www.wsj.com/articles/bill-clinton-defends-foreign-donations-to-clinton-foundation-1425776901
http://www.infowars.com/hillary-supporters-criticism-over-email-scandal-is-sexist

Letzte Änderung am Samstag, 04 April 2015 16:39
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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