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Öffentlicher Auftritt trotz Todes?

Wladimir Putin bringt Kolporteure ins Schwitzen

Dienstag, 17 März 2015 19:30 geschrieben von 
Wladimir Putin Wladimir Putin the Presidential Press and Information Office

Moskau - Nach reiflicher Überlegung hat sich Russlands Premier Wladimir Putin anscheinend entschieden, weder tot, noch gerade Vater, noch gestürzt worden zu sein. Dies geht unter anderem aus der Tatsache hervor, daß er am Montag in seiner Eigenschaft als russischer Premier den kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew treffen konnte. Vermutlich, ohne dabei tot zu sein. Die Begegnung fand im Konstantinowski-Palast in Strelna, nicht weit von St. Petersburg statt.

„Das Leben wäre langweilig ohne Gerüchte“ kommentierte der Putin die wild ins Kraut geschossenen Spekulationen über die Gründe seines zehntägigen Verzichts auf öffentliches Auftreten. Das staatliche russische Nachrichtenportal Sputnik betitelte entsprechend einen Artikel „Die 5 lächerlichsten Theorien über den Verbleib von Wladimir Putin“, welche wir hier in eigenen Worten zusammenfassen. 
Diese wären:

5. Putin sei tot und es gebe eine Verschwörung, um seinen Tod zu verschleiern.
4. Putin habe Krebs oder sonstige gesundheitliche Probleme, die vertuscht würden, um sein Image als „starker Mann“ nicht zu gefährden.
3. Putin sei in die Schweiz gereist, um der Geburt eines Kindes aus einer unehelichen Beziehung beizuwohnen, auch wenn die Sportlerin und Politikerin Alina Kabajewa, welche Putins Geliebte sein soll, niemanden geboren hat. Zudem stellt sich die Frage, warum ein solches Ereignis eine zehntägige Abwesenheit erforderlich machen soll.
2. Putin sei in einem Putsch gestürzt worden. Unter den potentiellen neuen Machthabern fänden sich Stabschef Sergei Iwanow und Tschetscheniens Präsident Ramsam Kadyrow. Wie lassen sich aber Fernsehauftritte Putins am 5., 8., 11., 12. und 13. März erklären?
1. Putin sehe sich die US-Webserie „House of Cards“ an und sei deshalb verhindert - die Theorie kam von einem Karikaturisten der Washington Post. Dagegen findet Sputnik allerdings die wenigsten Einwände.

Allerdings ging es in den Gesprächen zwischen Putin und Atambajew nur am Rande um Gerüchte, sondern vorrangig um durchaus verifizierbare Tatsachen von einiger Bedeutung. Hauptsächlich wohl um den für den 15. Mai anvisierten Beitritt Kirgisistans zur Eurasischen Wirtschaftsunion, welche am ersten Januar in Kraft getreten ist. Das Abkommen zur Gründung dieses Wirtschaftsraumes war bereits am 29. Mai 2014 von Rußland, Kasachstan und Weißrußland unterzeichnet worden; Armenien hatte im Oktober 2014 ein Beitrittsabkommen unterzeichnet, Kirgisistan im Dezember. Weitere Staaten, in denen ein möglicher Beitritt zur EAWU diskutiert wird, sind die Mongolei, Tadschikistan und Usbekistan.

Die unabhängige Nachrichtenseite NSNBC News beruft sich überdies auf „informierte Analysten", welche Putins „Verschwinden" aus der Öffentlichkeit mit mehreren hochsensiblen Treffen in Verbindung bringen, da Putin die Köpfe sämtlicher NATO-Staaten sowie die NATO-Führung zu einer Sicherheitskonferenz im April eingeladen habe. Unter den „sensiblen Angelegenheiten" sei der Gegensatz innerhalb der NATO-Staaten zwischen jenen, die, wie die USA und das Vereinigte Königreich eine aggressive Position gegenüber Russland vertreten und jenen, darunter Frankreich und Deutschland, welche eine engere Kooperation zwischen EU und EAWU wünschen. Auch die Koordination der Truppen der „Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit" (OVKS), im Grunde des russisch geleiteten Gegenstücks zur NATO, und deren möglicher Einsatz zur Bekämpfung einer islamistischen Bedrohung an der Südgrenze der russischen Föderation könnte eine Rolle spielen.

Natürlich sind diese Geschehnisse und Gedanken kein endgültiger Beweis für die von uns entgegen aller Gerüchte vermutete Lebendigkeit Wladimir Putins, der geneigte COLPORTAGE-Leser wird mir indes zustimmen, daß doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann.

 

Quelle:

http://nsnbc.me/2015/03/16/putins-healthy-eeu-baby-putin-meets-atambayev
http://rt.com/op-edge/241297-putin-mysterious-health-rumors
http://sputniknews.com/society/20150316/1019568604.html
http://sputniknews.com/politics/20150314/1019501171.html
http://www.latimes.com/world/europe/la-fg-putin-appearance-20150316-story.html

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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