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Riads Hilfe zur Bewältigung der Flüchtlingskrise

200 wahabitische Moscheen für Deutschland?

Samstag, 12 September 2015 00:12 geschrieben von 
Flagge Saudi-Arabiens Flagge Saudi-Arabiens

Riad - Die reichen Golfstaaten Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Oman, Kuweit und die Vereinigten Arabischen Emirate weigern sich, Flüchtlinge aus dem kriegsgebeutelten Syrien aufzunehmen. Begründet wird dies unter anderem damit, daß diese „eine andere Kultur“ hätten. Stattdessen hat Saudi-Arabien jetzt den Bau von 200 Moscheen für die Neuankömmlinge in Deutschland angeboten.
Dazu gibt es ein Sammelsurium mehr oder weniger verbundener Stränge und Gesichtspunkte. Angefangen werden könnte damit, daß Saudi-Arabien neben den USA, Israel und der Türkei Hauptverantwortlicher für das Sterben in Syrien ist, indem es wahabitische Fanatiker aus aller Welt bewaffnet und gegen die syrische Armee in den Krieg schickt.

Flüchtlinge will Saudi-Arabien jedoch nicht haben, hat allerdings laut al Hayat 500.000 syrische Gastarbeiter aufgenommen. Die Mehrheit der Syrer sind jedoch keine Sympathisanten der Salafisten, sondern mehr oder weniger staatsloyal, ob sie nun Schiiten, Alewiten, Christen oder gemäßigte Sunniten sind. Saudi-Arabien hat selbst Probleme mit seiner schiitischen Minderheit, und insbesondere, seit es den von den schiitischen Huthi beherrschten Jemen angegriffen hat, hat die ehemals zum Jemen gehörige Provinz Nadschran sich zunehmend gegen Riad gestellt. Die Aufnahme der ein hohes Maß an geistiger Freiheit gewohnten, arabisch sprechenden Syrer könnte das saudische Volk zusätzlich politisieren und gegen die absolutistische Monarchie aufbringen.
Dann ist jedoch auch der Aspekt zu beachten, daß Saudi-Arabien und andere radikale Sunnitenstaaten und -organisationen die Migration nach Europa zur Durchsetzung ihrer eigenen strategischen Interessen nutzen dürften.

Colportage hatte bereits im Februar berichtet, daß der „Islamische Staat“ die systematische Einschleusung seiner als „Flüchtlinge“ getarnten Kämpfer nach Europa beabsichtigt. Beweise für ehemalige IS-Kämpfer in Europa gibt es, umstritten ist die Zahl. Von einigen Tausend ist die Rede, auch wenn BND-Chef Gerhard Schindler sein Credo verkündigt „Es gibt keine Terroristen unter den Flüchtlingen“. Sicher hat er sie alle persönlich kontrolliert. Nun sind allerdings - mittlerweile - der Großteil der Syrer, die ihr Land verlassen, nicht vor dem IS fliehende Christen, sondern den Sunniten zuzurechnen, und zu weiten Teilen sogar solche mit salafistischen Sympathien. Aus Sicht des syrischen Staates dürften diese meist jungen Männer vermutlich Deserteure sein.

Dann gibt es die Frage der falschen und gestohlenen syrischen Pässe. Der Handel scheint gewaltige Ausmaße angenommen zu haben, und ein syrischer Paß macht die Anerkennung als Flüchtling wahrscheinlich. Wer stellt die falschen Pässe her, und wer kauft sie? Der unzufriedene Marokkaner, der sich als angeblicher Syrer Zugang zu hiesigen Sozialleistungen verschaffen will, ist da noch die nettere Variante. Woher aber die gestohlenen Pässe? Ein Interesse der syrischen Armee oder Regierung scheint sehr fraglich. Woher kommen sie? Sind es vielleicht Pässe gefallener Soldaten oder von Opfern des IS und ähnlicher Terrorgruppen? Wäre es vorstellbar, daß der IS diese Pässe zur Einschleusung seiner Sympathisanten nach Europa nutzt? Keine Behauptung, aber doch eine denkbare Erwägung.
Wenn Saudi-Arabien nun in Deutschland Moscheen errichten will, kann jedenfalls davon ausgegangen werden, daß dort nicht ein friedfertiger Sufi-Mystizismus gepredigt wird oder ein die Christen als zu schützende Brüder betrachtender Islam, wie ihn die Hisbollah vertritt, sondern der Wahabismus bzw. Salafismus, wie er saudische Staatsdoktrin ist und der sich überhaupt nicht von dem des „Islamischen Staates“ unterscheidet. Und daß Saudi-Arabien davon ausgeht, daß es unter den Asylbewerbern für diese Moscheen auch Besucher gibt.

Verweise:

http://www.independent.co.uk/news/world/europe/saudi-arabia-offers-germany-200-mosques--one-for-every-100-refugees-who-arrived-last-weekend-10495082.html
http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/die-golfstaaten-schotten-sich-gegenueber-fluechtlingen-ab-13789932.html
http://www.theguardian.com/world/2015/sep/08/growing-concern-over-trade-in-fake-and-stolen-syrian-passports
http://www.colportage.de/politik/britische-stiftung-zeigt-is-pl%C3%A4ne-zum-einsickern-nach-europa.html
http://www.breitbart.com/national-security/2015/09/07/lax-security-phony-ids-surround-europes-migrant-flood

Letzte Änderung am Samstag, 12 September 2015 00:25
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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