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Zur jüngeren Geschichte Südamerikas

Argentinien, die Militärjunta und der Malwinenkrieg

Mittwoch, 25 November 2015 21:04 geschrieben von 
Argentinien, die Militärjunta und der Malwinenkrieg Quelle: centediario.com

Buenos Aires - Eine Strategie, welche die Globalisten immer wieder anwenden, ist die, ein Problem zu schaffen und dann selbst die „Lösung“ vorzuschlagen. Dafür gibt es auch in der jüngeren Geschichte Argentiniens ein gutes Beispiel.
Nachdem er 1955 gestürzt wurde, durfte Perón 1972 wieder nach Argentinien zurück. Schon im nächsten Jahr wurde er mit absoluter Mehrheit als Präsident wiedergewählt. In der kurzen zweiten Amtsperiode an der Spitze seines Landes schickte er im Januar 1974 eine argentinische Delegation nach Libyen, um die Beziehungen mit Gaddafis Regierung zu stärken. Oberst Gaddafi, der gleichfalls weder Washington noch Moskau folgte, war seit 1969 an der Macht. Er erklärte, dass Perón, zusammen mit Nasser, sein größtes politisches Vorbild sei. Der libysche Premierminister Abdusalam Jallud sagte damals “General Perón verkörpert die gleiche Philosophie und die gleichen Ideen, die Libyen in der arabischen Welt vertritt“.

Einige Monate später, im Juli 1974, verstarb Perón. Seine Witwe María Estela, bekannt als „Isabelita“, trat als seine Nachfolgerin für den Rest der Legislaturperiode an. Sie hatte vor, die soziale Politik und die souveränistische Linie ihres Mannes weiterzuführen, aber das Land wurde bereits destabilisiert, um auch sie zu stürzen. Marxistische Guerillas waren im Norden des Landes tätig, und dies nutzte das Militär 1976 als Vorwand für einen Coup gegen die rechtsmäßige Präsidentin. Die Putschisten meinten, Isabelita wäre nicht in der Lage, für Ordnung im Land zu sorgen. In Wirklichkeit handelte es sich um die gleiche Prozedur, die 1967 mit Sukarno in Indonesien durchgeführt wurde: die kommunistischen Guerillas wurden vom Militär als Ausrede benutzt, um die Regierung zu stürzen. Und in Argentinien (wie 1973 in Chile) hat das Militär keineswegs im Interesse des eigenen Volkes gehandelt. Die argentinische Junta und der chilenische Diktator Pinochet haben das liberalistische System wiedereingeführt, und beide Länder kamen fest unter die Fittiche der USA. 
Pinochet hat seinerzeit die „Chicago Boys“ eines Milton Friedman nach Chile geholt, die mehrere wirtschaftsliberale Maßnahmen durchgeführt haben, unter anderem viele Privatisierungen. Der chilenische Sozialstaat wurde langsam demontiert, natürlich unter dem Hinweis auf die „kommunistische Bedrohung“, versteht sich. Die argentinischen Putschisten der Junta wiederum, vor allem Admiral Massera, hatten enge Beziehungen zu der Freimaurerloge P2 („Propaganda Due“) von Licio Gelli, sesshaft in Italien, die in den achtziger Jahren berühmt-berüchtigt werden sollte. Man versuchte auch, die künstlichen Spannungen und Rivalitäten zwischen Chile und Argentinien zu fördern. Die beiden Länder, die sich zur Zeiten Peróns beinahe vereinigt hätten, sollten, wenn möglich, sogar in einen Krieg getrieben werden, um sich gegenseitig schwächen. In Brasilien gab es übrigens zur damaligen Zeit ebenso eine Militärdiktatur.
Aber um Argentiniens „zu“ starke Armee zu schwächen, kam es anders, der Krieg sollte doch nicht gegen Pinochets Chile sein…
Die Inselgruppe der Malwinen, die historisch zu Argentinien gehörte, war seit Jahrzehnten im Besitz Englands (von diesem als „Falklandinseln“ bezeichnet). Unter der argentinischen Bevölkerung gab es schon zur Zeit Peróns ein nationalistisches Gefühl des Anspruchs auf die strategisch sehr wichtigen Inseln. Die USA haben ihren argentinischen „Verbündeten“ von der Junta eine Falle gestellt: sie versprachen ihnen Unterstützung, um die Malvinas von den Engländern zurückzuerobern. Naiverweise glaubte der General Galtieri, damals Führer der Junta, an die Hilfe der Nordamerikaner. So hat Argentinien versucht, in einer Art „Blitzkrieg“ die Malvinas wieder an sich zu nehmen.

Aber die Hilfe der USA kam natürlich nicht. Die Nordamerikaner haben sich, welch Überraschung, sofort an die Seite der Engländer gestellt. So tappte Argentinien in die Falle. Das englische Militär antwortete heftig, und viele argentinische Patrioten, einfache Soldaten, die idealistisch glaubten, für das Vaterland gegen den britischen Imperialismus zu kämpfen, wurden geopfert. Während des Malwinen-Krieg hat Chile mit den Engländern zusammengearbeitet. Die Chilenen spionierten mit ihren Radarsystemen die Abflugzeiten der argentinischen Militärflugzeuge in Richtung Malvinas aus und informierten die Briten. Und nicht nur das - Chile stellte sogar sein Territorium zur Verfügung, damit die Engländer von dort aus die argentinische Militärbasis von Río Gallegos angreifen konnten.
Ziel war, das argentinische Militär, das größte und mächtigste in Lateinamerika, zu schwächen und nach und nach zu demontieren. Länder mit eine starken Armee sind immer eine potentielle Gefahr für die Globalisten, auch wenn es theoretisch „Verbündete“ sind – wie es im Fall der argentinischen Junta der Fall war. Zum Ende des Malwinen-Krieges hatte Argentinien 40% seiner Luftmacht verloren.
Genau die gleiche Taktik wurde übrigens 1990 gegen den Irak benutzt. Die USA versicherten Saddam über die US-Botschafterin April Glaspie, dass sie nichts dagegen hätten, wenn Irak in Kuwait einmarschiert. Kuwait ist historisch gesehen immer ein Teil des Irak gewesen. Kuwait wurde von den Kolonialisten nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches abgespalten, und dort herrschte (und herrscht weiterhin) ein despotisches Regime. Saddam hatte vor, eine Wiedervereinigung zwischen Irak und Kuwait um jeden Preis durchzuführen. Und wie wir wissen, ging der Herrscher von Bagdad auch in die Falle und lieferte der „Internationalen Gemeinschaft“ einen Vorwand, um sein Land anzugreifen. Damit ging es ihm genauso wie den argentinischen Generälen im Fall der Malvinas. Die Globalisten sind nicht gerade sehr kreativ und benutzen letztlich die gleichen Tricks immer wieder…


Verweise:

http://www.colportage.de/politik/der-dritte-weg-der-dritten-welt.html
http://www.ruinasdigitales.com/revistas/Libia1974.pdf
http://www.telam.com.ar/notas/201404/57575-una-guerra-de-74-dias-que-dejo-649-argentinos-que-dieron-su-vida.html
https://luizcore.wordpress.com/2012/04/05/guerra-de-malvinas-fue-una-perfida-trampa-de-otan-y-eeuu-para-ganar-guerra-fria-a-ex-urss

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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