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Ein Todesfall im Gefolge des Flaggenstreits

Autor Anthony Hervey tödlich verunglückt

Donnerstag, 23 Juli 2015 02:17 geschrieben von 
Bildschirmfoto vom 23.07.2015 | Anthony Hervey Bildschirmfoto vom 23.07.2015 | Anthony Hervey Quelle: http://www.gofundme.com/hervey

Berlin - Am Sonntag, dem 19. Juni, starb Anthony Hervey in seinem PKW. Er war gerade auf dem Heimweg nach Mississippi und hatte vorher an einer Kundgebung in Alabama teilgenommen, welche sich gegen die in den USA derzeit vielfach angestrebte Kriminalisierung der Flagge der Konföderierten Staaten wandte. Nach Aussage der Mitfahrerin Arlene Barnum wurden sie von einem Wagen voll junger schwarzer Männer verfolgt und abgedrängt, was zu dem Unfall führte. Der Tod eines „rassistischen Redneck“? Hervey war selbst schwarz.

In Mississippi war der 49-jährige als Anhänger der Konföderierten Flagge recht gut bekannt. Schonungslos prangerte er die in den USA verbreitete Interpretation der Sezessionskriege als Siegergeschichtsschreibung an. Es sei dem Norden nicht um Sklavenbefreiung, sondern um Eroberung gegangen. Schwarze aus den Südstaaten hätten genauso gegen den Norden gekämpft, um ihre Heimat und ihre Familien zu verteidigen. Tatsächlich gab es auf konföderierter Seite unzählige schwarze Freiwillige.

Selbst der demokratische Präsident Woodrow Wilson hatte es zugegeben: „Es war nötig, den Süden in eine moralisch nachteilige Position zu bringen, indem die Auseinandersetzung von einem Krieg gegen um ihre Unabhängigkeit ringende Staaten zu einem Krieg gegen für die Beibehaltung und Ausweitung der Sklaverei kämpfende Staaten verwandelt wurde... und die Welt, war zu hoffen, würde es als moralischen Krieg ansehen, nicht als politischen, und die Sympathie der Nationen würde anfangen, dem Norden, nicht dem Süden zu gelten." Nicht viel mehr als eine Propagandaschrift war in diesem Zusammenhang auch das Buch „Onkel Toms Hütte“.

Anthony Hervey schrieb auch ein recht bekanntes Buch über seine Ansichten, betitelt „Warum ich die Konföderierte Flagge schwenke, geschrieben von einem schwarzen Mann: das Ende des Niggerismus und des Wohlfahrtsstaates". Dazu erläuterte Hervey: „Ich zeige, daß der Bürgerkrieg nicht wegen der Sklaverei gefochten wurde und daß der Verfall meiner Rasse nicht vom weißen Mann, sondern eher von uns selbst gemacht ist. In diesem Buch zeige ich, wie Schwarze in Amerika der physischen Fesselung entflohen, hin zu einer weit schlimmeren - geistigen Fesselung.“

Politisch korrekten „Anti-Rassismus“ und spezielle Programme zur Förderung Schwarzer sah Hervey nicht als begrüßenswert, sondern als entwürdigende Form von Rassismus. „Stelle mich nicht deshalb an, weil ich schwarz bin“ hieß es auf einem seiner Plakate. Weiße Schuld sah er, wenn dann, weniger in der Unterdrückung der Schwarzen, sondern in der Erziehung zur Unmündigkeit. Eigenverantwortung sei der Weg, etwa dabei, die schwarzen Wohngegenden nicht zu Mülldeponien verkommen zu lassen. Ein, eigenem Bekunden nach, ebenfalls schwarzer, Rezensent des Herveyschen Buches fand das harte Urteil Herveys über Sozialprogramme zwar übertrieben, fand jedoch insgesamt, dieses Buch habe einfach geschrieben werden müssen, und viel Gutes könne kommen, würden die Vorschläge ernstgenommen. Außerdem betrachtete er das Werk als Fortschritt für Schwarze und die Rassenfrage in Amerika.

In der Information zu Herveys Buch hieß es zudem: „Ein Anteil der Einnahmen aus dem Verkauf dieses Buches wird Mr. Hervey in seiner gesetzlichen Verteidigung gegen unrechtmäßige Inhaftierung helfen und ein Teil wird zur Bewahrung des Südstaatlichen Erbes gespendet. Ein finanzieller Beitrag geht an die Opfer von Katrina [-des Hurricans], sowohl weiße als auch Schwarze.“

Anthony Hervey war sicher kein von Selbsthaß erfüllter Schwarzer, sondern ein Mann, der die Ansicht vertrat, daß man wahre Würde nur selbst erlangen, niemals jedoch wie ein Almosen geschenkt bekommen könnte.

 

Verweise:

http://www.amazon.com/Wave-Confederate-Flag-Written-Black/dp/141207178X
http://www.dailymail.co.uk/news/article-3168224/Black-Mississippi-flag-supporter-dies-traffic-accident.html
http://yellowhammernews.com/faithandculture/black-confederate-flag-activist-says-fatal-car-wreck-was-no-accident-theyre-after-us
https://www.youtube.com/watch?v=jxF_F35_ohM

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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