Freigegeben in Politik

Dealer müssen umziehen

Berliner Görlitzer Park soll drogenfrei werden

Dienstag, 20 Januar 2015 06:44 geschrieben von 
Vogelperspektive des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg Vogelperspektive des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Boris Niehaus | CC BY-SA 3.0

Berlin - Besucher der Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg berichten Erstaunliches: die bislang allgegenwärtigen Drogendealer seien verschwunden, oder zumindest nicht mehr so deutlich präsent. 
Dabei soll die strengere Regelung zum Besitz von Marihuana und Haschisch, welche speziell für diesen Ort ersonnen wurde, aber auch für Bahnhöfe und Schulen gelten soll, erst zum symbolträchtigen 1. April in Kraft treten.

Bislang galt, daß der Besitz der Droge bis zu einer Menge von 15g zwar verboten war, jedoch als Eigenbedarf galt, und die Verfahren wurden eingestellt, was faktisch dazu führte, daß es schwer wurde, Dealer aufgrund mitgeführter Drogen zu belangen. Für die erwähnten Orte soll sich dies nun ändern, wie Innensenator Frank Henkel und Justizsenator Thomas Heilmann (beide CDU) letzte Woche Mittwoch verkündeten, auch der Besitz kleiner Mengen Cannabis würde dort die Strafverfolgung nach sich ziehen.

Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, kritisierte den Schritt gegenüber der Berliner Morgenpost, die Szene werde sich lediglich verlagern, stattdessen betrachtete sie eine Legalisierung von Cannabis als Lösung zur Austrocknung des Schwarzmarktes.

Nach Henkels Ansatz soll eine auch zukünftig starke Polizeipräsenz den Park rund um die Uhr betreuen, was bei der Gewerkschaft der Polizei wegen mangelnden Personals zum Teil auf Kritik stieß. 2014 soll es nach Henkel im Görlitzer Park 511 Polizeieinsätze mit insgsamt etwa 30.000 Arbeitsstunden gegeben haben, einschließlich 4.700 Personenüberprüfungen und über 1.900 Ermittlungsverfahren.

Ins Gespräch gekommen war der Görlitzer Park nicht zuletzt wegen des zunehmenden Unmuts der Anwohner und sogar mehreren gewaltsamen Auseinandersetzungen. So waren unter anderem im letzten Oktober zwei Drogenhändler bei einer szeneinternen Messerstecherei verletzt worden, im November hatten dann ein türkischer Wirt und dessen Angestellter zwei als Dealer bekannte junge Männer aus Guinea niedergestochen, worauf eine Gruppe von Männern die Bar des Wirtes in der Skalitzer Straße angegriffen hatte.

Artikel bewerten
(10 Stimmen)
Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

Redaktion