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1.800 neue Kameras

Berlins öffentlicher Nahverkehr soll stärker überwacht werden

Dienstag, 17 Februar 2015 19:13 geschrieben von 
Überwachung Überwachung

Berlin - Ob es nun ein „Sieg für die Sicherheit“ ist, wie der Aufsteller eines Boulevardblatts die Entwicklung preist, oder eher Eingeständnis eines gesellschaftlichen und politischen Versagens, sei dahingestellt: Berlins Bahnhöfe bekommen neue Überwachungskameras.

Insgesamt 1.800 neue Videokameras wollen BVG und S-Bahn installieren. Bei einem Großteil dieser Kameras soll es sich um High-Tech-Geräte handeln; Mitarbeiter der in Kreuberg gelegenen Sicherheitszentrale der BVG könnten von ihren Arbeitsplätzen aus das Geschehen heranzoomen, die Kameras könnten schwenken und sich neigen. Untersagt bleiben lediglich Einblicke in Kioske, Verkaufsstellen und Diensträume.

Die BVG hat bereits 2.020 Kameras installiert, bis zu 1.090 Geräte sollen nun hinzukommen. Die S-Bahn steht mit der flächendeckenden Überwachung noch hintenan, aus den bisher 19 überwachten S-Bahnhöfen sollen im Laufe des Jahres jedoch 84 werden.

2014 soll es bei S- und Regionalbahnen rund 2000 Körperverletzungsdelikte gegeben haben, und so verweisen Befürworter der Maßnahmen auf einen meßbaren Rückgang an Straftaten bei der BVG, die laut der Boulevardzeitung B.Z. 173 Bahnhöfe, sämtliche U-Bahnzüge, 87 Prozent der Busse und 66 Prozent der Straßenbahnen fernüberwacht. Nach Zahlen der BVG seien die Vandalismusschäden von 9,7 Millionen Euro (2008) auf  4 Millionen Euro (2014) zurückgegangen. Bei 2.965 Gewaltvorfällen seien 1.500 Tatverdächtige ermittelt worden, 511 davon aufgrund gesichteten Videomaterials.

Gewartet wird noch auf die Zustimmung des Berliner Datenschutzbeauftragten, wenn diese erfolgt, womit zu rechnen ist, können die Aufnahmen zu Zwecken der späteren polizeilichen Auswertung 48 Stunden gespeichert werden. Unabhängig davon, ob man nun die positive Seite der verbesserten Verbrechensprävention oder die negative Seite der stetig zunehmenden Überwachung für gewichtiger hält: es soll Zeiten gegeben haben, da war all dies sicher nicht nötig gewesen.

 

Quellen:
http://www.bz-berlin.de/berlin/1800-super-kameras-fuer-unsere-bahnhoefe
http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2015/02/1800-neue-kameras-ubahn-sbahn.html
http://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2014/01/kameras-an-mehr-berliner-s-bahnhoefen-kommen.html

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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