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Wünscht sich Professor Lucke endlich die "Führerpartei" AfD?

Bernd Lucke, Konrad Adam, Datenschutz und neuester Klatsch aus der AfD

Samstag, 27 Dezember 2014 14:52 geschrieben von 
Bernd Lucke, Konrad Adam, Datenschutz und neuester Klatsch aus der AfD Quelle: AfD

Berlin - "Die AfD ist und bleibt ein Sauhaufen" formulierte es ein Informationszuträger aus der Alternative für Deutschland (AfD) gegenüber der Redaktion von COLPORTAGE. Was sich über die Festtage zugetragen haben soll, wurde uns so kolportiert (Originalworte des Kolporteurs):

"In Anbetracht der Schwemme von Protestmails, Änderungsanträgen und angedrohten sowie bereits vollzogenen Parteiaustritten im Vorlauf zum Bundesparteitag in Bremen sah sich der Bundessprecher Lucke am 2. Weihnachtsfeiertag offenbar genötigt, aktiv zu werden und einen leicht verfrühten Knallfrosch zu zünden. Er tönt wie folgt:

Email Bernd Lucke, 26.12.2014

Eine Kreisvorsitzendenkonferenz. Ladungsfrist: gute 3 Wochen. Ganz offensichtlich in dem Hoffnung, die Kreisvorsitzenden mögen ihre guten Lämmer wieder auf Kurs bringen, was Bremen angeht.

Die Kreisvorsitzenden, deren Vernetzung bisher nach Möglichkeit unterbunden wurde (Der Datenschutz ist schon eine lästige Sache), sollen sich also kurzfristig in Frankfurt treffen, damit ihnen über die Wichtigkeit von Satzung, den Stand der Programmatik und die strategische Ausrichtung gesprochen werden kann. Hurra, mal ganz was neues, ansonsten war das Bedürfnis der Führung mit denen zu sprechen ja doch eher, sagen wir mal, ausbaufähig.

Aber schauen wir uns das doch mal im einzelnen an, mit verständlicher deutscher Übersetzung der versendeten Euphemismen:

Lucke: Der Bundesparteitag der AfD am 30.1-1.2.2015 wird das öffentliche Erscheinungsbild der AfD unmittelbar vor den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und weit darüber hinaus prägen.

Deutsch: Wer in Bremen Unruhe stiftet, schädigt das Erscheinungsbild der AfD. Also Klappe halten und klatschen.

Lucke: Mit ihm treffen wir wichtige Entscheidungen über die künftige Führungsstruktur der Partei und setzen ein Auftaktsignal für die programmatische Debatte in der AfD, die das ganze, relativ wahlkamfarme Jahr 2015 beherrschen wird und gegen Ende des Jahres in unserem ersten Parteiprogramm münden soll.

Deutsch: Das Programm wird in den Fachausschüssen debattiert, deren Mitglieder mittlerweile Verschwiegenheitserklärungen unterzeichnen sollen, und Ihr müßt per Satzung das Auftaktsignal geben, damit die wissen, daß ich den ganzen Kram sowieso nach meinem Verständnis hinbiege. [Anmerkung: Alle Grammatik und Rechtschreibfehler sind original aus der Lucke-Mail übernommen]

Lucke: Damit der Bundesparteitag und das Jahr 2015 zu einem Erfolg wird, möchten wir gerne mit Ihnen vorab sowohl über die Satzung als auch über den Programmprozess und die strategische Ausrichtung der AfD sprechen

Deutsch: Ihr müßt mir helfen, die Mitglieder auf meine Linie zu bringen, dafür sage ich Euch auch vorab, wo langmarschiert wird. Also zumindest ein bißchen.

Lucke: Wir glauben, dass es im Interesse eines erfolgreichen Bundesparteitags wichtig ist, die Verantwortungsträger der Partei rechtzeitig über anstehende Entscheidungen und Prozesse zu informieren und uns über Ihre Einschätzung der Lage und der Entwicklung der AfD auszutauschen

Deutsch: Ich habe zwar irgendwelche Kreisfuzzis noch nie rechtzeitig über irgendwas informiert geschweige denn daß ich mich von deren Meinung beeinflußen lassen würde, aber ich weiß mir im Moment auch nicht mehr anders zu helfen, um meine Satzung durchzukriegen. Und Austausch klingt ja nicht schlecht.

Lucke: Wir wollen dies gerne in einer (nichtöffentlichen) bundesweiten “Kreisvorsitzendenkonferenz”  tun (Bezirks- und Landesvorsitzende sind ebenfalls gemeint), zu der wir sehr herzlich für

Sonntag, den 18. Januar 2015 von 12.00 Uhr bis ca. 17.00 Uhr

in das RAMADA Hotel Frankfurt Messe Oeserstrasse 180 D-65933 Frankfurt am Main

einladen.

Deutsch: Gut, drei Wochen sind knapp, aber Treffen mit den KVs ist mir ja auch erst jetzt in den Sinn gekommen, wegen dem ganzen Ärger. Reisekosten werden nicht erstattet.

Lucke: Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme, indem Sie eine einfache email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schicken. (Das ist eine noreply-Adresse!)

Deutsch: Ich habe keine Ahnung, was eine noreply-Adresse ist, aber klingt toll und gmail kann ich.[ technische Anmerkung: Noreply-Adressen sind Emailadressen, deren Postfächer nicht gelesen werden, sondern direkt in /dev/null geleitet werden. Was er sagen will, ist, daß mails an diese Adresse zwar gelesen, aber nicht beantwortet werden.] @alternativefuer.de-Adresse für die Veranstaltung gibts nicht, der Admin dafür ist in den Weihnachtsferien.

Lucke: Falls Sie persönlich nicht kommen können, leiten Sie diese Einladung bitte an einen anderen Vertreter Ihres Vorstands weiter. Bitte schicken Sie aber nur einen Vertreter pro Vorstand, damit unsere Raumplanung nicht aus den Fugen gerät.

Deutsch: Sagen Sie um Gottes Willen Ihren Kreismitgliedern nicht, daß Sie auf ein Briefing für den Parteitag sollen, sonst wollen die wissen, was da abläuft. Das wird ein Stück exklusives Herrschaftswissen für Sie und das wollen Sie sich doch nicht versauen, oder?


Als Fazit lässt sich schließen:

Da hat wer Pipi in der Hose, daß die Eine Partei-Ein Anführer-Satzung ihm wieder genauso um die Ohren gehauen wird wie seinerzeit in Erfurt. Und das nicht zu Unrecht, der sogenannte “Konsens”-Entwurf ist diesmal noch schlimmer als der letzte, entmachtet die Kreise noch weiter, gibt dem – alleinigen – Bundesvorsitzenden noch mehr Durchgriffsrechte und privilegiert die höheren Funktionäre noch weiter zu Lasten der Mitgliederrechte. Und jetzt sollen in Frankfurt die Kreisvorsitzenden eingenordet werden, damit die ihre Mitglieder über den großen Nutzen der neuen Satzung für “die Sache”(tm) unterrichten. Billiger gehts nicht, es ist derartig plump und durchsichtig. Und auch so schlecht gemacht..3 Wochen Ladungsfrist, 2 Wochen vor dem PT und dann was von rechtzeitiger Information erzählen. Zumal erkennbar wird, daß man offenbar doch in Besitz einer Deutschlandkarte ist und sie zumindest soweit lesen kann, daß für eine bestmögliche Anreise von Teilnehmern ein zentraler Ort wie Frankfurt doch besser geeignet ist als beispielsweise Bremen. Was den Ärger der Basis eher steigern als mildern wird. Glückwunsch, cleverer Zug.

Der Autor dieser Zeilen war bis hierher gekommen und hatte gerade den üblichen BuVo-Belustigungsgrad erreicht, als unvermittelt der folgende Knallkörper explodierte:

Email Konrad Adam, 26.12.2014

 

Lieber Herr        ,

Ihre Fragen sind verständlich; wir stellen sie uns auch. Um sie, soweit das bisher möglich ist, zu beantworten:

  1. Es handelt sich um keine Parteiveranstaltung, da es einen Beschluss des Bundesvorstandes in dieser Sache nicht gibt. Bernd Lucke hat allein, ohne Rücksprache und ohne Zustimmung mit uns, gehandelt.
  2. Wer die Kosten trägt, ist einstweilen offen. Da kein gültiger Beschluss  vorliegt, kann die Partei, soweit ich sehe, nicht in Anspruch genommen werden.
  3. Die Kosten trägt wohl jeder selbst – es sei denn, Bernd Lucke hat andere Quellen zur Verfügung und zapft sie an. Darüber weiß ich aber nichts, fragen Sie ihn am besten selbst.

Ich bedaure, Ihnen keine andere Antwort geben zu können. Ich kann mich nicht daran erinnern, Bernd Lucke, dessen Verdienste unbestritten sind, jemals in einer Weise angegriffen oder auch nur kritisiert zu haben, die ein derart eigenmächtiges Vorgehen rechtfertigen könnte. Wie immer wir über die Zukunft unserer Partei denken, eins muss klar sein: die Satzung gilt – ohne Ausnahme und für alle. Wir wollen keine Partei, in der die einen Tiere gleicher sind als die anderen.

Mit einem traurigen Gruss von Konrad Adam

Das war nun auch kein lahmer Knallfrosch wie oben, sondern eher ein Chinaböller der Güte “Stalingrad ’42”, den hatte Opa wohl noch irgendwo verbuddelt.

Ad 1: Kein BuVo-Beschluß über dieses Treffen, sondern Lucke’scher Alleingang. Was sagt, daß der Parteimanager für private Zwecke des Bundessprecher mißbraucht wurde. Ein Vergehen, für das allen anderen bildlich gesprochen die öffentliche Enthauptung angedroht wird, mit anschließender Vierteilung und darauf folgender Erschießung. Nur um sicher zu gehen.

Ad 2: Jemand sollte beim Ramada forschen gehen, wer denn den Raum bestellt hat und die Party bezahlt.

Ad 3: Konrad Adam holt das “Manche Tiere sind gleicher”-Zitat aus der “Farm der Tiere” heraus, der Orwellschen Parabel auf die Stalin-Herrschaft in der Sowjetunion. Und die Leute sagen, ich wäre ein Schwarzmaler und Querulant :D"

Dem bleibt anzumerken: Auch aus unserer Sicht ist und bleibt die AfD vorläufig ein Sauhaufen! ;-)

Letzte Änderung am Samstag, 27 Dezember 2014 15:26
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Dirk Schneider

Dirk Schneider (Jahrgang 1969) ist Oberst a.D. und absoluter Kenner in Sachen "Informationsgewinnung vom und über den Feind".

Er greift für die Redaktion von COLPORTAGE die besonders heißen Eisen auf.

Webseite: www.colportage.de

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