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AfD-Parteitag in Bremen

Bernd Lucke wird alleiniges Parteioberhaupt

Montag, 02 Februar 2015 00:01 geschrieben von 
Prof. Dr. Bernd Lucke Prof. Dr. Bernd Lucke Quelle: AfD Berlin | Foto: © Frank Ossenbrink Media

Bremen - Seit längerer Zeit brodelte es in der Alternative für Deutschland. Differenzen in der außenpolitischen Orientierung, in der Stellung zur Pegida, in der Frage, wie weit die Kritik an EU und Euro zu gehen habe, führten zu teilweise bissigen Auseinandersetzungen. 
Ein besonderer Kritikpunkt abseits inhaltlicher Fragen war der zunehmend autoritäre Führungsstil Bernd Luckes, der vor längerer Zeit bereits angekündigt hatte, die bisherige Troika der gleichberechtigten Sprecher Bernd Lucke, Frauke Petry und Konrad Adam durch einen einzigen Parteivorsitzenden - sich selbst - zu ersetzen.

In diesem Punkt konnte er sich auf dem dieses Wochenende in Bremen abgehaltenen Bundesparteitag durchsetzen, die bisherige Arbeit des Parteivorstandes bezeichnete er offen als „stümperhaft“. Zu seinem Sieg verholfen haben dürfte ihm dabei eher sein Charisma als die Überlegenheit sachlicher Argumente. Die inhaltlichen Gräben in der Partei bleiben weiterhin bestehen und dürften zu tief sein; es ist unwahrscheinlich, daß sich die Gegensätze zwischen eher transatlantisch und eher ostwärts orientierten Kräften, zwischen Euro-Gegnern und Kritikern an Details der EU-Politik durch einen lächelnden Lucke in Wohlgefallen auflösen ließen.

Es bleibt die Frage nach einem Ausblick für die Zukunft. Vieles hängt daran, wie sich Luckes Gegenspieler verhalten. Werden die persönlichen und inhaltlichen Gräben durch ein offensives Auftreten vertieft, droht der Partei das Auseinanderbrechen aufgrund innerer Spannungen. Wird der Kurs Luckes im Wesentlichen mitgetragen und die Partei konsolidiert sich in dieser Richtung, ist vermutlich mit einem allmählichen Attraktivitätsverlust zu rechnen, denn eine AfD, welche die inhaltlichen Gegensätze zu SPD und CDU fallen läßt, könnte ihre Wähler wieder an die Originale verlieren. Das Potential für Veränderung ist mit hoher Sicherheit vertan, am eheste käme noch die Möglichkeit in Betracht, hier und da die FDP in ihrer Rolle als Mehrheitsbeschaffer zu beerben.

Letzte Änderung am Montag, 02 Februar 2015 00:10
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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