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Innerpalästinensischer Konflikt

Bringt Russland Hamas und Fatah wieder zusammen?

Samstag, 13 Juni 2015 19:01 geschrieben von 
Palästinensische Flagge Palästinensische Flagge

Beirut - Der libanesischen Zeitung as-Safir zufolge soll Russland sich als Gastgeber eines Versöhnungstreffens zwischen Fatah und Hamas angeboten haben. Den Vorschlag eines Treffens in Moskau soll Vizeaußenminister Michail Bogdanow, welcher gleichzeitig als besonderer Repräsentant des russischen Präsidenten für den Nahen Osten fungiert, gemacht haben.

Nach as-Safir soll die Hamas den Vorschlag angenommen haben, wohingegen wenigstens am Montag eine Antwort der Fatah noch ausstand. Desweiteren soll Russland auf eine offizielle Anfrage des Palästinenserpräsidenten Abbas über eine Gastgeberschaft für weitere Fraktionen warten. Moskau als „neutraler Boden“ würde sicher die Frage nach dem Ort abzuhaltender Verhandlungen zwischen Hamas und Fatah zumindest vereinfachen.

Zuvor hatte die Hamas einem Treffen mit der Fatah in Kairo zugestimmt, jedoch hatte Ägypten die Teilnahme des Hamas-Führers Chalid Maschal untersagt, worauf die Hamas von dem Treffen wieder Abstand genommen hatte. Erst kürzlich war die Hamas in Ägypten von der Liste der terroristischen Organisationen gestrichen worden, auf welcher sie als palästinensischer Ableger der (weiterhin in Ägypten verbotenen) Muslimbruderschaft gelandet war.

Zwar hatten Hamas und Fatah im Juni 2014 eine nationale Einheitsregierung gebildet, dies hatte die Beziehungen jedoch nicht wirklich verbessern können. In der vorigen Woche soll Ismail Haniyya, derzeit stellvertretender Vorsitzender der Hamas, der Einheitsregierung seit ihrer Bildung jegliche Fortschritte in humanitärer oder ökonomischer Hinsicht im Gaza-Streifen abgesprochen haben. Die Hamas habe große Hoffnungen in die Einheitsregierung gehabt, diese sei jedoch in all ihren Vorhaben gescheitert.

Russland als möglicherweise angehender Gastgeber einer neuen Versöhnungsinitiative ist in den letzten Jahren im Nahen Osten zunehmend aktiv. Anders als die USA versucht es zwar, Einfluß zu gewinnen, ist dabei jedoch eher an Stabilität und einem Ausgleich zwischen den regionalen Mächten als an einer völligen Neuordnung interessiert. Eine Ausnahme bildet Syrien, welches eindeutiger als Verbündeter zu betrachten ist, zumal es mit Tartus den einzigen (und kleinen) russischen Marinestützpunkt im Mittelmeer beherbergt, ansonsten kooperiert man mit Sisis Ägypten ebenso wie vorher (zumindest zum Ende hin) gute Beziehungen zur Regierung Mohammed Mursis bestanden, und der Iran wird ebenso als Partner betrachtet wie man realistisch genug ist, die bedeutende Stellung Saudi-Arabiens trotz aller Interessengegensätze anzuerkennen.

Was den Konflikt zwischen Israel und Palästinensern angeht, hat Russland immer wieder wohldosierte Unterstützung für die Palästinenser gezeigt, wird jedoch mit hoher Sicherheit nicht so weit gehen, es sich deswegen mit Israel zu verscherzen. Zum einen ist die gewaltige Zahl aus Russland stammender Juden mit israelischem Paß ein nicht zu unterschätzender Einflußfaktor in Israel, zum anderen gibt es (nicht zuletzt durch diese) handfeste Wirtschaftsinteressen: einem Bericht der englischen Denkfabrik Chatham House zufolge soll das bilaterale Handelsvolumen zwischen Russland und Israel im Jahr 2014 4,6 Milliarden  Dollar betragen haben.

 

Quellen:

http://www.imemc.org/article/71868

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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