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Die Todesschwadronen und der Friedensprozess

Bruder des ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Uribe verhaftet

Sonntag, 06 März 2016 11:57 geschrieben von 

Bogotá - Santiago Uribe, der Bruder des ehemaligen kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe, wurde wegen Mordes festgenommen. Man wirft ihm vor, eine paramilitärische Todesschwadron gebildet zu haben. Die Verhaftung erfolgte, während die kolumbianische Regierung und die FARC-EP die Unterzeichnung eines Friedensabkommen verhandeln und während beide Seiten einig wurden, dass neo-paramilitärische Gruppen die größte Bedrohung für Kolumbiens Sicherheit und Frieden darstellen.

Santiago Uribe ist der Bruder von Álvaro Uribe, Kolumbiens Präsident von 2002 bis 2010. Santiago wurde in El Poblado festgenommen, einem Viertel von Medellín, der Hauptstadt der Provinz Antioquia. Mitarbeiter der kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft fanden Santiago vor seinem Haus am Montag, worauf er zum Verhör ins Büro des Staatsanwaltes gebracht wurde.
Santiago Uribe werden Mord und Bildung einer Todesschwadron vorgeworfen. Es wurden bei ihm angebliche Verbindungen zu den sogenannten "12 Apóstoles" festgestellt, einer paramilitärischen Organisation. Die Gruppe, die 1990 gegründet wurde, war an so genannten "sozialen Säuberungen" beteiligt, die Personen hinrichtete, welche verdächtig waren, mit der FARC-EP und ELN-Guerillas zu kooperieren. Die "12 Apostel" ermordeten auch angebliche Drogenkonsumenten und mutmaßliche Kleinkriminelle.
Das Büro des Generalstaatsanwaltes verkündete, dass Santiago Uribe vor Gericht gestellt werden müsse. Die Verhaftung kam etwa eine Woche, nachdem der ehemalige Präsident Álvaro Uribe und seine Demokratischen Zentrumspartei eine Demonstration für den 2. April ankündigten, um gegen die Verwaltung des jetzigen Präsidenten Santos zu protestieren. Uribe und seine Partei werfen Santos vor, der Guerilla ("Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens - Volksarmee"; FARC-EP) zu viele Zugeständnisse gemacht zu haben.
Man erwartet, dass die Guerilla und die Regierung im Jahr 2016 ein endgültiges Friedensabkommen unterzeichnen werden. Die Vereinbarungen zwischen der Regierung und der FARC-EP beinhalten folgende Punkte: eine Einigung über Land und Landreform, politische Teilhabe, Gerechtigkeit für alle Opfer des 51-jährigen Bürgerkrieges, soziale Reformen und eine gemeinsame Entscheidung über die illegalen Drogen. Die Santos-Regierung und die FARC-EP haben bereits erklärt, dass sie sich darin einig sind, dass die größte Bedrohung für die Sicherheit und den Frieden in Kolumbien heute von den paramilitärischen Gruppen und Drogenbanden kommt. 
Zu den paramilitärischen Gruppen gehören die Todesschwadronen von "Los Urabeños" und die "12 Apóstoles". Die Demokratische Zentrumspartei und Menschen aus der Nähe der Familie Uribe verurteilten die Verhaftung und die Anklagen gegen Santiago als "politisch motiviert". Das, obwohl Santiago Uribe sowie sein Bruder und ehemaliger Präsident Álvaro Uribe seit längeren mit den Aktivitätem der Todesschwadronen und anderen kriminellen Tätigkeiten in Verbindung gebracht worden sind.

Senatorin Paloma Valencia, Mitglied der von Álvaro Uribe geführten Partei des Demokratischen Zentrums, verurteilte die Verhaftung von Santiago als politische Verfolgung. Mit Bezug auf die Verhaftung und die Friedensgespräche mit der FARC-EP, sagte Paloma Valencia: "Wir haben diese Nachricht mit großer Traurigkeit erfahren, denn es bedeutet für das Land, dass die demokratischen Freiheiten immer mehr durch diese korrupte Regierung und durch eine korrupte Staatsanwaltschaft unterdrückt werden. Die jetzige Regierung widmet sich der Verfolgung von ehrenwerten Menschen, während sie die Straflosigkeit für die Terroristen anstrebt".
Andere sehen wiederum die Verhaftung als Teil einer "Normalisierung" Kolumbiens. Ein Teil des Friedensprozesses umfasst die strafrechtliche Verfolgung von Personen auf allen Seiten, die Kriegsverbrechen begangen haben, unabhängig davon, ob sie bei der Guerilla, dem Militär oder den paramilitärischen Gruppen aktiv waren.

 

Nach einem Artikel auf nsnbc:
http://nsnbc.me/2016/03/03/brother-of-former-colombian-president-uribe-arrested-on-homicide-charges
Weitere Informationen:
http://internacional.elpais.com/internacional/2016/03/01/colombia/1456853490_575486.html
http://www.elheraldo.co/nacional/capturan-santiago-uribe-velez-por-caso-de-los-doce-apostoles-246155
http://www.theguardian.com/world/2016/feb/29/colombia-president-alvaro-uribe-brother-charged-death-squad

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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