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LGBTI-Konferenz im Auswärtigen Amt

Bundesrepublik legt weltpolitischen Schwerpunkt fest

Mittwoch, 04 November 2015 22:30 geschrieben von 
„Das Auswärtige Amt in Berlin" „Das Auswärtige Amt in Berlin" Quelle: de.wikipedia.org | CC BY-SA 2.5

Berlin - Die Welt ist nicht schön, überall gibt es harte Kämpfe, diese sind nicht von Moral, sondern von Interessen bestimmt. Die USA sind Meister darin, ihren Rohstoffbedarf und geostrategische Ambitionen mit brachialer Gewalt durchzusetzen, und nach langem Zögern hat Rußland mit seinem Einsatz in Syrien mittlerweile klargestellt, daß es bereit ist, für sein Interesse an Sicherheit mehr als nur Worte zu opfern.

Da tut es gut, daß auch die Bundesrepublik Deutschland in der Region Nahost und Nordafrika ihr Steckenpferd entdeckt hat, für welches sie bereit ist, sich einzusetzen. Dieses Steckenpferd sind die Interessen der dortigen „LGBTI-Community“, also von sexuellen Minderheiten wie Schwulen, Lesben und so.
Zu diesem Zweck hatte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer (gewissermaßen der Ruprecht Polenz des Sozialdemokratismus), am 3. November im Auswärtigen Amt eine Konferenz eröffnet, das Thema las sich offiziell „Risiken und Chancen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans-und intergeschlechtlichen Menschen (LGBTI) in Nordafrika und dem Nahen Osten (MENA-Region) nach dem „Arabischen Frühling““. 
Den eigenen Anspruch formulierte man im Vorfeld wie folgt: „Im Anschluss an Berichte verschiedener LGBTI-Menschenrechtsverteidiger/ innen über ihre eigene Situation soll diskutiert werden, wie Menschenrechtspolitik, Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik sowie Entwicklungszusammenarbeit konkret helfen können, die Akzeptanz von Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit in der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) zu steigern und Diskriminierung entgegenzuwirken.“
Einen detaillierteren Bericht gab das Schwulenmagazin „Männer". Im Europasaal des Auswärtigen Amtes fanden sich demzufolge „LGBTI-Aktivisten aus Ägypten, Algerien, Bahrain, Libanon, Libyen, Marokko, Oman, Tunesien und Syrien“ ein. Ob Christoph Strässer in seiner Eröffnungsrede die in Syrien von den USA und ihren Vasallen wie der Bundesrepublik unterstützten radikalsunnitischen Terroristen („Islamischer Staat“, „Freie Syrische Armee“ usw.) für das eher intolerant zu nennende Verhalten, Schwule von Dächern in den Tod zu stürzen, kritisierte, geht aus dem vorliegenden Bericht nicht hervor, allerdings zeigte er mit dem Finger auf die CDU/CSU, welche sich in Deutschland weiterhin der Ausdehnung des Ehebegriffs auf gleichgeschlechtliche Beziehungen verweigert.
Anschließend berichteten mehrere der eingeladenen AktivistInnErInnen über ihre Erfahrungen. Die Bundesrepublik Deutschland hat mit dieser Konferenz jedenfalls gezeigt, daß sie außenpolitisch durchaus in der Lage ist, nicht nur den US-Amerikanern nach dem Munde zu reden, sondern auch eigene Akzente zu setzen. „Gebt den Amis das Öl, den Russen ihre Sicherheit, aber bitte laßt uns die Schwulen“ - so ließe sich das weltpolitische Credo der Bundesrepublik schmissig formulieren. Mit diesem Engagement hat sie sich endlich wieder unter die ernstzunehmenden Mächte eingereiht. Oder so ähnlich...

Verweise:
http://www.auswaertiges-amt.de/sid_9F44ABE076D98E38240DA274DB327191/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2015/151102_Str%C3%A4sser_er%C3%B6ffnet_LGBTI_Konferenz.html
http://m-maenner.de/2015/11/lgbti-nach-dem-arabischen-fruehling
http://www.christoph-straesser.de

Letzte Änderung am Donnerstag, 05 November 2015 09:37
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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