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Budapests Bürgermeister István Tarlós in Teheran

Der Iran - „ein wichtiges und beachtenswertes Land“

Mittwoch, 06 Mai 2015 22:12 geschrieben von 
Nationalflagge des Iran Nationalflagge des Iran

Teheran - Was haben Ankara, Tel Aviv, Zagreb, Peking, Frankfurt am Main, Lissabon und Fort Worth seit Montag mit Teheran gemeinsam? Zugegeben, das wird kaum jemand wissen: all diese Städte sind offizielle Partnerstädte der ungarischen Hauptstadt Budapest.

Das „Twin-City-Agreement“ war bereits am Mittwoch, dem 29.5., von der Budapester Stadtversammlung mit großer Mehrheit beschlossen worden, nun ist der Budapester Oberbürgermeister István Tarlós auf Einladung seines Teheraner Amtskollegen Mohammad Bagher Ghalibaf in den Iran gereist und hat mit ihm gemeinsam das Abkommen unterzeichnet.

Als Ziel der Städtepartnerschaft wird der Ausbau der "ungarisch-iranischen Beziehungen auf den Gebieten der Politik, der Wirtschaft und der zwischenmenschlichen Beziehungen" angegeben. Ghalibaf betonte anläßlich der offiziellen Zeremonie die Bedeutung Teherans als Tourismuspol und schiitisches Zentrum und sagte, Teheran wolle seine Verbindungen zu anderen Städten auf der Welt durch solche Abkommen ausbauen. Budapest bezeichnete er als Schlüsselstadt in der EU, welche Teheran bei Investitionen und im technischen Bereich helfen werde. István Tarlós wiederum nannte den Iran „ein wichtiges und beachtenswertes Land“ und sagte, Teheran sei eine hinsichtlich Entwicklung und Transportwesen beliebte Hauptstadt. „Wir werden mit dem Iran in Stadtverwaltung, Kultur, Technologie und Energie eng zusammenarbeiten.“

Nun ist angesichts des bunten Straußes der Budapester Partnerstädte allein eine geopolitische Brisanz des Abkommens nicht ersichtlich, doch spielt eben nicht nur der bloße Fakt sondern auch der Zeitpunkt der Unterzeichnung eine gewisse Rolle, ebenso die beteiligten Personen. István Tarlós ist Mitglied der christlich-konservativen Regierungspartei Fidesz des Premiers Viktor Orban und steht immer wieder wegen seiner mangelnden Rücksichtnahme auf die politische Korrektheit im Fadenkreuz der linksliberalen Kritik. So hatte er 2012 den Schriftsteller und Politiker István Csurka und den Schauspieler György Dörner zu Intendanten des „Neuen Theaters Budapest“ ernannt, ohne sich an deren betont ungarisch-nationaler politischer Haltung zu stören. Hinsichtlich des Abkommens mit Teheran wird ihm nun vorgeworfen, den sozialistischen Vorschlag zur Aufnahme einer Passage über die „Gleichberechtigung der Frau" abgelehnt zu haben.

Ghalibaf wiederum war früher Kommandant der iranischen Revolutionsgarden und wurde 2005 als Nachfolger Mahmud Achmadinedschads ins Amt des Teheraner Bürgermeisters gewählt. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt in der Verbesserung der städtischen Infrastruktur, ihm wird allerdings von den üblichen „Nichtregierungsorganisationen“ eine Mitwirkung an der Niederschlagung der prowestlichen Studentenproteste 1999 zur Last gelegt.

 

Quellen:

http://isna.ir/en/news/94021407986/Tehran-Budapest-sign-twin-cities-agreement
http://hungarytoday.hu/news/budapest-council-approves-twin-city-aggrement-teheran-52213
http://www.tt.com/home/9977665-91/budapest-und-teheran-wurden-partnerst%C3%A4dte.csp
http://german.irib.ir/nachrichten/panorama/verschiedenes/item/282013-staedtepartnerschaft-teheran-und-budapest

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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