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Nach den letzten Anschlägen

Der Jemen „kurz vor dem Bürgerkrieg“

Montag, 23 März 2015 23:46 geschrieben von 
Flagge des Jemen Flagge des Jemen

Aden - Nach den verheerenden Bombenanschlägen auf eine Moschee in Sanaa am Freitag haben die USA nun am Sonnabend sämtliches Personal aus dem Jemen abgezogen. „Wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage im Jemen hat die US-Regierung vorübergehend ihr verbleibendes Personal aus dem Jemen verlagert" hieß es in einer Stellungnahme von Jeff Rathke, einem Sprecher des US State Department.

Die Anschläge hatten 142 Menschen das Leben gekostet. Al-Kaida hat sich schnell von den Taten distanziert und erklärt, es würde keine Moscheen angreifen. Stattdessen hat ein Zweig des „Islamischen Staates“ in Sanaa in einer Erklärung im Internet seine Urheberschaft bekannt und erklärt, die Angriffe seien lediglich „die Spitze des Eisbergs“.

Der im Februar durch die schiitischen Huthi-Rebellen gestürzte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi hat unterdessen an den UN-Sicherheitsrat appelliert, eine Intervention sei dringend notwendig, da die Huthi das Land an den Rand des Bürgerkriegs brächten. Der UN-Sicherheitsrat hält heute eine Dringlichkeitssitzung zu Hadis Anruf. In dessen Brief heißt es u.a., die Huthi-Milizen und ihre Alliierten gefährdeten nicht nur den Frieden im Jemen, sondern Frieden und Sicherheit in der Region und weltweit“.

Nun konnten die Huthi große Teile der drittgrößten jemenitischen Stadt Taiz, gelegen zwischen der von ihnen kontrollierten Hauptstadt Sanaa und der südlichen Hafenstadt und, nach Lesart Hadis, temporären Hauptstadt Aden, erobern. Der Süden des Jemen wird im wesentlichen von Al-Kaida nahestehenden Milizen und den Truppen Hadis beherrscht, während der Norden sich in den Händen der schiitischen Huthi und der mittlerweile mit ihnen verbündeten Truppen, welche zu Hadis Amtsvorgänger Saleh loyal sind, befindet.

Als regionale Mächte mehr oder minder involviert sind Saudi-Arabien und der Iran. Beide Staaten hatten die IS-Anschläge vom Freitag scharf verurteilt. Saudi-Arabien unterstützt Hadi, welcher dem Iran vorwirft, die Huthi zu unterstützen. Diese Vorwürfe werden allerdings von den Huthi wie dem Iran zurückgewiesen, vor einiger Zeit hatte der Iran den Huthi überdies empfohlen, sich bezüglich der strategisch wichtigen Bab al-Mandab-Meerenge am Roten Meer zurückzuhalten, um Ägypten nicht zu provozieren. Die Huthi hatten Kairo versprochen, den Schiffsverkehr nicht unterbrechen zu wollen. Ägypten wie der Iran bekämpfen unabhängig voneinander den IS, allerdings hat Ägypten Vorbehalte, daß der Iran dies nutze, um seine regionale Machtstellung auszubauen.

 

Quellen: 

http://www.thesundaily.my/news/1361948
http://www.bbc.com/news/world-middle-east-32006727
http://www.alaraby.co.uk/english/news/2015/3/1/houthis-promise-red-sea-security-to-egypt

Letzte Änderung am Dienstag, 24 März 2015 03:52
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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