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Treffen europäischer und arabischer Nationalisten

Die „Allianz für Frieden und Freiheit“ in Syrien

Dienstag, 09 Juni 2015 20:50 geschrieben von 
"Alliance for Peace and Freedom" (APF) in Syrien "Alliance for Peace and Freedom" (APF) in Syrien Quelle: APF

Damaskus - In einer Selbstbeschreibung stellt sich die „Allianz für Frieden und Freiheit“ (englisch: Alliance for Peace and Freedom, APF) wie folgt dar: „Unsere globalistischen Feinde arbeiten zusammen, also ist es zwingend, daß wir das gleiche tun! Jeder ernsthafte Nationalist weiß dies seit Jahren, darum sind wir glücklich, euch Neuigkeiten über einen wirklichen Fortschritt beim Aufbau eines starken Blocks radikaler Nationalisten aus ganz Europa bringen zu können.“

Es handelt sich bei diesem Zusammenschluß um eine radikale Rechtspartei auf EU-Ebene. Vorsitzender ist Roberto Fiore von der italienischen „Forza Nuova“, Generalsekretär ist Jens Pühse von der NPD, das Amt des Stellvertretenden Vorsitzenden hat Artemis Mattheopoulos von der griechischen Partei „Chrysi Avgi“ („Goldene Morgenröte“) inne. Weitere Mitgliedsparteien neben den genannten sind die „Danskernes Parti“, die spanische „Democracia National“ und „Nation“ aus Belgien. Der französische Politiker Olivier Wyssa sowie der ehemalige Vorsitzende der „British National Party“ (BNP), Nick Griffin, haben sich als Einzelpersonen ebenfalls angeschlossen. Damit gibt es neben der „Allianz der Europäischen nationalen Bewegungen“ (u.a. mit der ungarischen „Jobbik“, der italienischen „Fiamma Tricolore“ und bis vor einiger Zeit der „British National Party“) eine zusätzliche und vielleicht noch etwas kompromißloser auftretende EU-weite Rechtspartei.

Kooperationen verschiedener europäischer Nationalisten sind bereits nicht zuletzt aufgrund historischer Gegensätze oft schwieriger als solche zwischen liberalen oder marxistischen Parteien, allerdings hat die APF jüngst einen Coup landen können, der zeigt, daß ihr Politikverständnis und Kooperationswille über Europa hinausgeht. Vom 3.-7. Juni weilten mehrere Mitglieder der APF, eingeladen durch die regierende syrische Baath-Partei, welche in der Tradition des säkularen arabischen Nationalismus steht, im Libanon und in Syrien. Reiseteilnehmer waren u.a. der APF-Vorsitzende Roberto Fiore, Jens Pühse und Udo Voigt (NPD) sowie Nick Griffin.

Dabei fanden die hierzulande allenfalls am Katzentisch zugelassenen europäischen Nationalisten Gesprächspartner auf höchster Ebene, nicht nur bei der als ideologisch relativ verwandt einzustufenden Syrischen Sozial-Nationalistischen Partei (SSNP), welche in innenpolitischen Fragen durchaus vielfach in Opposition zur Regierung steht, sich hinsichtlich der Bedrohung durch ausländisch finanzierte wahabitische Terroristen hingegen staatsloyal verhält.

Zu den Gesprächspartnern gehörten unter anderem der syrische Parlamentspräsident Jihad Al-Laham, Vizeaußenminister Faisal Mekdad und Informationsminister Omram al-Zoubi. Auch mit Militärs und Kirchenvertretern wie dem Patriarchen der Syrischen Orthodoxen Kirche und dem maronitischen Patriarchen von Antiochia gab es Kontakte. Über das Gespräch mit letzterem äußerte sich Fiore bei einer gutbesuchten Pressekonferenz in Damaskus: „Seine Heiligkeit bat uns, die Aufmerksamkeit im Westen auf den Fakt zu lenken, daß die Christen in Nahost keine ‚Hilfe‘ zum Verlassen ihrer Heimatländer wollen, sondern um unsere Hilfe bitten, in der uralten Wiege der Christenheit bleiben zu können.“ Damit ist auch der zentrale Aspekt angesprochen worden, daß der „demokratische Westen“ unbotmäßige Länder erst mit Bomben und extremistischen Banden terrorisiert, um dann in scheinheiliger Humanität Flüchtlinge aufzunehmen.

Die Syrer übergaben der Delegation zahlreiche Dokumente, welche die Unterstützung islamistischer Terroristen durch Saudi-Arabien, die USA und andere Länder belegen und und demnächst in einer gesonderten Pressekonferenz vorgestellt werden sollen. Udo Voigt (NPD) erklärte: „Die vom ´westlichen´ Ausland finanzierten Terroristen haben überall ihre blutigen Spuren hinterlassen. Die Unterstützer des Terrors finden wir in den USA, Saudi-Arabien, Katar, Israel und der Türkei. Doch Syrien wehrt sich – und es verdient unsere Unterstützung. Wenn morgen Syrien unter seinem Präsidenten Baschar al-Assad fällt, wütet der IS-Terror übermorgen in Europa.“ Hilal al-Hilal als Vertreter der Baath-Partei fand ähnliche Worte, als er betonte, Syrien bekämpfe derzeit den Terrorismus im Namen der ganzen Welt und versuche, den Terrorismus davon abzuhalten, Europa oder eine andere Region zu erreichen. Eine solche Position ist nicht ganz unbegründet, angesichts der Tatsache, daß der IS ganz unverblümt angekündigt hatte, seine Kämpfer auf Flüchtlingsbooten von Libyen aus nach Europa reisen zu lassen und dies seither, zur etwas fragwürdigen Verwunderung europäischer Politiker, auch getan hat.

Die Zusammenarbeit europäischer und arabischer Nationalisten ist keinesfalls neu. Johann von Leers, ehemaliger Schriftleiter der HJ-Zeitung „Wille und Weg", war in Nassers Ägypten im Auslandspropagandadienst tätig, auch Franco hielt ausgesprochen gute Kontakte in die arabische Welt, und vor einigen Jahren machte in Deutschland eine obskure Kleingruppe namens KDS („Kampfbund Deutscher Sozialisten") durch beste Kontakte zur Botschaft des Irak unter Saddam Hussein von sich reden. Gaddafi hielt ähnliche Kontakte, und auch das nationalistische Syrien erinnert sich angesichts der Isolation im Westen zunehmend dieser möglichen Verbündeten.

Das Treffen könnte für beide Seiten von Nutzen gewesen sein. Die APF hat ihre Bedeutung steigern können und gezeigt, daß sie bereit ist, über den europäischen Tellerrand hinauszuschauen, für Syrien öffnet sich immerhin ein kleines Fenster, seine Position in Europa unabhängig von der doch recht eintönigen Berichterstattung der Mainstreampresse etwas bekannter zu machen. In Syrien selbst berichtete die regierungsnahe Syria Times ausführlich über die europäische Abordnung, vermied jedoch sicherheitshalber, die weltanschauliche Ausrichtung der Gäste zu thematisieren und sprach lediglich von „Parlamentariern und Mitgliedern einiger Parteien aus europäischen Staaten“.

COLPORTAGE scheute die Konversation mit den Außenseitern nicht und fragte APF-Generalsekretär Jens Pühse bezüglich der ideologischen Übereinstimmung mit den syrischen Gastgebern. Dieser differenzierte zwischen Gesprächen mit der Baath-Partei, wo es „eher generell um die Probleme Syriens bzw. das Verhalten der europäischen Nationen in dieser Krisensituation“ gegangen sei. Bei zwei Treffen mit der SSNP (in Beirut und Damaskus) seien die Vertreter der APF jedoch mit „Kameraden“ angesprochen und „die vollinhaltliche Übereinstimmung klar herausgearbeitet“ worden.

Angesprochen, inwieweit etwaige Zusammenhänge zwischen Globalisierung, ausländischer Aggression gegen Syrien und Einwanderung nach Europa thematisiert worden seien, führte Pühse gegenüber COLPORTAGE aus: „Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß, wenn ISIS nicht gestoppt werden kann, wir das Problem auch sehr bald in Europa haben werden. Dies, weil ISIS nicht an den Grenzen halt machen wird und weiterhin, weil nach der Auflösung des syrischen Staatswesens mit einer noch größeren Flüchtlingswelle nach Europa gerechnet werden muß. Der Patriarch von Jerusalem hat auch vor einer drohenden Entvölkerung Syriens gewarnt und er hält es für falsch, daß Europa die "Tore" für Flüchtlinge so weit öffnet.“

Der hochoffizielle Empfang einer in Europa als extremistisch geltenden Gruppierung wie der APF in Syrien ist sicher im Zusammenhang mit der weitgehenden Isolation des syrischen Staates im „Westen“ zu betrachten. Dies bedeutet indes nicht, daß sämtliche dort vorgebrachten Gesichtspunkte von der Hand zu weisen wären. Eine weitere Beobachtung dieser Beziehungen könnte durchaus interessant sein.

 

Quellen:

https://alliancepeacefreedom.wordpress.com

https://www.facebook.com/AlliancePeaceFreedom/info?tab=page_info

http://syriatimes.sy/index.php/news/local/18192-alliance-of-peace-and-freedom-delegation-europe-must-take-syria-s-side-and-fight-terrorism

Letzte Änderung am Donnerstag, 11 Juni 2015 20:04
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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