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Nach Angriffen auf saudische Botschaft

Die Freunde al-Sauds gegen Teheran: diplomatische Eiszeit

Mittwoch, 06 Januar 2016 19:21 geschrieben von 
Irans Präsident Hassan Rouhani Irans Präsident Hassan Rouhani Quelle: de.wikipedia.org | Kremlin.ru | CC-BY 4.0

Berlin - Nach der Hinrichtung des schiitischen Gelehrten und Bürgerrechtlers Scheich Nimr al-Nimr am 2. Januar hatte die iranische Regierung hatte scharf protestiert, wütende Demonstranten hatten in Teheran die saudische Botschaft angegriffen und in Brand gesetzt und der Teheraner Stadtrat später die Straße, in welcher sich die saudische Botschaft befindet, nach dem prominenten Exekutionsopfer umbenannt.

Am Sonntag, bald nach den Angriffen gegen die Botschaft, hatte Saudi-Arabien bereits sein Botschaftspersonal abgezogen. Am Montag hatte der saudische Außenminister Adel al-Jubeir angekündigt, den Luftverkehr mit dem Iran einzustellen und wirtschaftliche Beziehungen zu beenden. Mohammad Baqer Nobakht, Pressesprecher der iranischen Regierung, bezeichnete den Schritt hingegen als „unreif“ und zu Riads eigenem Schaden. Die Entwicklung der Islamischen Republik Iran werde dadurch nicht beeinträchtigt.
Dem Beispiel Riads folgend haben nun auch mehrere regionale Verbündete der Saudis die diplomatischen Beziehungen zu Teheran eingeschränkt. Bahrains Regierung hat bereits am Montag den Abbruch der Beziehungen angekündigt, ebenso der überaus zivilisierte Sudan, welcher die Angriffe auf die saudische Botschaft als „barbarisch“ bezeichnete. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben gleichfalls am Montag ihren Botschafter aus dem Iran abgezogen und die Beziehungen heruntergestuft, auch die Zahl der iranischen Diplomaten in den Emiraten soll reduziert werden. Am Dienstag verkündete schließlich Manama, den Flugverkehr von und nach Teheran einzustellen.

Verschiedenen Berichten zufolge soll auch Kuwait seine diplomatischen Beziehungen mit dem Iran eingeschränkt und den dortigen Botschafter abgezogen haben. Dies gab auch die Kuwait News Agency (KUNA) bekannt.
Merkwürdigerweise widersprach die iranische Nachrichtenagentur PressTV, welche die übrigen Einschränkungen diplomatischer Kontakte bestätigt, dieser Darstellung unter Verweis auf eine Quelle im Außenministerium. Es heißt dort, der kuwaitische Botschafter sei nur zur Konsultation in sein Land gereist, die Medienberichte wurden als „Hype“ abgetan. Derweil versucht der Iran, die Situation zu beschwichtigen, Präsident Hassan Rouhani forderte die Bestrafung der an den Angriffen auf die Botschaft beteiligten Personen.

Verweise:

http://nsnbc.me/2016/01/05/saudi-allies-cut-diplomatic-ties-with-iran
http://www.colportage.de/politik/hinrichtung-des-saudischen-schiitenf%C3%BChrers-nimr-al-nimr.html
https://en.wikipedia.org/wiki/Nimr_Baqir_al-Nimr_street
http://www.presstv.ir/Detail/2016/01/05/444604/Iran-Saudi-Arabia-Nobakht-ties
http://www.presstv.ir/Detail/2016/01/05/444637/Iran-Kuwait-Saudi-Nimr-Bahrain
http://www.kuna.net.kw/ArticleDetails.aspx?id=2480892&language=en
http://ag.irna.ir/en/News/81910007

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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