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Geheimdienstkrieg in Nahost

Die Hisbollah enttarnt weitere Mossad-Agenten

Sonntag, 18 Januar 2015 18:49 geschrieben von 
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Berlin - Anfang dieses Monats sah sich die Hisbollah veranlaßt, die Entdeckung von Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad in ihren Reihen bekanntzugeben. Der stellvertretende Generalsekretär der schiitischen Miliz, Scheich Naim Kassem, bestätigte den Kampf mit Spionen in den eigenen Reihen auf dem offiziellen Hisbollah-Radiosender, ohne jedoch auf Details einzugehen.
Dabei ist das Problem für die Hisbollah durchaus gravierend, denn die „Maulwürfe“ haben es bis ins Allerheiligste der Organisation geschafft, in den Sicherheitsdienst, wie im Dezember letzten Jahres bereits die Jerusalem Post ans Licht brachte. Sie konnte sogar den Namen eines der fünf Verhafteten nennen: Mohammed Shawraba war der Kopf der sogenannten Sicherheitsdienstabteilung 910 der Hisbollah, welche für auswärtige Operationen zuständig ist. Zuvor soll er sogar der direkt für die Sicherheit des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah zuständigen Abteilung angehört haben.

Zu seiner Enttarnung soll seine Beteiligung an fünf mißglückten Operationen der Hisbollah gegen israelische Ziele im Ausland geführt haben. Bereits 2012 sei der Verdacht auf Gegenspionage seitens Shawrabas aufgekommen, nachdem in Folge eines terroristischen Aktes in der bulgarischen Stadt Burgas, welcher fünf israelischen Bürgern das Leben kostete, das bulgarische Innenministerium die Namen der zwei hauptverdächtigen Hisbollah-Mitglieder bekanntgab, obwohl diese nur wenigen Personen, einschließlich Shawrabas, bekannt gewesen seien. Auch die Meldung der Namen mehrerer im Ausland tätiger Hisbollah-Agenten und deren Verhaftung durch lokale Sicherheitskräfte hatte den Verdacht gegen Shawraba untermauert.

Berichten zufolge sei Shawraba 42 Jahre alt. Er stamme aus einer Familie der Hisbollah nahestehender religiöser Führer, sei als Geschäftsmann erfolgreich gewesen und habe seine Auslandsaktivitäten als geschickte Tarnung für sein Wirken bei der Hisbollah nutzen können. Einer Aussage zufolge habe er 2008 aufgrund seiner Enttäuschung über die Ideologie und Aktivitäten der Hisbollah dem Mossad seine Dienste angeboten, andernorts heißt es, der Mossad habe ihn angeworben und ihm regelmäßige Zahlungen für seine Dienste geleistet, es ist die Rede von insgesamt einer Million US Dollar.

Der englischsprachigen Ausgabe der libanesischen Zeitschrift Daily Star zufolge seien Sicherheitsbeamte im Iran maßgeblich an der Enttarnung Shawrabas beteiligt gewesen, sie hätten angefangen, gezielt falsche Informationen an dessen Gruppe zu liefern, speziell über durch Syrien gehende Waffenlieferungen des Iran an die Hisbollah. Darauf hätte die israelische Luftwaffe die Lockvögel angegriffen, was den Verdacht der Hisbollah gegen Shawraba bestätigt habe.

Im Juni 2011 hatte Hassan Nasrallah bereits die Beseitigung zweier CIA-Agenten aus den Reihen der Bewegung bekanntgegeben, im Juni 2012 wurden drei Personen wegen der Spionage für die USA und Israel verhaftet.

Einigen Angaben zufolge soll Shawraba Manager mehrerer Tarnfirmen der Hisbollah in Italien und Spanien gewesen sein, welche u.a. der Geldwäsche und Waffenbeschaffung gedient hätten. Er habe 2005 in Europa eine schöne Frau kennengelernt und diese 2007 geheiratet, sie habe sich jedoch als Angehörige eines fremden Geheimdienstes herausgestellt und sei nach seiner Verhaftung spurlos verschwunden.

Die langjährige und erst spät entdeckte Unterwanderung der Hisbollah durch einen seiner Agenten in hoher Position kann der Mossad durchaus als Erfolg für sich verbuchen, wohingegen die Hisbollah durch das Einsickern eines Maulwurfes ihres Hauptfeindes in ihren Sicherheitsapparat alarmiert sein muß. Die Sicherheitsdienstabteilung 910 wurde aufgelöst, sicher nicht zufällig, und eine neue Einheit geschaffen, unter direkter Zusammenarbeit mit den iranischen revolutionären Garden. Scheich Naim Kassem zufolge würden Maßnahmen zur Gewährleistung der Sauberkeit der eigenen Reihen ergriffen werden.

 

Quellen:

http://nsnbc.me/2015/01/18/hezbollah-has-uncovered-even-more-mossad-agents/

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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