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Israelisch-amerikanische Verstimmungen

Die sehr gefährliche „Achse Iran-Lausanne-Jemen“

Mittwoch, 01 April 2015 16:17 geschrieben von 
Flagge Israels Flagge Israels Quelle: pixabay.com

Jerusalem - Mit einer wahrlich mächtigen Keule hieb der frisch wiedergewählte israelische Premier Benjamin Netanjahu am letzten Sonntag zur Kabinettssitzung um sich. Anlaß war die möglicherweise anstehende Einigung der USA mit dem Iran hinsichtlich dessen Nuklearprogramms. Nach dem Verweis auf die seiner Ansicht nach als Stellvertreter des Iran agierenden Huthi im Jemen führte er aus: „Nach der Achse Beirut-Damaskus-Bagdad, führt der Iran eine Zangenbewegung vom Süden her aus, um den ganzen Nahen Osten zu übernehmen und zu besetzen. Die Iran-Lausanne-Jemen-Achse ist sehr gefährlich für die Menschheit und muß gestoppt werden.“

Die Bezeichnung „Achse“ verweist auf die Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs, Deutschland, Italien und Japan. Als neue Achse sieht Netanjahu somit den Iran, die jemenitischen Huthis und die Gruppe der an den Nukleargesprächen mit dem Iran beteiligten Staaten - darunter befinden sich auch die USA.

Dabei übersieht er anscheinend großzügig die Unterstützung der USA für die von Saudi-Arabien geführte 10-Staaten-Koalition gegen die Huthis, welche mittlerweile zusätzlich auch von der Türkei und der palästinensischen Hamas Hilfe erfährt - und von Israel. Wenn auch ein auftauchender Bericht über eine unmittelbare militärische Beteiligung Israels Satire war, so ist die Realität doch nicht weit davon entfernt, denn zumindest diplomatisch steht Israel auf Seite der Saudis; auch geheimdienstliche Zuarbeit wird geleistet. Israel und die Hamas, die sich vor nicht allzu langer Zeit um Gaza stritten, stehen gegen die Huthis Seite an Seite - wie auch bereits gegen das Syrien unter Bashar al-Assad.

Der republikanische Senator John McCain findet ebenfalls Mißfallen an den diplomatischen Bemühungen in Lausanne und empfiehlt Israel eine wenig diplomatische Lösung: „Die Israelis werden ihren eigenen Weg des Widerstands ausdenken müssen. Bezüglich des Nuklearabkommens mit dem Iran, könnten sie zu Schurken werden müssen („go rogue“). Laßt uns hoffen, ihre Warnungen waren nicht bloßer Bluff.“ Man bedenke dabei, daß McCain nicht irgendwer ist, sondern ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat und der gegenwärtige Kopf des Streitkräfteausschusses des US-Senats, welcher hier einen fremden Staat offen dazu auffordert, die diplomatischen Bemühungen seines Landes zunichte zu machen. Im Grunde nicht nur Kriegstreiberei, sondern zudem wohl ein Fall von Landesverrat.

Von US-amerikanischer Seite gab es allerdings in letzter Zeit durchaus Zeichen, welche für eine Abkehr von der kompromißlosen Unterstützung der Interessen radikaler israelischer Kräfte sprechen könnten. Zum einen hatte Denis McDonough, Stabschef des Weißen Hauses, am 23.3. gegenüber der liberalen Israel-Lobbygruppe J Street geäußert, daß die USA von Israel eine Unterstützung ihrer Bemühungen um eine friedliche Lösung mit den Palästinensern erwarte und Netanjahu vor einer Ablehnung einer Zwei-Staaten-Lösung gewarnt.

Zum anderen, und dies dürfte von größerer Tragweite sein, haben die USA im Februar einen 1987 erstellten Bericht, aus welchem das israelische Potential zum Bau von Wasserstoffbomben hervorgeht, freigegeben - während Dokumente bezüglich vergleichbarer Aktivitäten in Italien, Frankreich und Westdeutschland weiterhin verschlossen bleiben. Der Whistleblower Mordechai Vanunu war zwar 1986 bereits mit Informationen über Israels Nuklearprogramm an die Öffentlichkeit getreten und hatte dafür 18 Jahre in Haft verbracht (davon 11 in Einzelhaft), auch hatten bisweilen radikale Zionisten offen mit israelischen Nuklearangriffen im Falle einer Bedrohung Israels gedroht, offiziell hat Israel den Besitz der Bombe bislang allerdings nicht zugegeben.

 

Quellen:

http://www.jpost.com/International/Iran-nuclear-deal-bears-out-all-of-our-fears-Netanyahu-says-395469
http://www.alternet.org/mccain-suggests-israel-go-rogue-blow-iran-negotiations-starting-war
http://journal-neo.org/2015/03/30/rus-yadernoe-oruzhie-izrailya
http://nsnbc.me/2015/03/26/netanyahu-to-form-new-israeli-cabinet-bibi-gets-the-bomb
http://www.wsj.com/articles/white-house-warns-netanyahu-against-rejecting-two-state-solution-1427144873

Letzte Änderung am Mittwoch, 01 April 2015 16:25
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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