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Vietnamesisch-russische Beziehungen

Dmitri Medwedew gewinnt von Hanoi bis Saigon

Dienstag, 07 April 2015 17:35 geschrieben von 
Dmitri Medwedew gewinnt von Hanoi bis Saigon Quelle: COLPORTAGE

Moskau - Vietnam befindet sich zusehends im Zentrum eines geopolitischen Tauziehens zwischen den USA, Russland und China. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks hatte Russland sich viele Jahre zurückgehalten, während die USA alles andere als untätig geblieben waren. China hingegen hatte sich, trotz hervorragender Wirtschaftsbeziehungen, durch seine Halsstarrigkeit im Konflikt um die Spratley-Inseln bei den Vietnamesen wenig beliebt gemacht, auch dies hatten die USA für sich nutzen können.

Allerdings ist Russland mittlerweile auf die Weltbühne zurückgekehrt und hat in letzter Zeit gewaltige Fortschritte machen können. Der aktuelle dreitägige Vietnam-Besuch des russischen Premierministers Dmitri Medwedew legt davon in besonderem Maße Zeugnis ab. Bei den Treffen mit seinem vietnamesischen Amtskollegen Nguyen Tan Dung und dem Präsidenten Truong Tan Sang am Montag, dem 6. April, wurde eine bedeutende Ausweitung der Zusammenarbeit in allen Bereichen, insbesondere Handel, Investitionen, Öl und Gas sowie Nuklearenergie beschlossen.

Die Errichtung einer Freihandelszone zwischen Vietnam und der russisch geführten Eurasischen Wirtschaftsunion nähert sich Medwedew zufolge der Zielgeraden, die Unterzeichnung des Vertrages erwartet er für Juli. Darin seien bedeutende Vorzüge für Vietnam enthalten. Beide Seiten bekräftigten ihre Pläne zur Anhebung des bilateralen Handels auf ein Volumen von 10 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren. Auch die gemeinsame Entwicklung der küstennahen Öl- und Gasforderung wurde garantiert. Vereinbart wurde auch eine 49prozentige Beteiligung der russischen Gazprom Neft an der vietnamesischen „Binh Son Raffination und Petrochemie“. Alles in allem haben Russland und Vietnam für das Jahr 2015 17 Projekte ersten Ranges vereinbart, darunter auch die Ausrüstung vietnamesischer Kraftwerke, den Aufbau und technologische Verbesserungen vietnamesischer Unternehmen sowie die Schaffung von Industrieclustern.

Betont wurde auch die Wertschätzung der Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, insbesondere in den Bereichen Militärtechnologie und Soldatenausbildung. Bezüglich des Konfliktes zwischen Vietnam und China im Südchinesischen Meer waren sich Medwedew und Dung einig, daß der Konflikt friedlich und im Einklang mit dem internationalen Recht zu lösen wäre. Dies beinhaltet die UN-Konvention über das Seerecht von 1982, die Erklärung über das Verhalten der Parteien im Südchinesischen Meer und einen möglichen Verhaltenskodex der Parteien im Südchinesischen Meer.

Am Montag haben allerdings auch zwei Schiffe der US-Marine, der Zerstörer „USS Fitzgerald“ und das Küstenkampfschiff „USS Fort Worth“ im Hafen von Da Nang angelegt. Offiziell anläßlich des 20-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Vietnam, kann jedoch der Aspekt einer Provokation gegenüber Russland nicht außer Acht gelassen werden, insbesondere angesichts des diplomatischen Eklats im März, als die USA versuchten, durch diplomatischen Druck Vietnam dazu zu bringen, Russland das Auftanken seiner Flugzeuge am ehemaligen US-Militärstützpunkt Cam Ranh zu verweigern, wo auch russische U-Boote stationiert sind. Angesichts des vietnamesischen Nationalstolzes ein Fehler, der zu heftigen Reaktionen führte, welche die USA von ihren üblichen Vasallen wohl nicht gewohnt sind.

Wie bereits zuvor auf offizieller Ebene besprochen, forderte Medwedew am Dienstag auch in Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals und im Volksmund Saigon) bei einem Treffen mit vietnamesischen Geschäftsleuten, im bilateralen Handel zunehmend die eigenen Währungen, also Rubel und Dong, zu verwenden. Er erinnerte an die Gründung der Vietnamesisch-Russischen Bank vor 10 Jahren und ermunterte zu Überlegungen, wie die Arbeit der Bank angekurbelt werden könnte. Vorschläge für den konkreten Ablauf des Übergangs zu den nationalen Währungen können für Mai bereits erwartet werden. Ein weiterer herber Schlag für den bisher vorwiegend genutzten Dollar. Die russisch-vietnamesischen Beziehungen haben alles in allem gewaltigen Aufwind erhalten. Selbst eine offizielle Zusammenarbeit der beiden Regierungsparteien, der KP Vietnams und der Partei Putins, „Einiges Russland“, von 2015-2017 wurde vereinbart.

Mittlerweile scheint sich auch China im Umgang mit seinem kleinen, doch selbstbewußten südlichen Nachbarn wieder eines Besseren zu besinnen. In einem Kommentar vom Montag sah die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua angesichts des kommenden Peking-Besuchs des Generalsekretärs der KP Vietnam einen „neuen Frühling“ der chinesisch-vietnamesischen Beziehungen. „Wenn, und nur wenn China und Vietnam, sowohl strategisch als auch angesichts zukünftiger Entwicklungen, gemeinsame Interessen über alles andere stellen, sich an freundliche Verbundenheit halten, an Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen und vereinte Entwicklung, Kontroversen und Gegensätze stets in angemessener Weise lösen und sich bemühen, Angelegenheiten durch politische Mittel zu lösen, wird sich die chinesisch-vietnamesische Freundschaft sicher entwickeln und von Generation zu Generation vererbt werden.“

 

Quellen:

http://www.thanhniennews.com/politics/vietnam-russia-set-to-enhance-cooperation-in-all-fields-40833.html
http://news.xinhuanet.com/english/2015-04/06/c_134127735.htm
http://sputniknews.com/asia/20150406/1020537191.html
http://rt.com/business/247373-russia-vietnam-local-currencies

Letzte Änderung am Dienstag, 07 April 2015 17:44
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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