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Der US-Präsidentschaftskandidat und die Außenpolitik

Donald Trump: Kehrtwende in Nahost?

Dienstag, 06 Oktober 2015 23:44 geschrieben von 
Trump bei einer Rede für die Conservative Political Action Conference Trump bei einer Rede für die Conservative Political Action Conference Quelle: de.wikipedia.org | Gage Skidmore | CC BY-SA 3.0

New York - Der konservative republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump galt bislang als uneingeschränkt pro-zionistischer Neocon, seine Unterstützung der innerrepublikanisch-jüdischen Bewegung, die sich gegen das Nuklearabkommen zwischen den USA und dem Iran stark machte, kann als eindeutiger Beleg dienen. Neuere Äußerungen zum Irak und zu Syrien stehen dazu jedoch in starkem Gegensatz.

 

In der Sendung „This Week“, welche auf ABC News ausgestrahlt wird, erklärte er am 4. Oktober: „Dieses Land hat den Nahen Osten so schlimm vermasselt, mit der Zerschlagung des Irak. Wir haben den nahen Osten destabilisiert. Es ist ein Chaos.“
In einem Interview, welches am selben Tag bei „Meet the Press" auf NBC ausgestrahlt wurde, sagte Trump, daß die Dinge im Nahen Osten mit einem stärkeren Bashar al-Assad besser lägen. Zudem glaube er, die Situation in der Region wäre heute besser, wären Saddam Hussein im Irak und Muammar Ghaddafi in Libyen noch an der Macht.

Mit all diesen Äußerungen hat er sich entschieden gegen die neokonservativen bzw. rechts-zionistischen Pläne zur Destabilisierung des Nahen Ostens gestellt. Dabei ist er üblicherweise ein begeisterter Unterstützer Israels und seiner Politik, seine Tochter ist zum Judaismus konvertiert. Die dezidiert jüdische Daily Forward stellte auch fest, daß Trump von allen republikanischen Präsidentschaftskandidaten die stärksten Verbindungen zum Judentum habe. Auch seine rechte Hand, der Hauptunterstützer seiner Kampagne, ist laut Daily Forward ein jüdischer Anwalt namens Michael Cohen.

Paradoxerweise erhielt er auch bislang für seinen Wahlkampf kaum Unterstützung von prominenten jüdischen Geldgebern, welche eh größtenteils traditionell die Demokraten unterstützen, wie die israelische Netzseite Y-Net herausstellte. Doch mit seinen neuesten Äußerungen dürfte er auch den rechts-zionistischen Flügel der Juden in den USA abgeschreckt haben, welchen die Haltung gegenüber regionalen Gegenspielern Israels nie hart genug sein kann.

Forward führt allerdings an, daß Trump seinen Wahlkampf eh selbst finanziere und nicht durch Spenden - und Y-Net stellte fest, daß die Abwesenheit jüdischer Geldgeber Trump überhaupt nicht kümmere: Die jüdischen Millionäre in der Republikanischen Partei beobachteten seine Erfolge mit schockierten Gesichtsausdrücken. Er sei kein Teil von ihnen, er repräsentiere sie nicht und sein Erscheinen habe sie überflüssig gemacht. Die linksliberale israelische Zeitung Haaretz bemerkte überdies, die finanzstarken Mitglieder des RJC (Republican Jewish Committee) stünden fest im Lager von Jeb Bush.

Verweise:

http://forward.com/news/breaking-news/318770/trumps-strong-jewish-ties
http://forward.com/opinion/321871/why-wont-trump-stand-up-to-his-fans-the-anti-semites
http://abcnews.go.com/Politics/week-transcript-donald-trump/story?id=34187405
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4706135,00.html
http://www.nbcnews.com/meet-the-press/trump-middle-east-would-be-more-stable-hussein-gadhafi-n438156
http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/.premium-1.671254

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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