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Abdullah Al-Aziz einfach tot!

Ein liebevoller Nachruf auf den Saudi-König

Freitag, 23 Januar 2015 22:30 geschrieben von 
Abdullah ibn Abd al-Aziz Abdullah ibn Abd al-Aziz Quelle: de.wikipedia.org

Berlin - König Abdullah von Saudi Arabien ist tot. Ich gehe zur Bar und gönne mir einen Johnnie Walker Black Label, denn dieser hervorragende 12jährige Blended Scotch war nicht nur das Lieblingsgetränk von Winston Churchill, sondern, wie Christopher Hitchens einst süffisant bemerkte, auch von einem Großteil der saudischen Königsfamilie. König Abdullah eingeschlossen, wie ich meine, einmal gelesen zu haben. Da fühle ich mich doch mit ihm als Teil einer Elite, denn für den Durchschnittsbürger führt in Saudi-Arabien der Alkoholkonsum zu öffentlichem Auspeitschen.

Ob ich mir dazu noch eine Mätresse kommen lasse? König Abdullah mochte ja auch die Frauen so sehr. Mindestens elf soll er geheiratet haben, manche Quellen sprechen von 20 Ex-Frauen. Der Koran erlaubt unter bestimmten streng definierten Umständen (vor allem zur Versorgung von Witwen und Waisenkindern) vier Ehefrauen. Daß die durchschnittliche Ehebrecherin in Abdullahs Reich gesteinigt wurde, entlockt mir da ein kleines Schmunzeln. Dieser kleine Schlingel!

Da erinnere ich mich auch an die Geschichte der wunderschönen Prinzessin Sahar. Sie und ihre drei Schwestern entstammten der Ehe mit seiner jordanischen Frau Al Fayez. Diese war 15jährig mit dem damals 48jährigen Abdullah zwangsverheiratet worden, er hatte sie nach ihren Aussagen mißbraucht, immer wieder geschlagen und von seinem Wachpersonal schlagen lassen und sich mehrmals von ihr geschieden, sie galt ihm schließlich als wertlos, da sie keinen Sohn geboren hatte. 2001 gelang ihr jedoch mit Hilfe eines Wächters die Flucht, sie lebt seither im Exil.

Den Preis zahlten ihre Töchter Sahar, Maha, Hala und Jawaher, die der König seit 2002 faktisch als Geiseln unter Hausarrest gestellt hatte. Er soll ihr Wasser und Essen mit Drogen versetzt haben, um sie fügsam zu halten, Ärzte werden nicht zu ihnen gelassen. Strom und fließendes Wasser wurden immer wieder willkürlich für längere Zeit abgeschaltet. Sahar sagte in einem Telefongespräch mit der New York Post im April 2014, König Abdullah ließe sie und ihre Schwestern zu Tode hungern, einen Monat hätte sie bereits keine vollwertige Mahlzeit erhalten. Auch würden sie regelmäßig gefoltert - zum Teil von Familienmitgliedern. Der fürsorgliche Daddy Abdullah.

Vier Personen werden im Schnitt pro Woche in Saudi-Arabien geköpft. etwas, was bei der Berichterstattung über ISIS nicht so sehr erwähnt wurde. Ach ja, ISIS... diese wurden, genau wie ähnliche Gruppen, Al-Qaida, Al-Nusra, die Taliban oder das tschetschenische Emirat Doku Umarows von Saudi-Arabien großzügig unterstützt. Von Saudi-Arabien, „unserem Verbündeten“ im Kampf gegen den Terrorismus, das heißt: gegen die unbotmäßigen Regierungen in Libyen, Syrien oder dem Iran.

Der Nachfolger Abdullahs als saudischer König wird der bisherige Kronprinz Salman sein. Eine Änderung der Politik ist nicht zu erwarten. Springers „Welt“ schrieb übrigens in ihrem Nachruf auf den verschiedenen König: „US-Präsident Barack Obama würdigte Abdullah. Der Monarch sei ein ehrlicher Staatsführer gewesen und habe "Mut" bei seinem Einsatz für den Friedensprozess im Nahen Osten bewiesen, erklärte Obama. Ihn persönlich habe eine "aufrichtige Freundschaft" mit ihm verbunden.“

Auch behauptet die „Welt“: „Abdullah galt als vorsichtiger Modernisierer.“ Diesen Satz hatte ich fast genauso bei Wikipedia gelesen. Wenn es da steht...

Was wollte ich nochmal? Ach ja, einen Johnnie Walker trinken. In Memoriam Abdullah Al-Aziz.

 

Quellen:

http://m.welt.de/politik/ausland/article136677167/Koenig-Abdullah-von-Saudi-Arabien-ist-tot.html
http://nsnbc.me/2015/01/23/saudi-king-abdullah-dies-to-be-succeeded-by-king-salman/
http://tribune.com.pk/story/826284/saudi-arabias-king-abdullah-dies-at-90-royal-court-statement/
http://nypost.com/2014/04/19/a-saudi-arabian-princess-reveals-her-life-of-hell/
http://www.economist.com/blogs/pomegranate/2014/03/saudi-royal-family/

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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