Freigegeben in Politik

Zwischen Wald und Kohle

Einheimische Kritik an Venezuelas Energiepolitik

Sonntag, 02 August 2015 16:56 geschrieben von 
Nicolás Maduro Nicolás Maduro Quelle: de.wikipedia.org | Coronades03 | CC BY 3.0 br

Caracas - Die venezolanische Regierung um Nicolas Maduro scheint Schwierigkeiten zu haben, Teilen des Volkes ihre Rohstofförderungspolitik nahezubringen. Dies legt ein Bericht der der sozialistischen Regierung grundsätzlich freundlich gegenüberstehenden Seite Venezuelanalysis nahe, womit für diesen Fall die Möglichkeit der Orchestrierung durch feindliche ausländische Mächte unwahrscheinlich erscheint.

So soll am Donnerstag vor dem Ministerium für Energie und Bergbau in Caracas eine Demonstration stattgefunden haben, welche die Rücknahme des umstrittenen Präsidentenerlasses 1606 forderte. Dieses im Februar von Nicolas Maduro unterzeichnete Dekret stellt der staatlichen chinesischen Gesellschaft Sinohydro, einer der größten, wenn nicht die größte Wasserbaufirma der Welt und laut Wikipedia ein „Gesicht der chinesischen Expansion“, über einen Zeitraum von 30 Jahren die gewaltigen Kohlenreserven der im Nordwesten des Landes gelegenen Perija-Berge zur Ausbeutung zur Verfügung.

Betroffen wäre davon eine Fläche von 24.192 Hektar. Folgen wären eine massive Entwaldung mit den üblichen Konsequenzen für die dortige Tier- und Pflanzenwelt, die Verdrängung der indigenen Bevölkerung des Wayuu-Stammes sowie die Verseuchung mehrerer Flüsse, was wiederum für die von diesen abhängigen Regionen und Städte zur Katastrophe führen könnte.

Venezuelanalysis zitiert einen Aktivisten der Wayuu: „Der Bergbau kommt nicht alleine, er kommt mit Soldaten, mit allem, was wir in Kolumbien gesehen haben, mit Massakern, mit Massengräbern. Wir wollen diese Art von transnationalem Bergbau nicht, gleich ob es die USA oder ein anderes Imperium ist.“ Kritisiert wurde die Regierung Maduros für die selektive Beanspruchung des Erbes des verstorbenen Revolutionsführers Hugo Chavez. Dieser habe 2007 den Abbruch eines ähnlichen Bergbauprojektes befohlen und erklärt: „Zwischen dem Wald und der Kohle, stehe ich auf der Seite des Waldes, mit dem Fluß, der Umwelt, laßt die Kohle im Boden liegen.“

Die bergbaukritischen Initiativen befinden sich derzeit im Dialog mit dem stellvertretenden Minister für Energie und Bergbau. Ihre Forderungen gehen insbesondere in Richtung eines Ausbaus von Solar- und Windenergie. Allerdings ist das bislang ungelöste Dilemma der Befürworter alternativer Energien, daß sich diese Energieformen im bisherigen Entwicklungsstand unter dem Strich in der Praxis als zwar kostenintensiv, jedoch keineswegs als ökologischer als konventionelle Wege der Energiegewinnung erwiesen haben. Der Weg  ist grundsätzlich zu befürworten - der aktuelle Forschungsstand läßt jedoch zu wünschen übrig und so müßten vor einer praktischen Umsetzung in großem Umfang noch gewaltige technologische Anstrengungen stehen, anstelle der allenfalls halbgaren und eher ideologisch motivierten Projekte der Gegenwart. Dies dürfte in Venezuela nicht anders sein als hierzulande.

 

Quellen:

http://venezuelanalysis.com/news/11456
https://en.wikipedia.org/wiki/Sinohydro
http://eng.sinohydro.com

Artikel bewerten
(36 Stimmen)
Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

Redaktion