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USA und Großbritannien im Verdacht

Enge Merkel-Vertraute wurde ausspioniert

Montag, 29 Dezember 2014 22:33 geschrieben von 

Berlin - Auch aus Schaden ist die Bundesregierung nicht klug geworden. Der Verzicht darauf, gegen die USA wegen der offensichtlichen Ausspähung unzähliger Deutscher vorzugehen, hat sich nun gerächt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die das Internet für „Neuland“ hält und die USA weiterhin als „Freunde“ bezeichnet, musste nun hinnehmen, dass eine ihrer engen Vertrauten aus dem Kanzleramt ausspioniert wurde.

Die Mitarbeiterin hatte an einer Rede zur Europapolitik gearbeitet, als ihr Viren-Scanner Alarm schlug und feststellte, dass ihr privater USB-Stick mit der Spionage-Software Regin verseucht ist. Computer des Kanzleramtes seien hingegen nicht zu Schaden gekommen. Das parlamentarische Kontrollgremium zur Aufsicht der Geheimdienste sei informiert worden, so die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz.

Die Software, die auf dem USB-Stick der Mitarbeiterin des Kanzleramts festgestellt wurde, ist ein hochkomplexer Trojaner-Virus, mit dem das Mitlesen und Kopieren von Dateien möglich ist. Es scheint nicht möglich zu sein, den Urheber der Spionageattacke ausfindig zu machen. Man weiß aber, dass sowohl der US-amerikanische Geheimdienst NSA als auch der britische Geheimdienst GCHQ an der Entwicklung beteiligt waren.

Das Programm ist dazu in der Lage, auf infizierten Geräten Screenshots zu machen, den Mauszeiger zu bewegen, Passwörter zu stehlen, den Datenverkehr zu überwachen und gelöschte Dateien wiederherzustellen. Seit 2008 wird das Programm eingesetzt, um Informationen von Forschungsinstituten und Unternehmen, aber auch von Regierungen zu stehlen.

Der Vorfall beweist, dass es ein schwerer Fehler war und ist, dass die Bundesregierung von harten Maßnahmen gegenüber fremden Geheimdiensten, die hierzulande Spionage betrieben haben und offenkundig weiterhin betreiben, abgesehen hat. Stattdessen werden dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags Steine in den Weg gelegt, indem Akten geschwärzt, Zeugen gebrieft und zum Schweigen gebracht werden.

Die Deutschen haben eine lückenlose Aufklärung der Spionage-Tätigkeit der USA und Großbritanniens verdient, auch die Bundesregierung sollte aus eigenem Interesse dafür sorgen, dass fremde Geheimdienste in die Schranken gewiesen werden.

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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