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Al-Qaida südlich des Maghreb

Erst Wahlen, dann Terror in Burkina Faso

Montag, 18 Januar 2016 21:14 geschrieben von 
Mokhtar Belmokhtar, Anführer der al-Mourabitoun-Brigaden Mokhtar Belmokhtar, Anführer der al-Mourabitoun-Brigaden Quelle: en.wikipedia.org | Fair use

Berlin - Bislang blieb der afrikanische Staat Burkina Faso mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit von über 60% von Terroranschlägen weitgehend verschont. Am Freitag, dem 15. Januar, hatten jedoch in der Hauptstadt Ouagadougou islamistische Terroristen in einem Hotel 156 Geiseln genommen. Als das Gebäude schließlich von Sicherheitskräften mit Unterstützung französischer Spezialeinheiten und US-amerikanischer Truppen gestürmt wurde, kamen mindestens 28 Menschen ums Leben, auch drei Angreifer wurden getötet.

Zu dem Anschlag bekannt hatte sich die von Mokhtar Belmokhtar geführte Gruppe al-Mourabitoun, welche sich erst kürzlich der al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) angeschlossen hatte. Dabei hatte das Land bislang auch trotz seiner geographischen Nähe zu Mali oder dem Niger eher geringe Probleme mit islamistischen Terrorgruppen.
Etwa ein Viertel der Einwohner der einstigen französischen Kolonie sind Christen. Dazu zählte der revolutionäre und antiimperialistische Präsident des Landes, Thomas Sankara, welcher 1987 auf dem Gipfeltreffen der „Organisation der Afrikanischen Einheit“ (jetzt: „Afrikanische Union“) dazu aufgerufen hatte, den westlichen Ländern keine Schulden zurückzuzahlen, um aus der einseitigen Abhängigkeit herauszukommen. Wenig später wurde er ermordet, sein Nachfolger wurde Blaise Compaoré, der, obwohl gleichfalls Christ, mit den Islamisten anscheinend gut auskam und ihnen freie Hand bei der Bekämpfung „falscher“ Muslime ließ. 
Compaoré war im Gegensatz zu Sankara ein Handlanger ausländischer Interessen. 2014 mußte er allerdings aufgrund von Unruhen abtreten, eine Übergangsregierung wurde eingesetzt, im November 2015 erst gab es Wahlen, aus denen Roch Marc Christian Kaboré, gleichfalls Christ, als Sieger hervorging, Ende Dezember übernahm er das Amt. Kurz zuvor hatte Burkina Fasos Militärgericht einen Internationalen Haftbefehl gegen Compaoré erlassen – wegen des Staatsstreichs von 1987 und der Ermordung Sankaras.
Seit 2007 haben die USA dank Compaore in Ouagadougou eine Militärbasis, woraus sich die Beteiligung von US-Militär an der Erstürmung des Hotels erklärt. Damit ist Burkina Faso einer von 14 afrikanischen Staaten südlich der Sahara mit fester US-Militärpräsenz. Einige dieser Länder sind überaus reich an Ressourcen, im Falle von Burkina Faso sind dies Kupfer, Eisenerz, Phosphate, Mangan, Zinn und vor allem Gold, dieses stellt das wichtigste Exportgut des Landes dar. Zudem ist es Afrikas größter Baumwollproduzent, dennoch gehört es nach UNO zu den fünf ärmsten Ländern der Welt.
Man darf auf in Zukunft ans Licht kommende Hintergründe des jüngsten Anschlages gespannt sein. Für zahlreiche Terrorgruppen in Afrika und Arabien, etwa Boko Haram in Nigeria oder al-Nusra in Syrien, ist eine Verbindung zu westlichen Geheimdiensten nachgewiesen. Gilt das auch hier? Könnten die Anschläge ein Warnschuß gewesen sein, von einer souveränistischen Politik im Sinne Thomas Sankaras abzusehen? Bewiesen ist das nicht – eine mögliche Deutung wäre es jedoch.


Verweise:
http://www.strategic-culture.org/news/2016/01/18/gold-burkina-faso.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/burkina-faso-mindestens-28-tote-drei-angreifer-identifiziert-a-1072425.html
http://www.sueddeutsche.de/politik/terrorismus-wer-fuer-den-terror-in-burkina-faso-verantwortlich-ist-1.2821597

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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