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„Getretener Flüchtling“ unter Terrorverdacht

Flüchtling, Fußballtrainer… Terrorist?

Dienstag, 29 September 2015 18:26 geschrieben von 
Madrid - Vor einigen Wochen berichteten die Medien über den Fall eines syrischen Flüchtlings, dem eine Reporterin des ungarischen Senders N1TV ein Bein gestellt hat, als er mit seinem achtjährigen Sohn versuchte, die Grenze nach Ungarn zu überqueren.
Der Mann wurde fast so bekannt wie der kleine Aylan, der tragischerweise an der türkischen Küste ums Leben kam. Millionen Fernsehzuschauer hatten Mitleid mit ihm. Die ungarische Journalistin, Petra Lázsló, verlor ihre Arbeit und mußte sich öffentlich entschuldigen, außerdem drohen ihr bis zu sieben Jahre Haft.
 
Jetzt ist der Syrer aus Deir Ezzor mit seinen beiden Söhnen in Spanien aufgenommen worden. Dort ist er am 16. September angekommen und hat bereits die Aufenthaltserlaubnis erhalten. Osama Abdul Mohsen hat eine Wohnung in Getafe bei Madrid spendiert bekommen (die monatliche Miete wäre 1200€), sowie auch einen Job als Fußballtrainer der regionalen Mannschaft Getafe. Sogar Cristiano Ronaldo posierte mit ihm und seinen Kinder nach einem Spiel von Real Madrid gegen Granada, einem Spiel, zu dem die Flüchtlingsfamilie von dem Fußballstar höchstpersönlich eingeladen wurde.
Bald jedoch tauchten gewisse „Gerüchte“ über eine schmutzige Vergangenheit des „armen Flüchtlings“ auf…
Im Internet kursieren verschiedene Bilder, unter anderem von seiner ehemaligen Facebook-Seite, wo man ihn mit „FSA“-Fahnen und sogar mit der unter Al-Qaida-Sympathisanten sehr beliebten schwarzen Flagge mit der Shahada, dem islamische Glaubensbekenntnis sieht.

Als dies unter den spanischen Internetsurfern viral wurde, mußte die etablierte Presse eingreifen. „Es sind alles Manipulationen von Rechtsextremisten“, „Osama Abdul Mohsen ist kein Unterstützer des Terrors, das sind Erfindungen ausländerfeindlicher Verschwörungstheoretiker“ - so oder ähnlich drückten sich die „seriösen“ Medien wie „El País“ aus, als die unangenehme Vermutung ans Licht kam. 
Es gibt allerdings erdrückende Hinweise, die den 51jährigen mit Terrorbanden in Syrien in Verbindung bringen. Osama Abdul Mohsen soll in Syrien Kriegsverbrechen gegen Zivilisten begangen haben, und kürzlich wurde er von der „Syrisch-Kurdischen Demokratischen Union“ (PYD) als Mitglied der Terrorgruppe „Jabhat Al-Nusra“ entlarvt (Siehe http://bit.ly/1iExAtw). „Osama Abdul hat sich 2011 den Terrorgruppen angeschlossen und hat Verbrechen gegen die Minderheiten begangen. Er war an den Morden an mehr als 60 Kurden beteiligt“ wird mitgeteilt.
 
Die PYD behauptet auch, daß Mohsen in dem Ort Tel Abyad wohnte, aber zu fliehen beschloß, als die Kurden im Juli die Stadt einnahmen; aus Angst, daß seine Rolle bei Al-Nusra bekannt würde. Die PYD fügt weiterhin zu, daß er auch gegen die Kurden in den syrischen Städten Amudeh, Serekaniye und Afrin vorging, wo er an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung beteiligt gewesen sei.
Zusätzlich wirft die PYD Mohsen vor, daß er bereits 2004 nach dem Fußballspiel zwischen den Mannschaften Al-Fatwa und Qamishlo einen gewalttätigen Aufruhr provoziert habe. Zwischen 2004 und 2010 war er in Deir Ezzor (im Osten des Landes, unweit des Irak) als Fußballtrainer von Al-Fatwa tätig, und er soll für den Tod von 50 Kurden bei den damaligen Krawallen in Qamishlo verantwortlich sein. 
Die irakischen Kurden haben diese Beschuldigungen bestätigt. In der Stadt Suleimaniya haben sie sogar Demonstrationen gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher angekündigt.
Nicht spanische Rechtsextremisten also, sondern syrische und irakische Kurden von der linken und PKK-nahen PYD haben ihn entlarvt. Die Tatsache, daß die spanischen Medien die recht frische Vergangenheit von Osama A.M. zu vertuschen versuchen, zeigt, wie sehr sie die selbstzerstörerische, chaotische und risikoreiche Flüchtlingspolitik der EU-Staaten unterstützen.
 
Es gibt übrigens auch einige europäische Konvertiten, die als Dschihadisten nach Syrien in den Krieg gezogen sind… und die jetzt zurück nach Europa kommen. Das ist zum Beispiel der Fall bei dem Belgier Michael, der sich jetzt „Younes“ nennt. Er gibt offen zu, gemeinsam mit den wahabitischen Terroristen von „Daesh“ (IS) gekämpft zu haben, und heute, wieder in Belgien, hat er seelenruhig eine Bäckerei eröffnet. Er bereue nichts, sagt er. Und Osama Abdul Mohsen? Er wahrscheinlich auch nicht - und der neue Trainer des Getafe ist mit Sicherheit nicht der einzige „Flüchtling“, der ein paar Leichen im Keller hat… 


Verweise:
http://bit.ly/1iExAtw
http://verne.elpais.com/verne/2015/09/21/articulo/1442828779_354609.html
http://www.rt.com/news/316124-refugee-camerawoman-kicked-militant
http://www.parismatch.com/Actu/Societe/Michel-a-boulanger-de-Daech-De-la-Syrie-a-Anvers-833783
https://de.wikipedia.org/wiki/Partiya_Yekit%C3%AEya_Demokrat
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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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