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Syrien und die Kriegsfolgen

Flüchtlinge, Europa und Vorschlag aus Argentinien

Freitag, 18 September 2015 16:22 geschrieben von 

Berlin - Adrian Salbuchi ist ein politischer Analyst aus Argentinien. Er schreibt regelmäßige Beiträge unter anderem für Russia Today (auf Spanisch sowie auf Englisch) und leitet das wöchentliche Programm „Segunda República“ („Zweite Republik“) auf dem Youtube-Kanal „TLV1“. Vor einem Jahr war der russische Politologe Alexander Dugin bei ihm zu Gast.

In Anbetracht der jetzigen Krise mit Flüchtlingen aus dem Nahen Osten, hat Salbuchi neulich vorgeschlagen, die bedürftigen Syrer, die ihr Heimatland verlassen müssen, in Patagonien aufzunehmen – und daß die internationalen Banken dafür die argentinischen „Schulden“ streichen… (Siehe Video https://www.youtube.com/watch?v=g2p9iviFGjE – auf Spanisch)

Patagonien ist ein riesiges Gebiet mit viel unbewohntem Raum. Außerdem gibt es in Argentinien seit jeher eine große syrisch-libanesische Gemeinschaft (siehe https://es.wikipedia.org/wiki/Inmigraci%C3%B3n_%C3%A1rabe_en_Argentina). Aus dieser stammen der ehemalige argentinische Präsident Carlos Menem, Enkel eines Syrers, oder der Oberst Mohammed Ali Seineldín, argentinischer Patriot und Held des Malvinenkrieges gegen Großbritannien. Seineldín kam aus einer drusischen Familie aus dem Libanon.

Argentinien hat traditionell viele Menschen von der anderen Seite des Atlantiks aufgenommen, die nach beiden Weltkriegen aus Europa flüchteten. Salbuchi selbst stammt von Italienern, die ihre Heimat nach dem Ersten Weltkrieg verlassen mußten. Wenn Argentinien sich offiziell bereit erklären würde, syrische Flüchtlinge in Patagonien unterzubringen, könnten andere südamerikanische Staaten folgen – so Salbuchi. Beispielsweise Brasilien, wo es auch eine wichtige syrisch-libanesische Gemeinschaft gibt. Antun Saadeh, der Gründer der pansyrischen Kawmi Suri (SSNP), wohnte jahrelang dort. In Frage käme auch Venezuela, das, besonders unter Hugo Chávez, doch auch heute noch, enge Beziehungen zur syrischen Regierung pflegt.

Salbuchis Vorschlag ist sehr vernünftig und interessant. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, daß die internationalen Mächte, die das Flüchtlingsdrama provoziert haben, so eine Idee zulassen würden. Die Plutokraten bevorzugen nämlich, daß Europa mit der Migration so überfordert wird, daß es zum Chaos kommt.

Die jetzige „Flüchtlingskrise“ wurde von den westlichen Großmächten und ihren Geheimdiensten bereits erzeugt, indem sie ab 2011 den „Arabischen Frühling“ starteten. Die Präsidenten, die sich weigerten, Untertanen der USA zu werden, wurden als „böse Diktatoren“ dämonisiert, denn das Ziel war, arabische Regierungen zu stürzen, die ihre Souveränität erhalten wollten. Seitdem wurden die „Rebellen“ in Libyen und Syrien systematisch unterstützt, auch wenn sich unter ihnen zum größten Teil militante Terroristen aus dem Al-Qaida-Umfeld befanden. „Die Rebellen wollen Freiheit und Demokratie“ hieß es damals in den Medien.

In März 2011 hatte Oberst Gaddafi schon davor gewarnt: „Wenn ich gestürzt werde, werden Millionen von Afrikanern nach Europa strömen“, und Präsident Assad prognostizierte in einem Interview im Juni 2013: „Die sogenannte Rebellen werden nicht nur in Syrien Terror verbreiten. Danach werden sie in Europa weitermachen, wo sie als illegale Einwanderer massenweise reinkommen werden“.

Natürlich befinden sich unter den jetzigen Einwanderern, die Syrien verlassen, Familien, Frauen und Kinder, die wirklich Flüchtlinge sind, und denen man helfen muß. Daher bietet Salbuchi an, diese bedürftigen Menschen lieber in Argentinien aufzunehmen – jedoch unter strengen Kontrollmaßnahmen, denn viele von diesen „Flüchtlingen“ sind nichts dergleichen (und viele sind nicht mal Syrer), sondern Opportunisten, Deserteure, Wirtschaftsmigranten, und sogar Ex-Kämpfer des IS aus verschiedenen islamischen Ländern Vorderasiens und Afrikas. Viele geben sich als Syrer aus, obwohl sie aus Marokko oder Afghanistan stammen. Katar hat dazu beigetragen, indem es massenweise Pässe gefälscht hat, um den Migranten die Ankunft in Europa zu erleichtern, denn wenn diese sich als „syrische Kriegsflüchtlinge“ ausgeben, ist es unwahrscheinlicher, daß sie abgeschoben werden. Gleichzeitig aber schließt Katar seine Grenzen, genau wie auch Saudi Arabien und Israel: „Bloß nicht zu uns!“

Die Tatsache, daß viele von den sogenannten „Flüchtlingen“ in Wirklichkeit keine Menschen in Not sind, haben auch selbst einige Syrer bestätigt. So etwa neulich die Aktivistin Rima Darious auf einer Kundgebung in Belgrad (siehe Video https://www.youtube.com/watch?v=mPGMOwfk97w). „Das Ziel der westlichen Mächte ist, Syriens Souveränität und Unabhängigkeit zu zerstören“; meint Rima. „Die Syrer selbst sind die einzigen, die das Land wieder aufbauen können“ fügt sie hinzu.

Einerseits versucht der Westen, einen sogenannten „Brain Drain“ zu verursachen: die besten und höchstqualifizierten Ärzte, Forscher oder Studenten sollen Syrien verlassen, andererseits wollen die multinationalen Firmen gleichzeitig billige Arbeitskräfte unter den Migranten rekrutieren.

Auch Mimi al-Laham, im Internet bekannt als „Syriangirl“, argumentierte, daß die Syrer tatsächlich Hilfe brauchen… aber damit sie in ihrem eigenen Land bleiben können. 
https://www.youtube.com/watch?v=pHFnvFbThDE 
Ein erster Schritt wäre, die Sanktionen gegen Syrien wieder aufzuheben. Und wenn man an wohltätige Organisationen Spenden möchte, dann unter anderem an den Syrische Rote Halbmond (Syrian Red Crescent), der sich um die vielen syrischen Flüchtlinge kümmert, die innerhalb des Landes vertrieben sind, die zum Beispiel aus dem Osten Syriens vor den Terroristen nach Damaskus oder Latakia geflohen sind.

Thierry Meyssan von Voltairenet veröffentlichte vor kurzem, daß es sich beim Foto des kleinen Aylan um eine große mediale Manipulation handelt (siehe http://www.voltairenet.org/article188622.html). Der tragische Tod des kleinen Jungen wurde propagandistisch ausgenutzt, und die großen Kapitalisten machen Profit mit solchen humanitären Katastrophen: „Der Präsident des Bundesverbands Deutsche Industrie e.V., Ulrich Grillo, wünscht sich 800.000 zusätzliche ausländische Arbeitskräfte in Deutschland. Die europäischen Verträge verbieten dies und die öffentliche Meinung ist dagegen. Also beteiligt er sich an der Inszenierung der „Flüchtlingskrise“, um die Änderung der gesetzlichen Regelungen anzuschieben“ schreibt Thierry Meyssan.

Nachbarländer wie Israel und Saudi Arabien, die zusammen mit der Türkei, Katar und dem Westen an der Aggression gegen Syrien beteiligt sind, haben sich geweigert, Flüchtlinge aufzunehmen. Aber Israel begrüßt den Migrantenstrom nach Europa, und Saudi Arabien ist bereit, für diese Migranten 200 wahabitische Moscheen auf deutschem Boden zu bauen, um die sektiererische Ideologie des absolutistischen Königreichs in Europa zu verbreiten (siehe http://www.colportage.de/politik/200-wahabitische-moscheen-f%C3%BCr-deutschland.html).

Empfehlungen wie die von Salbuchi sind immerhin eine bessere Alternative zu der Lösung, welche viele westliche Politiker vorschlagen, nämlich, die Grenzen Europas unter dem Vorwand der Hilfe für „syrische Flüchtlinge“ bedenkenlos für alle zu öffnen. In Wirklichkeit sind nur die Hälfte dieser Migranten Syrer, und die meisten davon keine Frauen und Kinder, sondern junge Männer (siehe http://data.unhcr.org/mediterranean/regional.php).

Aber das Beste ist, den Syrer in Syrien zu helfen, damit sie sich von dem wahabitischen Terror der sogenannten Rebellen befreien können und Syrien wieder ein sicheres und wohlhabendes Land wird, wie es vor 2011 der Fall war.

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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