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Zwischen kleinen Läden und großer Politik

Flüchtlingsfragen in Berlin

Freitag, 09 Januar 2015 21:07 geschrieben von 
Michael Müller SPD, Regierender Bürgermeister von Berlin Michael Müller SPD, Regierender Bürgermeister von Berlin Quelle: spd-berlin.de

Berlin - Gestern war ich zu Besuch bei einer guten Bekannten. Die Dame stammt aus Südosteuropa und führt ein sehr anständiges kleines Antiquariat. Man trifft sich alle paar Wochen und unterhält sich, vor allem über Literatur und den allgemeinen Sittenverfall, aber auch über dies und das. Was einen eben gerade so bewegt.

Diesmal berichtete sie über einige Geschehnisse der letzten Zeit, welche bei mir das „Das wird doch ein Artikel!“-Lämpchen zum Leuchten brachten. Vor einigen Monaten sei in der Gegend ein Flüchtlingsheim eröffnet worden, und die dort Untergebrachten seien zum größten Teil überhaupt keine Kriegsflüchtlinge, sondern Tsigani („Die nennen sich ja da auch nicht Sinti und Roma“) aus Rumänien, und zwar nach ihr gegebenen Informationen zwei Clans (Großfamilien). Nicht nur das, diese Leute scheinen auch ein besonderes Vergnügen am Bestätigen von Vorurteilen zu finden, denn seither mehrten sich die Einbrüche in der Gegend.

Bei einer Apothekerin seien 120 Euro aus der Kasse entwendet, bei ihr selbst sei eine Scheibe beschädigt worden. Einen Einbruch habe sie verhindern können, da sie nachts mit ihrem Hund noch im Geschäft gewesen sei. Seither lasse sie nachts grundsätzlich das Licht an. Andere Geschäftsinhaber in der Gegend schliefen mittlerweile in ihren Läden. Ein Polizist habe ihr direkt gesagt, das ganze Geschehen sei bekannt, aber man könne eben nichts machen. Ich frage mich indes, ob das Betreiben eines Antiquariats nicht eine Verhöhnung potentieller Einbrecher sei und denke mir, daß Geschäfte zur Vermeidung von Diskriminierung nur Waren führen sollten, mit denen auch berufskriminelle Analphabeten etwas anfangen können.

Ich erinnerte mich, daß vor einiger Zeit auch in die Privatwohnung von in der gleichen Gegend lebenden vietnamesischen Freunden eine solche bewegliche Bande eingebrochen war. Ein Nachbar hatte sie fliehen sehen. Eine Kasse mit Schmuck und etwas Geld wurde gestohlen. Gefunden wurden die Täter zwar nicht, als Entschädigung dafür vergaßen sie in der Wohnung jedoch einen Elektroschocker. Wäre das, wenn sie ihn eingesetzt hätten, möglicherweise ein fremdenfeindlicher Übergriff gewesen?

Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen und rief den Träger der Flüchtlingsunterkunft in der ...straße an. Mir ging es dabei lediglich um die Herkunftsländer der in einem ehemaligen Hotel Untergebrachten." Auf einer eigens eingerichteten amtlichen Informationsseite heißt es dazu: „Die Flüchtlinge kommen aus den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt, insbesondere aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Irak und Iran.“ Der Anruf beim Betreiber brachte mir zwar nicht die gewünschte Auskunft, dafür jedoch die Nummer des Heims selbst. Also versuchte ich es dort, und hatte Erfolg. Die Menschen kämen aus verschiedensten Ländern, viele Syrer seien dort, die nächstgrößere Gruppe bildeten Serben und Bosnier. Nein, keine Rumänen. „Vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen.“ 

Syrien – das ist einleuchtend. Nachdem die Bundesregierung mitgeholfen hat, das einst blühende Land in Krieg und Elend zu stürzen, wird den entstehenden Flüchtlingsströmen in scheinheilig-humanitärer Geste Asyl in Deutschland gewährt. Natürlich nicht in den Gegenden, wo die verantwortlichen Politiker leben. Serbien und Bosnien sind hingegen derzeit keine Kriegsgebiete, oder? Und die Herkunft aus diesen Ländern heißt nicht, daß es sich tatsächlich um Serben und Bosniaken handeln muß. Es könnten auch die erwähnten Großfamilien sein. Ich lasse das vorerst für sich stehen, werde aber gewiß die Ohren offenhalten.

Passend dazu las ich soeben in der „Berliner Zeitung“ , daß sich der Berliner Senat am 8.1. in einer ausgedehnten Klausurtagung neben vielen anderen Dingen auch mit der Asylproblematik auseinandergesetzt hatte. Dabei wurde die Bereitstellung neuer Flüchtlingsunterkünfte beschlossen. Aus Kostengründen solle versucht werden, möglichst nicht auf private Betreiber zurückzugreifen und stattdessen Objekte der landeseigenen Immobilienagentur Berlinovo zu nutzen. In Frage kämen die ehemalige Psychiatrie in der Eschenallee in Charlottenburg, die frühere Lungenklinik Heckeshorn in Zehlendorf sowie die Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) habe betont, das Thema Flüchtlinge sei Aufgabe aller Ressorts und kritisierte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD), die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sei stärker voranzutreiben und forderte sie auf, ihr Konzept dazu nicht erst nach der Sommerpause, sondern bereits vor Ostern vorzulegen. Innensenator Frank Henkel (CDU) solle sich gemeinsam mit dem Landessportbund um Sportangebote für Flüchtlinge kümmern. Es kann sicher mit guter Hoffnung davon ausgegangen werden, daß sich die Politiker um Stellen für einheimische Arbeitslose und freie Sportgelegenheiten für Berliner Kinder ebenso engagiert kümmern werden. 

 

Anmerkung:
(Die genaue Gegend ist der Redaktion bekannt, wird aufgrund von Sicherheitsbedenken im Interesse der Geschäftsinhaber jedoch nicht genannt.)


Quellen:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/marathon-klausurtagung-im-rathaus-das-hat-der-senat-fuer-berlin-beschlossen,10809148,29513438.html
http://www.berlin.de/ba-pankow/aktuelles/asylheim.html

Letzte Änderung am Sonntag, 11 Januar 2015 02:20
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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