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Historische Legenden, aktuelle Interessen

Geschichte und Gegenwart des katalanischen Separatismus

Samstag, 26 September 2015 14:24 geschrieben von 
Ein katalanischer Separatist verkauft die „Estelada“, die katalanische Flagge mit Dreieck und Stern, direkt nach Kubas Unabhängigkeit von der kubanischen Fahne inspiriert, sowie die „Ikurriña“, die baskische separatistische Flagge, nach dem Vorbild des britischen „Union Jack“ entworfen – England ist immer ein traditioneller Rivale Spaniens gewesen – und (wie konnte es anders sein) auch die von der „EU“. Ein katalanischer Separatist verkauft die „Estelada“, die katalanische Flagge mit Dreieck und Stern, direkt nach Kubas Unabhängigkeit von der kubanischen Fahne inspiriert, sowie die „Ikurriña“, die baskische separatistische Flagge, nach dem Vorbild des britischen „Union Jack“ entworfen – England ist immer ein traditioneller Rivale Spaniens gewesen – und (wie konnte es anders sein) auch die von der „EU“.

Barcelona - Ähnlich wie die ukrainischen Nationalisten Rußland hassen, sehen die katalanischen „Souveränisten“ ihre iberischen Brüder als Feinde und glauben blauäugig, daß sie im Völkergefängnis EU „frei“ und „unabhängig“ sein werden…

Am kommenden Sonntag, dem 27. September, sind in Katalonien Regionalwahlen einberufen. Der separatistische Regierungschef Artur Mas möchte dies ausnutzen, um daraus eine Volksabstimmung für die „Unabhängigkeit“ zu machen. 

In dieser „Volksabstimmung“ werden übrigens auch neuangekommene Migranten wählen können, die angeblich eher das Recht haben, über die Zukunft Kataloniens zu entscheiden, als andere Spanier. Artur Mas hatte der muslimischen Gemeinde Barcelonas sogar den Bau einer Moschee versprochen, wenn sie für die „Unabhängigkeit“ stimmten.

Die zur Konfrontation tendierende anti-spanische Stimmung, die vom katalanischen Nationalismus nicht zu trennen ist, wird seit mehreren Jahren von der regionalen Regierung und ihren Medien und „Bildungssystem“ intensiv betrieben. Der katalanische Nationalismus wird daher künstlich erzeugt, und ist nicht der „freie Wille des Volkes“, sondern die Wirkung einer giftigen Gehirnwäsche, die von der passiven und schwachen spanischen Zentralregierung zumindest geduldet wird, wenn nicht sogar unterstützt; denn Spanien ist kein souveränes Land, und es ist nicht auszuschließen, daß die Politiker in Madrid mit ihren „Kollegen“ aus Barcelona in Wirklichkeit unter einer Decke stecken… Wenn die Bevölkerung mit „nationalistischen Spannungen“ beschäftigt ist, ist es einfacher, sie zu zersetzen und zu kontrollieren: „Teile und herrsche“.

Die chauvinistischen katalanischen Medien betreiben seit Jahren offene Kampagnen für die Trennung von Spanien. Um das zu rechtfertigen, greifen sie zu den verrücktesten Lügen und geschichtlichen Verfälschungen. 

Noch schlimmer ist es, daß man auch in den katalanischen Schulen den Kindern von den „bösen Spaniern“ erzählt, um so von frühem Alter an die Bevölkerung zu indoktrinieren. Vor kurzem erst wurde der Fall eines siebenjährigen Mädchens bekannt, das die Schule wechseln mußte, weil sie von ihren Klassenkameraden rücksichtslos belästigt wurde (ein Fall von „Mobbing“ wie man heute sagt). Der Grund dafür? Sie hatte den Aufkleber einer spanischen Flagge auf ihrem Heft für den Spanisch-Unterricht - auf dem Heft für Katalanisch hatte sie wiederum eine katalanische. Sie mußte monatelang die Beleidigungen ihrer Altersgenossen über sich ergehen lassen, die sie unter anderem „Scheiß-Spanierin“ nannten (siehe http://www.elmundo.es/cataluna/2015/09/16/55f87d6522601d262c8b45c9.html). Die Lehrer haben weggeschaut. So etwas ist leider kein Einzelfall. Man versucht in den katalanischen Schulen übrigens, die spanische Sprache aus den Klassen zu vertreiben. 

In den katalanischen Schulen erzählen die Geschichtsbücher allen Ernstes, daß Katalonien früher ein unabhängiger Staat war, der von Spanien erobert wurde. Das ist lächerlich und absurd, denn Katalonien war im Mittelalter eine Föderation von Grafschaften (Condados  Catalanes), die zu Aragonien gehörten. Zur „Corona de Aragón“ (oder „Krone von Aragonien“) gehörten außer dem Reich von Aragonien selbst alle katalanischen Grafschaften, sowie das Königreich Valencia und die Balearen sowie für eine gewisse Zeit auch Sardinien, Neapel und Sizilien. Wie überall im europäischen Mittelalter besaß jedes Gebiet seine eigenen Gesetze und einen hohen Grad an Autonomie, aber ohne ein unabhängiger Nationalstaat im modernen Sinne zu sein. 

Die Krone von Kastilien umfaßte wiederum alle anderen Regionen der iberischen Halbinsel mit der Ausnahme von Portugal. Nach die Eheschließung von 1469 zwischen Ferdinand II von Aragonien und Isabella I von Kastilien wurden beide Kronen vereinigt. Daraus bildete sich dann Spanien, so, wie wir es heute kennen.

Um es kurz zu fassen, die Heirat der beiden Könige war der Grund zur Integration von Kastilien und Aragonien, von dem die katalanischen Grafschaften ein Teil waren. Allerdings ist für die katalanischen Separatisten aus der historischen „Corona de Aragón“ (Krone von Aragonien) eine fiktive und niemals existent gewesene „Corona Catalano-aragonesa“ geworden… 

Katalonien war nie unabhängig, im Gegensatz zu anderen Teilen des heutigen Spaniens. León zum Beispiel ist sehr wohl ein unabhängiges Königsreich gewesen, aber dort gibt es heute keine „Unabhängigkeitsbestrebungen“. 

Jeden 11. September feiern die katalanischen Separatisten ihren „Nationalfeiertag“. Man gedenkt der Ereignisse des 11. September 1714, als im Rahmen des damaligen Erbfolgekrieges die Truppen Phillips V. in Barcelona eingedrungen sind.

Dieser Erbfolgekrieg startete 1701, als der spanische König Karl II ohne Nachfolger gestorben war. Die Thronkandidaten waren zum einen Phillip von Anjou (ein Franzose vom Hause Bourbon) und zum anderen der Erzherzog Karl (ein Habsburger). Kastilien unterstützte den ersten, aber Aragonien (zu dem die katalanischen Grafschaften gehörten), entschied sich für den zweiten, der als Habsburger einen näheren Verwandtschaftsgrad zum verstorbenen König hatte. So kam es zu einem Bürgerkrieg auf spanischem Boden, der dreizehn lange Jahre dauerte. Zum Ende kam er mit der Kapitulation von Barcelona 1714, als die bourbonischen Truppen Phillips dort einmarschiert sind. 

Der militärische Befehlshaber der katalanischen Grafschaften war Rafael Casanova, der zusammen mit Aragonien für den Erzherzog Karl kämpfte, und somit für die weitere Herrschaft der Habsburger auf dem spanischen Thron. Die Habsburger, die seit Anfang des XVI. Jahrhunderts regierten, verkörperten die traditionelle und kaiserliche spanische Monarchie, während die französischen Bourbonen von vielen als fremde, ausländische Macht gesehen wurden. 

Der Katalane Rafael Casanova hat also gegen die französische Dynastie und für die traditionelle spanische Monarchie gekämpft, aber ironischer- und paradoxerweise feiern ihn die heutigen katalanischen „Souveränisten“ als Held, als Märtyrer eines nicht existierenden Krieges zwischen Spanien und Katalonien…

Eine andere geschichtliche Lüge, die bei den Separatisten und auch bei vielen spanischen Gutmenschen sehr beliebt ist, ist die Behauptung, daß unter Franco die katalanische Sprache „verboten“ wurde. Zwar stimmt es, daß die einzige offizielle Amtssprache in Francos Regime das Spanische (Kastilianische) war, doch der alltägliche Gebrauch der anderen Sprachen (Katalanisch, Baskisch, Galizisch,…) wurde geduldet. Es wäre sicher besser gewesen wenn Franco die anderen Sprachen des Landes auch offiziell anerkannt hätte, dann wäre es wahrscheinlich gar nicht zu dem heutigen anti-spanischen Ressentiment gekommen, aus dem sich der katalanische Chauvinismus nährt. Aber von einer Unterdrückung der katalanischen Sprache zu sprechen, ist sehr übertrieben, und ein „Verbot“ gab es erst recht nicht. Unter dem Franco-Regime wurden auch Bücher in katalanischer Sprache veröffentlicht, und es gab sogar Preise für katalanische Literatur (siehe http://dolcacatalunya.com/2014/03/17/cuando-franco-premiaba-libros-en-catalan).

Auch wenn die Separatisten ständig versuchen, sich romantisch als „unterdrückte Nation“ zu stilisieren, ist das liebe Geld der wichtigste Grund für deren abtrünnige Ziele. Katalonien ist eine der reichsten Regionen Spaniens und muß daher mehr Steuern an die Madrider Zentralregierung zahlen als beispielsweise Andalusien (ein sehr ähnlicher Fall wie bei den Sezessionisten der Lega Nord in Italien). „Espanya ens roba“ („Spanien beklaut uns“) ist einer der Lieblingssätze eines katalanischen Nationalisten. Was dieser katalanische Nationalist allerdings ignoriert, ist, daß diejenigen, die im ganzen spanischen Staat am meisten klauen, gerade die sind, die sich in Barcelona an die Macht klammern. 

Katalonien ist tatsächlich nicht nur eine der reichsten, sondern auch eine der korruptesten Regionen im ganzen Land. Gegen den ehemaligen Präsidenten Jordi Pujol (zwischen 1980 und 2003 im Amt) und seine Söhne laufen gerade mehrere Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung und Geldwäscherei. Aber die gehirngewaschenen Separatisten schluchzen „Spanien beklaut uns“ (und nicht Pujol und die katalanische Oligarchie).

Wie auch immer die Wahlen ausgehen werden, eines ist sicher: auch wenn diejenigen, die in Barcelona regieren, Katalonien für „unabhängig“ erklären würden, wird die Region nicht unabhängig sein. Artur Mas hat schon versichert, daß „sein Land“ in der EU, NATO, usw. bleiben wird. Interessanterweise scheint übrigens auch der israelische Botschafter in Spanien mit dem katalanischen Nationalismus zu liebäugeln – siehe http://ecodiario.eleconomista.es/politica/noticias/5191224/10/13/Israel-evita-criticar-la-soberania-catalana-y-anuncia-la-apertura-de-un-consulado-en-Barcelona.html. Katalanische Nationalisten sind sehr pro-zionistisch eingestellt, besonders gilt das für jene aus dem rechten Flügel.
Und natürlich wird auch Spanien nicht unabhängig sein, solange die schwache und passive Regierung in Madrid unterwürfig die Befehle ausführt, die aus Brüssel und Washington kommen.

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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