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Zum Tode Licio Gellis

Licio Gelli - Großmeister der Verschwörung

Dienstag, 22 Dezember 2015 22:14 geschrieben von 
Licio Gelli Licio Gelli

Rom - Vorige Woche verstarb in Italien der berühmt-berüchtigte Hochgradfreimaurer Licio Gelli, Chef der skandalumwobenen Loge P2 (Propaganda Due).

Er begann seine Laufbahn als Geheimagent zu Zeiten des Faschismus. Während des spanischen Bürgerkriegs meldete er sich als Freiwilliger, um an der Seite Francos zu kämpfen. Danach wurde er ein Verbindungsmann zum Dritten Reich, während des Zweiten Weltkrieges jedoch desertierte er von der italienischen Armee und schloss sich einer oppositionellen Gruppe an, die enge Beziehungen zu den Alliierten pflegte. Ab 1945 fing der ehrgeizige Spion an, für die CIA zu arbeiten. Gelli war während des Kalten Krieges einer der Architekten der so genannten "Strategie der Spannung" in Italien, wo nützliche Idioten – "rechtsradikale" und "linksradikale" Terrorgruppen – Attentate verübten, um die Kontrolle der NATO zu stärken (heute hat sich nicht viel geändert; nun sind es "Islamisten", welche die entsprechende Rolle erfüllen). Europaweit war er auch eine der Hauptfiguren hinter den Kulissen der GLADIO-Struktur. Westeuropa durfte auf keinen Preis seine "atlantische Orientierung" verlieren.
Seine Tentakel reichten bis nach Südamerika. Einige im spanischsprachigen Raum reden gerne über die angebliche Freundschaft von Gelli und Juan Domingo Perón. Tatsächlich hat Gellis Organisation ermöglicht, dass Perón 1973 aus dem spanischen Exil in sein Land Argentinien zurückkehren konnte. Dafür hat die P2 damals mit dem Vatikan und den USA verhandelt. Nachdem Perón aber 1974 das zweite Mal zum argentinischen Präsidenten gewählt wurde, hat er sich nicht an die Anweisungen Gellis gehalten, und verfolgte weiterhin, wie zu seiner ersten Amtsperiode in den fünfziger Jahren, eine patriotische und soziale Politik – was eindeutig gegen die Interessen der Freimaurerei verstößt. 
Einer der Hintermänner bei Peróns zweiter Präsidentschaft war der geheimnisvolle José López Rega, ein Minister, der angeblich für Gelli arbeitete. López Rega, der sich intensiv mit Astrologie und anderen esoterischen Themen befasste, hatte einen großen Einfluss auf Peróns Frau María Estela (bekannt als Isabelita) – María Estela, seine ehemalige Sekretärin, hatte der argentinische Führer nach dem Tod seiner Frau Eva geheiratet. 
López Rega, genannt "der Hexer", wurde während der zweiten und sehr kurzen Perón-Regierung zu einer Art Rasputin. In jedem Fall aber konnten Gelli und die Propaganda Due Argentiniens Politik nicht so beeinflussen, wie sie es sich erhofft hatten. Perón hat es nicht zugelassen, genauso wenig wie nach seinem Tod 1974 seine Witwe und Nachfolgerin Isabelita, weswegen davon ausgegangen werden kann, dass Gelli einer der Strippenzieher des Militärputsches von 1976 war. Damals organisierten argentinische Militärs wie General Rafael Videla einen Staatsstreich gegen die rechtmäßige Präsidentin, als Begründung wurde angegeben, dass diese nicht in der Lage war, die kommunistischen Guerrillas, die im Norden des Landes tätig waren, zu besiegen. 
María Estela de Perón wurde gestürzt, so wie ihr Mann1955, und musste ins Exil. Auch sie ging dann nach Spanien, wo sie noch heute lebt. Die argentinische Junta übernahm die Führung des Landes und etablierte eine Militärdiktatur, deren herausragende Merkmale die "Bekämpfung des Kommunismus" und eine immer engere Nähe zur von den USA verordneten neoliberalen Richtlinie waren. Also ganz nach Licio Gellis Geschmack. 
Das, was durchzuführen Perón und seine Frau sich geweigert hatten, verwirklichten jetzt Videla und Konsorten unter einer „patriotischen“ Maske und dem Vorwand der "kommunistischen Gefahr". 
1987 wurde Peróns Leiche geschändet. Unbekannte öffneten die Gruft auf dem Friedhof von Buenos Aires, wo er beigesetzt war, amputierten mit einer Motorsäge seine beiden Hände und nahmen diese mit. Solch unheimliche Tat war eindeutig ein symbolischer Akt freimaurerischer Rache, denn die Freimaurerei betrachtete Perón als Verräter – Licio Gelli hatte ihm die Rückkehr nach Argentinien und somit eine zweite Präsidentschaft ermöglicht, aber er tat nicht das, was die Loge von ihm erwartete.
Währenddessen war Gelli in Italien in den politischen und finanziellen Skandale der Achtziger Jahre verstrickt: die Pleite der Banco Ambrosiano 1982, Geschäfte mit der Mafia, der "Selbstmord" des Bankiers Roberto Calvi in London, die Vergiftung des Bankiers Michele Sindona mit einem Zyankali-Kaffee im Gefängnis... Nach einer Hausdurchsuchung 1981 fand die Polizei bei ihm eine Liste der Mitglieder seiner Loge P2. Unter ihnen Militäroffiziere, Politiker und wichtige Personen des öffentlichen Lebens – auch der spätere Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehörte dazu. In diesem Kontext ist auch der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I zu betrachten.
Nach Hausarresten und Freisprüchen lebte Gelli seine letzten Jahre zurückgezogen in seiner Villa, wo er am vergangenen 15. Dezember im Alter von 96 Jahren starb. Es sind bestimmt nicht wenige Geheimnisse, die er mit ins Grab nimmt...

Verweise:
http://www.elperiodico.com/es/noticias/internacional/muere-licio-gelli-gran-conspirador-italia-4756608
http://argentina.indymedia.org/news/2013/08/844344_comment.php
http://www.abc.es/archivo/20130629/abci-robaron-manos-peron-201306281103.html

Letzte Änderung am Donnerstag, 24 Dezember 2015 22:22
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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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