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Wahlen zwischen Volkswillen und fremdem Einfluß

Haiti - bald ein weiterer US-Vasallenstaat?

Mittwoch, 06 Januar 2016 23:00 geschrieben von 

Barcelona - Robert Baer macht ein wichtiges Geständnis, das zwar zu spät kommt, doch immerhin ist es gut, dies zu wissen. Der ehemalige CIA-Offizier gestand, dass er Millionen von Dollar bekam, die er erfolgreich einsetzte, um die Politiker in Jugoslawien zu bestechen – damit diese die Interessen ihres Landes verraten. Robert Baer beschreibt, wie die USA die Demokratie nach Jugoslawien brachte, indem sie das Land zerstörte.

Natürlich wurde diese Politik durch die Steuergelder der US-Bürger finanziert; doch für diese war es wohl kaum von Vorteil, sondern nur für bestimmte Personen in den USA und Jugoslawien. Schade um jene Hunderttausende von Menschenleben; schade um Srebrenica. Jetzt versucht Robert Baer, es wieder gut zu machen, indem er die ganze Angelegenheit aufdeckt.

Mit diesem Hintergrund im Kopf kann man erforschen, wie die US-Politik als "erfolgreich" gilt, wenn sie Scharen von Menschen schädigt und davon nur eine kleine Clique profitiert. US-Politik hat Jugoslawien buchstäblich von der Landkarte ausgelöscht. Man könnte sagen, dass die US-Politik in der "Demokratisierung" des Landes sehr effektiv und erfolgreich war, trotz der enormen Verluste an Menschenleben. Und jetzt werden die USA versuchen, "Demokratie" auch nach Haiti zu bringen.

Haiti ist derzeit mitten in einer Wahlkrise, weil die USA vorschreiben wollen, wer der nächste Präsident sein soll. Im Jahr 2010 mischte sich Außenministerin Hillary Clinton in die haitischen Wahlergebnisse ein und sprach somit den dortigen Menschen ihr Recht auf Selbstbestimmung ab. Nach dem Leiter der haitianischen Präsidentenwahlkommission (EC), Pierre Louis Opont, hatte die EG die Wahlergebnisse hergestellt; diese Ergebnisse wurden an Cheryl Mills, Stabschefin der damaligen Außenministerin Clinton übergeben. Aber statt die beiden Gewinner, die dann in einer Stichwahl antreten würden, bekanzugeben, verkündete Mills ein völlig anderes Ergebnis. Opont und die übrigen Mitglieder der Kommission waren schockiert, aber sagten oder unternahmen zu der Zeit nichts und erlaubten so das betrügerische Ergebnis.

Im Juli 2015 ging Opont mit der Geschichte in die Öffentlichkeit, als Haiti gerade den Präsidentschaftswahlkampf für 2015 begonnen hatte. Unnötig zu sagen, daß die USA Michel Martelly, einen Entertainer, der auf der Bühne als "Sweet Mickey" bekannt ist, unterstützten. Er "gewann" die haitianischen Wahlen, indem er Jude Celestin besiegte, der die Unterstützung des scheidenden Präsidenten René Préval hatte, eines Verbündeten von Jean-Bertrand Aristide. 

Bei der Wahl 2010 hatte das US State Department Kommentare abgegeben wie "Celestin sei zu nahe an [venezolanischen Präsident Hugo] Chávez." Die US-Regierung nahm es auf sich, den Haitianern die Demokratie zu verweigern, weil sie für einen Chávez-Verbündeten stimmten. Nun ist Hugo Chávez nicht mehr da, und die Bolivarische Republik Venezuela ist nach der Niederlage von Präsident Nicolas Maduro bei den Parlamentswahlen am 10. Dezember 2015 sehr geschwächt (Colportage berichtete).

In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass Außenministerin Clinton über die US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) eine Spende von 100.000 Dollar an eine Organisation gab, die Clintons Schützling Martelly unterstützte. Nach seiner Amtseinführung war einer der Lieblingsslogans Martellys "Haiti ist offen für Geschäfte." Für die damalige Außenministerin hat sich das als eine Untertreibung erwiesen. Zuerst wurde bekannt, daß ihr Bruder Tony Rodham einen Auftrag bekommen hatte, um die haitianischen Goldminen zu plündern. Tony Rodham hat keine speziellen Kenntnisse über Gold-Bergbau – allerdings ist er Hillary Clintons Bruder.

Darüber hinaus haben sich die Haitianer geweigert, in den Goldminen für US-Firmen zu arbeiten, weil sie immer noch die Rückgabe ihrer Goldbarren fordern, die im Jahre 1915 von den USA in "Aufbewahrung" genommen wurden. Das US-Militär besetzte Haiti bis 1934, aber die US-Finanzeliten verfügten weiterhin über die wirtschaftliche Kontrolle des Landes.

Es ist diese wirtschaftliche Kontrolle über die haitianischen Ressourcen, die in der Mitte des haitianischen Kampfes für Selbstbestimmung steht. Nun, wo Ministerin Clinton als Präsidentin der Vereinigten Staaten kandidiert, muss sie noch die Frage klären, wie ihr Bruder dazu kam, während ihrer Amtszeit im State Department einen Gold-Bergbau-Vertrag in Haiti zu gewinnen. Ihre offiziellen Antwort zufolge weiß sie es nicht.

In jüngerer Zeit gab es eine weitere Enthüllung über die krummen Geschäfte der Clinton-Stiftung in Haiti. „Acceso Peanut Enterprise Corporation“, auch als „Acceso Haiti“ bekannt, ist ein Projekt der Clinton-Stiftung und des kanadischen Bergbaumagnaten Frank Giustra. Kandidatin Clinton müsste auch noch über ihre Investitionen in Haiti befragt werden, welche die Wahlergebnisse von 2010 beeinflusst haben.

Während man versucht, Gold in Erdnüssen zu finden, und während "Sweet Mickey" auf dem Weg in die haitianische Präsidentschaft ist (die haitianischen Verfassung verbietet Präsidenten, sich selbst nachzufolgen), hat noch eine anderer Spender der Clinton-Stiftung einen Auftrag in Haiti bekommen. Im Oktober 2015 vergab Präsident Martelly das Recht zur Sicherung von Haitis Land- und Seegrenzen an die israelische Firma HLSI.

Jetzt, angesichts der Aussicht, daß noch eine weitere Wahl manipuliert wird, erheben sich die Menschen in Haiti, um ihr Recht auf Selbstbestimmung zu schützen und, was noch wichtiger ist, ihre Ressourcen vor weiterer Clinton-Plünderung zu schützen. Dieser haitianische Kampf für die Unabhängigkeit und Würde ist heute so wichtig für dieses kleine Land in der Karibik, wie es der Kampf war, der im Jahre 1804 zur haitianischen Revolution führte.

In der Erkenntnis, dass die Situation leicht außer Kontrolle geraten könnte, hat die US-Botschaft den Präsidentschaftskandidaten Jude Celestin für "Konsultationen" zu sich gerufen. Das Ergebnis war, dass Celestin während des Treffens aufstand und ging. Er erklärte damals: "Ich bin kein Händler, ich bin ein Führer." Celestin hat jedoch den Inhalt des "Handels", was diskutiert wurde, nicht enthüllt. Die US-Botschaft sollte nicht in der Lage sein, ihre unrechtmäßig erworbenen Gewinne gegen den Willen der Bevölkerung zu erhalten.

Jude Celestin wurde bereits eine Wahl durch die Clintons gestohlen, aber dieses Mal hat er ein Bündnis mit anderen Kandidaten geschmiedet. Sie nennen sich "die G8." Bisher hat sich die G8 gehalten und die erste Runde der Präsidentschaftswahl als betrügerisch erklärt. Sie haben auch eine die Einrichtung einer Kommission angekündigt, um eine unabhängige Untersuchung der Wahlergebnisse durchzuführen. 

Die US-Botschaft war nicht in der Lage, die einzelnen Kandidaten, die die G8 bilden, zu zersplittern und für sich zu gewinnen. Eine zu diesem Zweck erfolgte Reise in das Land verlief für Botschafter Kenneth Merten erfolglos.

Die US brachten "Demokratie" nach Jugoslawien, und Jugoslawien existiert heute nicht mehr. Die USA haben laut State Department 5 Milliarden Dollar investiert, um die "Demokratie" in die Ukraine zu bringen, und heute ist die Ukraine im Kriegszustand. Am Ende haben weder das Volk in Jugoslawien, noch die Menschen in der Ukraine von der US-Demokratie profitiert. Und so geht es den Menschen in Haiti. Aber die Liste der nicht-Haitianer, denen es gelang, von der „US-Demokratie" zu profitieren, ist in der Tat lang. Und die Clinton-Stiftung steht ganz oben auf dieser Liste.

(Frei übersetzt nach einem Artikel Cynthia McKinneys bei nsnbc)


Verweise:
http://nsnbc.me/2015/12/18/us-turning-haiti-into-another-vassal-state

Letzte Änderung am Donnerstag, 07 Januar 2016 22:05
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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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