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Humanitäres Großereignis am Golf

Hinrichtung des saudischen Schiitenführers Nimr al-Nimr

Sonntag, 03 Januar 2016 19:46 geschrieben von 
Nimr al-Nimr (Porträt, 2013) Nimr al-Nimr (Porträt, 2013) Quelle: de.wikipedia.org | Abbas Goudarzi | CC BY 4.0

Riad - Saudi-Arabien, aktuell Vorsitzender einer Expertengruppe des UN-Menschenrechtsrates und besonders eifriger Ankläger des syrischen Staates wegen dessen Vorgehens gegen vorwiegend ausländisch gesteuerte islamistische Terrorgruppen, begann das Jahr mit einem Paukenschlag in Sachen Humanität.

47 Personen wurden am 2. Januar wegen angeblicher oder tatsächlicher terroristischer Verstrickungen hingerichtet, was von der Seite des Terrorpaten Nummer eins in Nahost  etwas originell anmutet. Unter den Hingerichteten waren ein Ägypter und ein Bürger des Tschad, der Rest waren saudische Staatsangehörige.
Die bekannteste Persönlichkeit war der schiitische Scheich Nimr al-Nimr, welcher 2011 eine der wenigen wirklich authentischen Protestbewegungen im Zusammenhang mit dem sogenannten „arabischen Frühling“ an vorderster Stelle vertrat, nämlich den Aufstand der Schiiten im Osten des Landes, wo diese die Mehrheit stellen. Bei seinen Forderungen nach mehr Rechten für die Schiiten vertrat al-Nimr, der das saudische Königshaus unumwunden als repressives Regime brandmarkte, allerdings einen ausdrücklich gewaltfreien Ansatz.
Am 8. Juli 2012 wurde al-Nimr verhaftet und dabei verletzt, die Festnahme führte zu erneuten schiitischen Demonstrationen; in diesem Zusammenhang wurden zwei Protestierende erschossen. In der Haft trat er in den Hungerstreik.
Im November 2014 wurde er wegen Anstiftung zum Aufruhr, Vandalismus, Volksverhetzung und Mangels an gehorsam gegenüber muslimischen Autoritäten zum Tode verurteilt. Proteste kamen insbesondere aus dem Iran.
Als Reaktion auf die Hinrichtung stürmten wütende Iraner die saudische Botschaft in Teheran und warfen Molotowcocktails auf das Gebäude, welches teilweise in Brand geriet, bis die iranische Polizei die Proteste unter Einsatz von Tränengas auflöste. 
Das iranische Außenministerium veröffentlichte am Sonntag früh eine Erklärung, wo es die Protestierenden um Ruhe und Achtung gegenüber diplomatischen Einrichtungen bat. Währenddessen soll Berichten zufolge das saudische Botschaftspersonal bereits aus dem Iran evakuiert werden.
Am Sonnabend bereits hatte der Sprecher des iranischen Außenministeriums sich zu al-Nimr Hinrichtung geäußert: „Die saudische Regierung unterstützt Terroristen und Takfiri-Extremisten, während Kritiker im Land hingerichtet und unterdrückt werden.“

Verweise:

https://www.youtube.com/watch?v=PEIx-moB_cs
http://nsnbc.me/2016/01/02/saudi-arabia-executes-47-including-foreign-nationals
https://www.rt.com/news/327755-saudi-embassy-iran-protest
http://www.asianews.it/index.php?art=36294&l=en

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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