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Kampf gegen Drogenhändler

Indonesien verwahrt sich gegen Einmischung in die innere Souveränität

Freitag, 27 Februar 2015 00:50 geschrieben von 
Flagge Indonesiens Flagge Indonesiens

Jakarta - Für einige kapitale Verbrechen ist in Indonesien dem Gesetz nach die Todesstrafe möglich, darunter fallen auch besonders schwere Fälle von Drogenhandel. Mehrere Länder, darunter Australien und Brasilien, sowie selbst UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon haben jedoch an das Land appelliert, seine Haltung zur Todesstrafe zu revidieren. Kürzlich waren sechs zum Tode verurteilte Drogenhändler hingerichtet worden, darunter waren ein Indonesier sowie je ein Staatsbürger aus Malawi, Nigeria, Vietnam, Brasilien und den Niederlanden.

 

Derzeit warten elf weitere Drogenhändler auf ihre Hinrichtung, die in Kürze vollzogen werden soll. Unter den Verurteilten sind mit Andrew Chan und Myuran Sukumaran auch zwei australische Staatsbürger. Die beiden Mitglieder des Drogenrings „Bali nine“ hatten im Jahr 2005 versucht, 8,3 Kilogramm Heroin von Bali nach Australien zu schmuggeln.

Ahmad Zainuddin, Mitglied der Kommission I des Abgeordnetenhauses, welche für die Beaufsichtigung auswärtiger Angelegenheiten zuständig ist, riet der Regierung unter Präsident Joko Widodo, genannt Jokowi, sich dem ausländischen Druck, einschließlich dem des UN-Generalsekretärs, nicht zu beugen. Er bemerkte, die Druckmittel, welche Brasilien und andere Länder derzeit anwandten, seien verständlich, da die Regierung früher oft zur Milde gegen Drogenkriminelle neigte, dies führe zur gegenwärtigen Prüfung der Würde und Souveränität der Herrschaft des Gesetzes und der indonesischen Außenpolitik.

Brasilien hatte auf die geplante Hinrichtung eines seiner Staatsbürger am Freitag, dem 20. Februar, mit einem diplomatischen Affront reagiert; der brasilianische Präsident Dilma Rousseff hatte die Annahme des Empfehlungsschreibens des neuen indonesischen Botschafters verweigert, worauf Indonesien diesen abzog. „Nun, eine solche Handlung ist für mich ein ungewöhnlicher Verhaltenskodex" kommentierte Präsident Jokowi das Verhalten Brasiliens.

Als besonders verfehlt empfanden etliche Indonesier allerdings die Worte des australischen Premiers Tony Abbott. Dieser hatte sich tatsächlich nicht entblödet, angesichts der bevorstehenden Hinrichtung zweier Schwerverbrecher Indonesien daran zu erinnern, daß Australien im Jahr 2004 Indonesien nach der verheerenden Tsunami- und Erdbebenkatastrophe mit einer Milliarde Dollar unterstützt hatte. Das Unglück hatte an der Westküste Sumatras über 100.000 Menschen das Leben gekostet. Abbott deutete an, es sei Zeit für Indonesien, seine Schuld durch die Freilassung der beiden „Bali nine“-Mitglieder zu bezahlen. Darauf verbreitete sich im Inselreich rasch der Vergleich Abbotts mit Shylock, dem berüchtigten Geldleiher aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“. Zahlreiche Demonstrationen flankierten die von verärgerten Indonesiern ins Leben gerufene „Repay“-Kampagne. Die Nation von 250 Millionen Menschen sammelt nun unter Slogans wie „Repay Abbott" und „Coins for Australia" Geld. Eher möchte man Australien seine Hilfe zurückzahlen, als sich großtuerisch in innere Angelegenheiten hineinreden zu lassen.

Insbesondere das Drogenproblem ist in Indonesien ein heikles Thema. Khofifah Indar Parawansa, Ministerin für soziale Angelegenheiten, betonte, Indonesien befinde sich in einem Drogen-Ausnahmezustand. „Wir sind sehr besorgt über die gegenwärtige Situation. Die Zahl der Drogenkonsumenten hat 2015 4,5 Millionen Menschen erreicht, und jedes Jahr zeigt sich eine Zunahme.“ Die Hinrichtungen sollen pünktlich stattfinden und durch das Militär gegen Störungen abgesichert werden.

 

Quellen: 

http://www.antaranews.com/en/news/97876/indonesia-in-a-state-of-drug-emergency-minister
http://www.antaranews.com/en/news/97898/death-penalty-is-in-line-with-indonesian-law--by
http://rt.com/news/234607-indonesia-aid-coins-abbott

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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