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Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Jüdischer Extremist Meir Ettinger inhaftiert

Freitag, 07 August 2015 06:14 geschrieben von 
Jüdischer Extremist Meir Ettinger inhaftiert Quelle: wikimedia.org | Zantastik~commonswiki | CC BY-SA 3.0

Berlin - Es kann als kleine Sensation betrachtet werden. Eine Praxis, welche bei der Behandlung der Palästinenser durch den Staat Israel gang und gäbe ist, wurde erstmals gegen einen jüdischen Extremisten eingesetzt: die sogenannte „administrative Verwahrung“.

Die Maßnahme der „administrativen Verwahrung“ erlaubt den Behörden, eine Person für (jeweils erneuerbare) Perioden von sechs Monaten ohne Anklage oder Prozeß festzuhalten. Der palästinensischen Seite „International Middle East Media Center“ (IMEMC) zufolge befinden sich von gegenwärtig 5686 palästinesischen Gefangenen in Israels Haftanstalten 379 in „administrativer Verwahrung“. Diese Praxis widerspricht internationalem Recht, nach welchem eine solche Vorgehensweise lediglich unter außergewöhnlichen Umständen angewandt werden darf, und von palästinensischer Seite wurde mehrfach mit Hungerstreiks dagegen protestiert.

Der betroffene jüdische Extremist ist ein junger Mann namens Meir Ettinger, Enkel eines gewissen Meir Kahane (1932-1990). Über diesen lohnt es sich, einige Worte zu verlieren. Der orthodoxe Rabbiner vertrat eine besonders radikale Richtung des Zionismus, bezeichnet als Kahanismus, welcher den Gedanken einer talmudischen Theokratie mit dem der Vertreibung sämtlicher Araber aus Israel verbindet. Zu diesem Zweck gründete er 1971 die Kach-Bewegung.  Auch die „Jewish Defence League“ (JDL), welche den diversen antiislamischen und prozionistischen „Defence Leagues“ innerhalb der Rechten zum Vorbild diente, war eine Schöpfung Kahanes, und zwar bereits 1968. Baruch Goldstein, der 1994 in Hebron ein Massaker an 29 Palästinensern während des Gebets in der Moschee verübte, war Mitglied der JDL und wird bis heute in Ehren gehalten.

Meir Ettinger selbst wird nun für „nationalistische Verbrechen“ in Haft gehalten. Nach israelischen Medien soll er der Kopf hinter einem christenfeindlichen Brandanschlag Mitte Juni gewesen sein, außerdem soll er Anschläge gegen Palästinenser geplant haben. Die Verhaftung fand im Gefolge des jüngsten, von jüdischen Extremisten begangenen Brandbombenanschlags in der Westbank statt, bei welcher ein 18 Monate altes palästinensisches Kind verbrannte und mehrere Mitglieder von dessen Familie schwere Verletzungen erlitten. Eine direkte Beteiligung Ettingers an diesem Verbrechen wird jedoch bislang nicht angenommen.

Der tödliche Anschlage wurde von Premier Netanjahu als „Terrorismus in jeder Hinsicht“ verurteilt. Palästinenserorganisationen werfen ihm jedoch Heuchelei vor, da Israels Regierung den illegalen Siedlungsbau in Palästinensergebieten unterstütze und somit auch zugelassen habe, daß eine solche Attacke stattfinden konnte.

 

Quellen:

http://www.imemc.org/article/72524
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/23035
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4687342,00.html

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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