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Bewegung der Blockfreien Staaten

Kehrt der Geist von Bandung zurück?

Montag, 23 März 2015 23:18 geschrieben von 
Kehrt der Geist von Bandung zurück? Quelle: en.wikipedia.org | Foto: Ichwan Palongengi | CC BY-SA 3.0

Berlin - Die Bewegung der Blockfreien Staaten (Non-Aligned Movement, NAM) war 1955 bei der Konferenz in Bandung (Indonesien) erdacht und 1961 in Belgrad formell gegründet geworden. Ihre Väter waren Jugoslawiens Präsident Josep Broz Tito, der indische Premier Jawaharlal Nehru, Indonesiens nationalistischer Präsident Achmed Sukarno sowie Ägyptens Staatspräsident Gamal Abdel Nasser. Das Ansinnen war, jenen Staaten und Völkern eine gewichtigere Stimme zu verleihen, welche sich zur Zeit des Kalten Krieges weder dem US-amerikanisch noch dem sowjetisch dominierten Machtblock anschließen wollten. Die Blockbildung wurde als größte Gefahr für den Frieden betrachtet, stattdessen wurden gleichberechtigte Beziehungen zwischen den Staaten der Welt und Abrüstung zum Ziel erhoben. Bei der Entkolonialisierung der „Dritten Welt“ spielte der „Geist von Bandung" eine prägende Rolle.

Zahlreiche insbesondere asiatische und afrikanische Staaten unterschiedlichster Regierungsform und Weltanschauung traten der Bewegung bei, allerdings machte ihre gewaltige Ausdehnung auch die Findung gemeinsamer Standpunkte zunehmend schwierig. Spätestens mit dem Ende des Warschauer Paktes verlor die Organisation an Bedeutung, die Nachfolgestaaten Jugoslawiens haben seit dessen Auflösung lediglich einen Beobachterstatus; Malta und Zypern traten 2004 der Europäischen Union bei und anschließend aus der NAM aus.

Auch heute vertreten jedoch ihre derzeit 120 Mitgliedsstaaten 55% der Weltbevölkerung und halten nahezu zwei Drittel der Sitze in der UN-Generalversammlung. Auf dem Gipfeltreffen in Havanna im Jahr 2006 haben viele Mitglieder eine stärkere Kooperation zwischen den südlichen Staaten zum Ziel erklärt, viele der in Havanna beschlossenen Positionen fanden sich in Reden auf der folgenden UN-Vollversammlung wieder, und zahlreiche bilaterale Verträge wurden in Folge des Gipfels geschlossen, so daß auch heute die Blockfreie Bewegung noch keineswegs für tot erachtet werden kann. Gegenwärtig hält den Vorsitz der Iran unter seinem Präsidenten Hassan Rohani.

Vor kurzem erst hat die Bewegung bewiesen, daß mit ihrer Stimme weiterhin zu rechnen ist. Angesichts des gegenwärtigen US-amerikanischen Konfrontationskurses gegenüber Venezuela haben sich die 120 Mitglieder zu einer gemeinsamen „entschiedenen Ablehnung“ der jüngsten Anordnung des US-Präsidenten Obama, welche Venezuela als „unübliche und außerordentliche Bedrohung“ bezeichnet, veranlaßt gefühlt. In einer am letzten Montag veröffentlichten Erklärung bekräftigen die Mitgliedsstaaten „ihre feste Unterstützung für die Unabhängigkeit, territoriale Integrität und politische Unabhängigkeit der Bolivarianischen Republik Venezuela“. Mit dem Hinweis auf die in der Gründungsurkunde der UNO festgelegte Verpflichtung zur friedlichen Zusammenarbeit mahnt die Blockfreie Bewegung zum Dialog zwischen den USA und Venezuela und fordert von den USA, „ihre illegalen Zwangsmaßnahmen einzustellen“.

Quellen: 

http://www.webcitation.org/5y9nJiTzr
http://venezuelanalysis.com/news/11279

Letzte Änderung am Dienstag, 24 März 2015 03:44
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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