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Für und gegen die Regierung

Massendemonstrationen in Venezuela

Donnerstag, 17 März 2016 20:28 geschrieben von 

Caracas - Zwei Märsche überfluteten am letzten Sonnabend die Straßen Caracas', als die Venezolaner ihre Unterstützung wahlweise der Regierung oder der Opposition massiv äußerten.
Auf der Seite der Regierung marschierten Zehntausende von „Chavistas“ durch die Straßen in der zum größten Teil von Arbeiter bewohnten Innenstadt Caracas'. Sie bekundeten ihre entschiedene Ablehnung der US-Exekutive, die Venezuela als eine "ungewöhnliche Bedrohung" betrachtet.

Ursprünglich wurde das Dekret im März 2015 unterzeichnet, und vor ein Paar Wochen, am 4. März 2016, hat es Präsident Obama erneuert – was einen Aufschrei über den ganzen Kontinent provozierte. Die verschiedenen regionalen und multilateralen Blöcke, unter ihnen der CELAC, UNASUR und ALBA, kritisierten Obamas Entschluß scharf.
Die Demonstranten hielten Schilder mit den Inschriften "Venezuela ist stolz auf sich" oder "Obama, annulliere das Dekret jetzt!". Die Marschierer brachten ihre Wut gegen den US-Imperialismus zur Schau und bezeichneten Präsident Obama als "Chef der Opposition".
Präsident Maduro kritisierte ebenso die US-Regierung für ihre Doppelstandards in Bezug auf Menschenrechte.
"Venezuela ist nicht das Land, das schutzlose Völker bombardiert, Nationen finanziell stranguliert oder Kriegsflüchtlingen den Eintritt verweigert; in keiner Weise können die Venezolaner oder ihre Regierung als eine Bedrohung betrachtet werden", erklärte er bei einer Kundgebung in der Plaza O'Leary, in der Nähe des Palastes Miraflores.


Der Staatschef nutzte die Gelegenheit auch, um Rücktrittsförderungen zurückzuweisen, und verpflichtete sich, sein Amt fortzusetzen "bis zum letzten Tag [seiner Amtszeit], die mir Chávez mit der Unterstützung des Volkes hinterließ."
Inzwischen war der Ruf nach Maduros Rücktritt die Hauptforderung einer Gegendemonstration von mehreren tausend Sympathisanten der Opposition, die auf den Straßen in Caracas östlicher Gemeinde Chacao am selben Nachmittag stattfand.
Diese Demonstration ist Teil einer oppositionellen Vier-Säulen-Strategie, die den "Ausstieg" von Maduro erreichen will. Die Oppositions-Koalition plant, ein Referendum durchzuführen, eine Verfassungsänderung zu erreichen, um die Amtszeit zu verkürzen, eine verfassungsgebende Versammlung, um die Verfassung neu zu schreiben, und weitere Proteste fordern den Rücktritt des Präsidenten.
Die Anti-Maduro Demonstranten verkündeten: "Wir sind hier, weil wir was ändern wollen", "Raus aus Venezuela! Wir wollen dich nicht!", "Nieder mit den Ketten", "Amnestie für politische Gefangene".
Aber zur Gegendemonstration kamen weniger Teilnehmer als erwartet, eine niedrigere Zahl als zu den von der Opposition geführten Protesten von 2014.


In seiner Rede auf der Kundgebung machte der Präsident der oppositionellen Nationalversammlung, Henry Ramos Allup, eine Anspielung auf die "Verzweiflung" unter den Oppositions-Basen und versuchte, seine Unterstützer zu ermutigen.
"Für uns ist jedes Opfer zu klein, aber bitte: Wir brauchen mehr Inspiration, mehr Hilfe, einen Aufschwung ... Wir werden unsere eigene Verzweiflung überwinden", erklärte er.


Andere politische Führer der MUD, wie die eindeutig pro-US-amerikanische Hardlinerin María Corina Machado, erschienen auf der Kundgebung, um die Menge aufzustacheln, nicht verfassungsgemäße Mittel zu verwenden, um die nationale Regierung zu verdrängen. "Einige sagen, daß es sinnlos ist, den Rücktritt (von Maduro) zu verlangen. Ich sage euch alle: Naiv ist, wer glaubt, daß der Rücktritt freiwillig sein wird!" sagte sie zu ihren Anhängern.


Nach zwei Monaten an der Spitze der Nationalversammlung des Landes ist die Oppositionskoalition bisher daran gescheitert, ihre Legislativagenda durchzuführen –  einschließlich des höchst umstrittenen Amnestiegesetzes, welches immer noch in der Diskussion ist und demnächst in einer Überprüfung durch den Obersten Gerichtshof untersucht werden soll. Seit Januar hat die nationale Exekutive eine Reihe von wirtschaftlichen Maßnahmen trotz parlamentarischer Opposition bewilligt.


Frei nach einem Artikel bei nsnbc:
http://nsnbc.me/2016/03/15/pro-and-anti-government-marches-take-the-streets-of-caracas
Weitere Verweise:
http://listindiario.com/las-mundiales/2016/03/12/411402/manifestantes-oficialistas-y-opositores-marchan-por-separado-en-caracas 
http://internacional.elpais.com/internacional/2016/03/08/actualidad/1457454413_859335.html 
http://www.notilogia.com/2016/03/12-de-marzo-oposicion-y-oficialismo-convocan-marchas-en-caracas.html 

 

 

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Felix Alemán

Felix Alemán (Jahrgang 1985), Deutsch-Spanier, wurde in Berlin geboren und wuchs in Spanien auf.

Nach dem Abitur schloß er eine kaufmännische Ausbildung in der Fachrichtung Fremdsprachen ab. Seit 2005 wohnt er wieder in Berlin. Seine Interessengebiete beinhalten Sprachen, Filme und Politik. Er schreibt Filmkritiken für einen spanischen Blog.

Für COLPORTAGE befaßt er sich u.a. mit geopolitischen Themen mit dem Schwerpunkt Spanien und Lateinamerika.

Webseite: www.colportage.de

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