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Fangschuß für Ägyptens Muslimbruderschaft?

Mohammed Mursi zum Tode verurteilt

Samstag, 16 Mai 2015 22:54 geschrieben von 
Mohammed Mursi (2013) Mohammed Mursi (2013) Quelle: en.wikipedia.org | Foto: Wilson Dias/ABr - Agência Brasil | CC BY 3.0 br

Kairo - Trotz versöhnlicher Töne führender Muslimbrüder in jüngster Zeit und der Zusammenarbeit mit deren ausländischen Verbündeten Türkei und Katar gegen die schiitischen Huthi im Jemen geht Ägypten im Inneren weiterhin mit aller Härte gegen die Muslimbruderschaft vor.

Im sogenannten „Hamas-Spionagefall“ sind heute 16 Muslimbrüder zum Tode verurteilt worden. Obwohl sich Ägyptens ehemaliger Präsident Mohammed Mursi unter den Angeklagten befand, wird sein Name in dem Urteil nicht erwähnt.

Zum Tode verurteilt wurde er in der selben Sitzung allerdings dennoch - als einer von 106 Angeklagten, darunter 70 Palästinensern - für seine Beteiligung am Massengefängnisausbruch von Wadi al-Natrun im Januar 2011, welcher Unruhen in weiteren Gefängnissen und Massenproteste und schließlich den Sturz von Muhammad Husni Mubarak zur Folge hatte. Nach Darstellung der Anklage waren die Gefängnisse von Mitgliedern von Hamas, Hisbollah und Muslimbruderschaft angegriffen worden, mit dem Ziel, islamistische Gefangene zu befreien.

Im „Hamas-Spionagefall“ wiederum wurde Mursi und anderen führenden Muslimbrüdern vorgeworfen, zwischen 2005 und 2013 mit ausländischen Mächten und Organisationen wie Katar, der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah zusammengearbeitet zu haben, diesen ägyptische Staatsgeheimnisse verraten, terroristische Akte durchgeführt und Ägypten destabilisiert zu haben.

Die Mehrzahl der insgesamt 122 zum Tode Verurteilten wurde in Abwesenheit verurteilt, einschließlich des in Katar lebenden Yusuf al-Qaradawi, eines der führenden Theologen der Muslimbrüder. Die Urteile müssen noch dem Großmufti als oberster religiöser Autorität zur Bestätigung vorgelegt werden, als Datum des abschließenden Urteil wurde der 2. Juni angegeben. Die Ansicht des Großmuftis besitzt allerdings keinen rechtlich bindenden Charakter.

Am 21. April war Mursi bereits wegen Anstiftung zu gewalttätigen Aktionen vor dem Präsidentenpalast im Dezember 2012 zu 20jähriger Haft verurteilt worden. In diesem Zusammenhang waren zahllose Demonstranten ums Leben gekommen.

Amr Darrag, ein Vertreter der Bruderschaft, hat sich an die Weltöffentlichkeit gewandt, um die Vollstreckung der Todesurteile zu verhindern. „Es handelt sich um ein politisches Urteil und stellt das Verbrechen eines Mordes dar, welches zu begangen werden droht und sollte durch die internationale Gemeinschaft gestoppt werden", so Darrag gegenüber Reuters. Protest kam auch von Amnesty International, welche das Verfahren als Farce bezeichnete und die sofortige Freilassung Mursis forderte. Auch der türkische Präsident Erdogan reagierte mit deutlichen Worten auf das Urteil und bezichtigte westliche Staaten der Heuchelei, da diese bei sich die Todesstrafe abschaffen, jedoch nichts bezüglich der Situation in Ägypten täten.

Mohammed Mursi war 2012 als erster demokratisch gewählter Präsident Ägyptens an die Macht gekommen, hatte dem Staat jedoch eine zunehmend islamistische Richtung gegeben und die Möglichkeiten der säkulären Opposition sowie religiöser Minderheiten eingeschränkt. Die schlechte wirtschaftliche Lage tat ihr Übriges zum Erstarken einer umfassenden Protestbewegung, und schließlich war Mursi im Juli 2013 durch das Militär gestürzt worden.

 

Quelle:

http://www.independent.co.uk/news/world/africa/former-egyptian-president-sentenced-to-death-10254860.html
http://rt.com/news/259237-morsi-death-sentence-secrets
http://www.thecairopost.com/news/150853/news/16-brotherhood-leaders-sentenced-to-death-in-hamas-espionage-case
http://www.thecairopost.com/news/150859/albums/mass-death-sentences-against-morsi-mb-leaders

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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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