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Russland und der Jemen

Moskau unterstützt die neue Regierung des Jemen und mahnt zum Dialog

Dienstag, 24 Februar 2015 16:01 geschrieben von 
Wladimir Putin Wladimir Putin Bild: the Presidential Press and Information Office

Moskau - Die grundsätzliche Einschätzung Paul J. Saunders’ scheint sich zu bestätigen. Bereits im Dezember 2014, also deutlich vor der erst Anfang Februar erfolgten Machtergreifung der schiitischen Huthi-Rebellen im jemenitischen Norden fand der geopolitische Denker, welcher für den 1994 von Richard Nixon ins Leben gerufenen betont realistischen Think Tank „Center for the National Interest“ als Geschäftsführer sowie Mitherausgeber der Hauspostille „The National Interest“ tätig ist, lobende Worte für Rußlands Nahostpolitik, insbesondere in Bezug auf den Jemen. Mit zunehmender Komplexität der dortigen Ereignisse stelle sich Rußlands Politik zunehmend einfach dar. Es unterstütze die jeweilige Regierung, wer es auch sei, und ermutige zum Dialog zwischen den verschiedenen Gruppen des Landes.

Jenen zahlreichen Anhängern der Theorie, die russische Außenpolitik folge lediglich jener der Sowjetunion hält er entgegen: „Sowjetische Politik ist nicht russische Politik. Anders als die Sowjetunion, welche einem globalen existentiellen Kampf gegen die USA diente und Gewalt im Nahen Osten förderte, um Amerika und seine Verbündeten zu unterminieren, sieht das heutige Rußland Instabilität als Gefahr, nicht als Werkzeug. Von daher ist Moskaus oberstes Anliegen die Eindämmung von Gruppen extremistischer Sunni-Moslems, insbesondere von al-Kaida, auf der arabischen Halbinsel.“ Aus seinem Interesse an Stabilität heraus habe Rußland auch Hilfsgesuche südjemenitischer Separatisten, welche in einem Schreiben sogar ausdrücklich auf die seinerzeitige Unterstützung durch die Sowjetunion Bezug nahmen, schlichtweg ignoriert.

Interessant ist diese Stimme insbesondere deshalb, weil Paul J. Saunders ja durch seinen Hintergrund keineswegs als Gegner des US-Establishments gelten kann, 2003-2005 war er sogar als Senior-Berater der Bush-Regierung tätig.

Als im September 2014 Huthi-Rebellen Sanaa eingenommen hatten, hatte Rußland bereits eine recht wohlwollende Position diesen gegenüber eingenommen; Saunders erklärt dies damit, daß sie als Mitspieler bei der Begrenzung der Möglichkeiten sunnitischer Extremisten angenommen würden. Gleichzeitig unterstützte Moskau die Regierung des mittlerweile abgesetzten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, weitere Bemühungen der Huthis, ihre Position auf Kosten der Gesamtstabilität des Jemen auszubauen, würde Rußland hingegen ablehnen.

Die Entwicklung durch den Staatsstreich der Huthi am 6. Februar ist jedoch einen anderen Weg gegangen, als den von Moskau vermutlich bevorzugten, die Huthi stellen nunmehr eine Art Übergangsregierung. Und doch bleibt Rußland seinem Rezept treu. Am 19. Februar rief Alexander Lukaschewitsch, Pressesprecher des Außenministeriums, die Parteien auf, gemeinsam an einem Abkommen zu arbeiten und die schwierige Situation durch verstärkten Dialog zu bewältigen.

Nun meldete sich anläßlich einer Feier zum „Tag der Russischen Streitkräfte“ Wladimir Deduschkin, der russische Botschafter in Sanaa, zu Wort, und seine Ausführungen dürften als de facto-Anerkennung der Huthi-Übergangsregierung zu deuten sein. Er betonte die Bereitschaft seines Landes zu einer weiteren Unterstützung des Jemen bei den Bemühungen, aus der gegenwärtigen Krise zu kommen und betonte erneut den russischen Wunsch nach Verhandlungen zwischen den verschiedenen Parteien. Zakaria al-Shami, Stellvertretender Chef des Generalstabs der Huthis, war bei der Veranstaltung in der russischen Botschaft ebenfalls anwesend und lobte in seiner Rede die umfangreiche russische Unterstützung in vielen Bereichen, einschließlich des militärischen. Al-Shami betonte den Wunsch des Verteidigungsministeriums nach einem Ausbau dieser Kooperation und empfahl insbesondere die Absendung von Vertretern der jemenitischen Streitkräfte zum Studium an russischen Militärschulen und Instituten.

 

Quellen:

http://www.sabanews.net/en/news388762.htm
http://www.sabanews.net/en/news389178.htm
http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2014/12/russia-yemen-putin-bogdanov-aden-separatists.html
https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/15489-south-yemen-separatist-movement-demands-russian-support

Letzte Änderung am Dienstag, 24 Februar 2015 16:05
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Ruedi Strese

Mag. Ruedi Strese (Jahrgang 1980) machte 2001 sein Abitur und lebt in Berlin.

Nach seinem Studium der Germanistischen Linguistik und der Südostasienwissenschaften an der Humboldt-Universität und Abschluß mit dem Magistergrad im Jahr 2010 arbeitete Ruedi Strese als Lektor, Autor und Musiker.

Seit Dezember 2014 leitet er die Redaktion von COLPORTAGE.

Webseite: www.colportage.de

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